Gefinkelte Kunst: Tone Fink

Weekend: Wie sehr unterliegen Sie in dieser Pandemie Einschränkungen?
Tone Fink:
Ich habe großes Glück, dass ich bisher gesund geblieben bin, ich habe als Asthmatiker etwas Angst vor Corona. Leider wurden Ausstellungen, Messen und Kunstveranstaltungen abgesagt oder in den Herbst verschoben. Dennoch bin ich gut durch das Jahr 2020 gekommen. Die 750-Jahr-Feier in Schwarzenberg mit Geistern, Dämonen und Tiermasken und der Papierhautprozession war den Performances, die ich vor 20, 30 Jahren gemacht habe, ähnlich.

Weekend: Was vermissen Sie, was kommt Neues?
Tone Fink:
Die Nicht-Berührungen gehen mir ab: Haut auf Haut und sich näher zu kommen... Blöd ist, dass ich selbst kochen muss, da ich kaum Zeit dafür habe. Dabei könnte man auch in der Küche erfinderisch, formend und kreativ sein. In diesen langen Monaten habe ich ein neues Hobby gefunden und produziere mit großer Freude Tierabbildungen. Das naturalistische Zeichnen betrachte ich als Handwerk, es ist manuelle Geschicklichkeit, braucht jedoch nicht viel Phantasie. Natürlich „finkelt“ es jedoch auch in diesen Abbildungen.

Weekend: Warum ist Weiß Ihre Farbe?
Tone Fink:
Ich mag das viele Weiß – über Weiß könnten wir stundenlang reden. Ich bin eher weißlich, und Papier steht stellvertretend für die Haut. Ich war schon als Kind rothaarig, sommersprossig und empfindsam. Es heißt zwar, „rote Leute haben sieben Häute, sechs mehr als andere Leute“, doch wurde ich schon in jungen Jahren von Hautproblemen geplagt. Papier ist tast-, greif- und berührbar. Es wird von mir gerissen, geschnitten, gefaltet, gelocht. Ich war in meinem Tun immer Verletzer und Mediziner in einem. Bei Zeichnungen beginne ich oft ohne Thema, nicht wissend, was herauskommt. Das Schwierige ist dann, mit einem Blatt oder einem Bild früh genug aufzuhören. Ich bin ein nervöser Zipfel, ein Mittagsschläfchen, ein Spaziergang oder das Zeichnen von Ornamenten wie einst für die Artone Textilien beruhigen mich.

Weekend: Was waren bislang große Momente und wie stehen Sie zum Tod?
Tone Fink:
Fasziniert hat mich die Geburt meiner Tochter Katharina – das war ein unglaublich intensives Lebensgeschehen. Beruflich waren es weder Ehrungen noch Verdienstzeichen, sondern meine Albertina-Ausstellung. Der Tod soll noch warten. Übrigens ist mir das Verbrennen lieber als Würmer die an den Körper gehen. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Ich hatte schon so viel Glück im Leben: in Caracas bin ich knapp einer Schießerei entkommen und daheim hat mich beinahe ein Ross erschlagen. Statt jung und wild wird man alt und mild, wobei ich sicher nie ganz zahm werde.

Weekend: Ihr Wunsch in diesen unsicheren Zeiten?
Tone Fink:
Man muss sich fast schämen, dass wir im Paradies leben, während es tausende hungernde Menschen auf den griechischen Inseln in den Flüchtlingslagern gibt. Ich verurteile die österreichische Regierung dafür, dass sie nichts tut, um die Situation zu verändern. Wir betonieren unser Land zu, es regiert die Wirtschaft, aber nicht die Menschlichkeit. Es ist kalt. Ich wünsche mir daher eine Empathiespritze für unsere Regierungsmannschaft!

Zur Person: Tone Fink

  • geb. 1.1. 1944 in Schwarzenberg
  • Familienstand: gesch., 1 Tochter, 1 Enkel
  • Werdegang: Matura, Lehramt, Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, seit 1973 freischaffender Künstler; Ateliers in Fußach, Wien und Schattendorf (Bgld.); Auszeichnungen: Preis der Stadt Wien für Bildende Künste, Ehrengabe des Landes Vorarlberg, Konstanzer Kunstpreis etc.
  • Neue Ausstellung: Galerie Petra Seiser, Schörfling, Attersee, ab 5. März 2021
  • Hobbies: Neben der Kunst hat nicht viel Platz... Lesen
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 22.02.2021