Mord an Johanna G.: Polizist in U-Haft nannte sich Halbgott
- Heimliche Beziehung
- Ermittlungen und Geständnis
- Der Mann hinter der Uniform
- Seine Darstellung der Ereignisse
- Offene Fragen
Seit Mittwoch ist es traurige Gewissheit: Die seit Samstag aus Tillmitsch vermisste Johanna G. ist tot. Die Leiche der 34-jährigen Fitnesstrainerin ist in einem Waldstück in der Südoststeiermark gefunden worden. Der Verdächtige, ein 30-jähriger Beamter der Spezialeinheit Cobra, befindet sich in Untersuchungshaft.
Heimliche Beziehung
Nach dem Fund der Leiche kommen jetzt immer mehr Details über die Hintergründe der Tatverdachtslage bekannt geworden. Nach einer Trennung im Herbst hatte sich Johanna G. auf einer Online-Dating-Plattform angemeldet, über die sie den Polizisten kennengelernt haben soll. Die beiden sollen sich regelmäßig getroffen haben, ohne die Beziehung öffentlich zu machen. Ermittler sprechen von einer diskreten Verbindung, die im Jänner offenbar eskaliert ist. Nur das engste Umfeld der 34-Jährigen – ihre Mutter und beste Freundin – war darüber informiert.
Ermittlungen und Geständnis
Nachdem Johanna G. am Samstag als vermisst gemeldet worden war, werteten die Ermittler Chatverläufe und Standortdaten aus. Die Spuren führten direkt zu dem 30-jährigen Cobra-Beamten. In seiner ersten Einvernahme bestritt der Mann ein Treffen am Freitagabend und gab an, die Frau zuletzt im Dezember gesehen zu haben.
Erst als die Ermittler Nachrichten einer Freundin des Opfers vorlegten, räumte er ein, Johanna G. am 9. Jänner getroffen zu haben. Wenige Tage später legte der Beamte ein Teilgeständnis ab. Er führte die Ermittler zu einem Waldstück nahe des Hauses seiner Eltern, wo die Leiche vergraben worden war. Parallel dazu fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung zwei Pistolen, darunter eine als gestohlen gemeldete Dienstwaffe und eine Trainingspistole. Gegen den Verdächtigen wurde daraufhin ein vorläufiges Waffenverbot verhängt.
Der Mann hinter der Uniform
Über den Beschuldigten ist inzwischen einiges bekannt geworden. Der 30-Jährige war seit 2016 bei der Polizei tätig und wurde 2021 zur Spezialeinheit Cobra versetzt. Vor einigen Jahren trat er in der Fernsehsendung „Ninja Warrior Austria“ auf, wo er sich selbst als „halbgottartig“ bezeichnete und sagte: „Ich lebe für Kampfsport, durch Feuer bin ich auch schon gesprungen, davor hab ich keine Angst mehr!“
Seine Darstellung der Ereignisse
Nach wie vor bestreitet der 30-Jährige Johanna G. ermordet zu haben. In seiner Aussage sprach er von einem tragischen „Sex-Unfall“. Laut seinen Angaben habe es zwischen ihm und Johanna G. einvernehmliche Würgespiele gegeben, bei denen es zu einem tödlichen Ausgang gekommen sei. Ermittler halten die Darstellung hingegen für wenig plausibel. Für den Beamten gilt die Unschuldsvermutung.
Offene Fragen
Neben dem genauen Tathergang sind weitere Fragen ungeklärt. Die Obduktion soll nicht nur die Todesursache, sondern auch den Verdacht einer möglichen Schwangerschaft bestätigen oder ausschließen.
Laut Personen aus dem Umfeld der 34-Jährigen soll Johanna G. zum Zeitpunkt ihres Verschwindens schwanger gewesen sein. Auch das verschwundene Handy der Frau, das der Verdächtige nach eigenen Angaben aus dem Autofenster geworfen haben will, ist bislang nicht gefunden worden. Das Ergebnis der gerichtsmedizinischen Untersuchung wird in den kommenden Tagen erwartet.