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Massud Peseschkian, Teil der neuen Regierung im Iran während einer UN-Sitzung in New York
Nach dem Tod von Chamenei führt Irans Präsident Massud Peseschkian die neue Regierung an.
Nach dem Tod von Chamenei führt Irans Präsident Massud Peseschkian die neue Regierung an.
APA-Images / dpa / Kay Nietfeld

Iran: Neue Regierung soll feststehen

01.03.2026 um 12:12, Marcel Toifl
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Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei übernimmt ein Dreier-Rat die Macht im Iran. Die neue Regierung soll interimistisch arbeiten.

Die politische Landkarte Irans wird neu gezeichnet. Nachdem offiziell bestätigt wurde, dass der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bei Luftangriffen getötet wurde, soll in Teheran eine neue Regierung in Form eines dreiköpfigen Führungsgremiums die Amtsgeschäfte übernehmen. 

Interimsrat: Wer führt den Iran jetzt?

Gemäß der iranischen Verfassung wurde am Samstagmorgen ein Interimsrat gebildet, wie das Staatsfernsehen meldet. Dieser besteht aus Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und dem einflussreichen Geistlichen Aliresa Arafi. Dieses Gremium übernimmt vorübergehend die weitreichenden Befugnisse des verstorbenen Revolutionsführers, darunter die Oberbefehlsgewalt über die Streitkräfte und die Revolutionsgarden (IRGC), bis der 88-köpfige Expertenrat eine dauerhafte Lösung präsentiert.

Das Ende der Ära Chamenei: Folgen für Teheran

Seit 1989 war Ajatollah Ali Chamenei das unangefochtene Machtzentrum des Landes. Sein Tod durch israelisch-amerikanische Luftschläge hinterlässt ein enormes Vakuum. Während staatliche Medien ihn als Märtyrer feiern, berichten Beobachter von vereinzelten Jubelszenen in iranischen Städten. In der Gerüchteküche um die Nachfolge fällt immer wieder der Name seines Sohnes, Modschtaba Chamenei, was jedoch innerhalb der religiösen Elite als höchst umstritten gilt.

Der Wächterrat: Wächter der theokratischen Ordnung

Unterstützt wird die neue Regierung durch den mächtigen Wächterrat. Diese Institution fungiert als ideologisches Kontrollorgan, das jedes Gesetz auf seine Konformität mit der Scharia prüft. Für die Stabilität des Systems ist der Rat essenziell, da er entscheidet, welche Kandidaten für künftige Wahlen zugelassen werden. Er gilt als das letzte Bollwerk zur Aufrechterhaltung der religiösen Vormachtstellung im Iran.

Exil-Opposition: Reza Pahlavi fordert Übergang

International wächst der Druck. US-Präsident Donald Trump deutet gegenüber CBS News an, dass es „einige gute Kandidaten“ für eine Neuausrichtung gebe. Zeitgleich meldet sich Reza Pahlavi, der Sohn des gestürzten Schahs, aus dem US-Exil zu Wort. In der Washington Post appelliert er an die Weltgemeinschaft, einen Übergang zu freien Wahlen zu unterstützen: Viele Iraner hätten ihn gebeten, diesen Prozess anzuführen. Ob die Opposition im Land hinter dem ehemaligen Thronfolger steht, bleibt angesichts der historischen Belastung des Schah-Regimes jedoch fraglich.

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