Christof erneut pleite: 180 Mitarbeiter betroffen
- Christof Industries will Betrieb fortführen
- Millionenverlust bringt Christof in Bedrängnis
- Christof-Chef: „Unser Geschäft ist gesund“
- Bis zu 62 Millionen Euro stehen im Raum
- Schon 2022 ist Christof insolvent gewesen
Der steirische Anlagenbauer Christof Industries Austria ist erneut insolvent. Das Grazer Unternehmen hat am Freitag beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 450 Gläubiger. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro. Im Fall einer Schließung könnten weitere Haftungen von rund 32 Millionen Euro schlagend werden.
Christof-Insolvenz auf einen Blick
- Verfahren: Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung
- Beschäftigte: rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Gläubiger: mehr als 450
- Verbindlichkeiten: rund 30 Millionen Euro
- Im Liquidationsszenario: rund 62 Millionen Euro
- Sanierungsquote: 20 Prozent binnen 24 Monaten
- Standorte: Graz, Wels und Wien
- Ziel: Fortführung von Christof Industries Austria
Christof Industries will Betrieb fortführen
Die Schließung von Christof Industries Austria soll verhindert werden. Das Unternehmen will den Betrieb an den Standorten Graz, Wels und Wien weiterführen und sich über einen Sanierungsplan finanziell neu aufstellen.
Den Insolvenzgläubigern wird eine Quote von 20 Prozent angeboten. Sie soll innerhalb von 24 Monaten nach Annahme und rechtskräftiger Bestätigung des Sanierungsplans bezahlt werden. Die dafür notwendigen Mittel sollen aus dem laufenden Geschäft kommen. Die Gesellschaften der Christof-Gruppe in Rumänien und China sind vom Verfahren nicht betroffen.
Millionenverlust bringt Christof in Bedrängnis
Als unmittelbaren Auslöser der neuerlichen Insolvenz nennt das Unternehmen ein Schiedsverfahren in England. Dabei ist es um die Bezahlung von Mehrleistungen bei einem Großprojekt gegangen. Ende August ist die Entscheidung gefallen und für Christof offenbar wesentlich schlechter als erwartet ausgegangen.
„Christof Industries Austria wurde nur ein Bruchteil der Summe zugesprochen, die dem Unternehmen für bereits erbrachte Leistungen zustehen würde“, heißt es seitens des Unternehmens. Der fix eingeplante Betrag fehle nun in der Liquidität.
Verschärft hat die Situation, dass Christof nach Abschluss des ersten Sanierungsverfahrens 2023 nach eigenen Angaben keine ausreichende Bankenfinanzierung mehr erhalten hat.
Christof-Chef: „Unser Geschäft ist gesund“
Die Insolvenz sei nicht auf fehlende Aufträge zurückzuführen, betont CEO Johann Christof: „Ohne den Ausgang dieses einen Schiedsverfahrens wäre die Situation eine völlig andere. Unser Geschäft ist gesund, unsere Kunden sind zufrieden, unsere Auftragsbücher sind voll.“
Als Familienbetrieb ohne Bankenfinanzierung könne Christof einen Ausfall dieser Größenordnung allerdings nicht aus eigener Kraft überbrücken. Die aktuell laufenden Projekte sollen nach Angaben des Unternehmens weiterhin vertragsgemäß abgewickelt werden.
Bis zu 62 Millionen Euro stehen im Raum
Die unmittelbar ausgewiesenen Verbindlichkeiten liegen bei rund 30 Millionen Euro. Dazu kommen rund 32 Millionen Euro, die im Fall einer Schließung insbesondere wegen nicht fertiggestellter Projekte schlagend werden könnten. Damit stehen im Liquidationsszenario insgesamt rund 62 Millionen Euro im Raum.
Den Aktiva mit einem Buchwert von rund 52,1 Millionen Euro wird laut AKV nur noch ein Liquidationswert von rund 6,96 Millionen Euro zugerechnet. Im Sanierungsantrag bezeichnet sich Christof Industries Austria als „rechnerisch überschuldet“.
Für die Beschäftigten ist die angespannte Finanzlage bereits spürbar. Löhne und Gehälter wurden laut Antrag bis einschließlich Juli 2026 bezahlt. Vom Urlaubsgeld wurden 50 Prozent ausbezahlt.
Schon 2022 ist Christof insolvent gewesen
Für Christof Industries Austria ist es bereits die zweite Insolvenz innerhalb weniger Jahre. Im September 2022 wurde ebenfalls ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Damals zählte das Unternehmen noch rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die erste Krise wurde unter anderem mit den Folgen der Corona-Pandemie, massiven Projektverzögerungen, Lieferkettenproblemen, stark steigenden Energie- und Materialpreisen sowie Kostenüberschreitungen bei Großprojekten begründet.
Der Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent wurde schließlich angenommen, das Verfahren 2023 erfolgreich abgeschlossen und die vereinbarte Quote laut Unternehmen vollständig erfüllt worden.
Quellen und weiterführende Informationen
- AKV EUROPA – Christof Industries Austria GmbH
Informationen zum Sanierungsverfahren, zu Verbindlichkeiten, Aktiva, Beschäftigten und Sanierungsplan. - KSV1870 – Christof Industries Austria GmbH, Sanierungsverfahren
Informationen zum Insolvenzverfahren, zu Gläubigern, Verbindlichkeiten und zur geplanten Fortführung.