Direkt zum Inhalt
Das Salzbergwerk Hallstatt ist eines der ältesten der Welt - hier wird seit über 7.000 Jahren gefördert und einst fast ganz Europa versorgt.
In Hallstatt wurde bereits vor rund 7.300 Jahren Salz gewonnen.
In Hallstatt wurde bereits vor rund 7.300 Jahren Salz gewonnen.
Tomas Sysel/Shutterstock.com

Hallstatt: Diese Entdeckung überrascht selbst Experten

11.09.2026 um 10:47, Yunus Emre Kurt
min read
Neue Forschungen im Salzberg von Hallstatt zeigen gewaltige prähistorische Abbaukammern. Die Anlage liefert einzigartige Einblicke in 7.300 Jahre Bergbau.

Tief im Salzberg von Hallstatt, Bezirk Gmunden, stoßen Forscher auf immer neue Spuren eines Jahrtausende alten Bergbaus. Aktuelle Untersuchungen zeigen einen weitläufigen Komplex aus mehreren prähistorischen Abbaukammern, die teilweise parallel sowie übereinander verlaufen. Die Anlage lässt erahnen, in welchem Ausmaß bereits vor Jahrtausenden Salz gewonnen wurde. Einige der untersuchten Bereiche erstrecken sich über mehrere hundert Meter.

Gewaltiger Komplex im Salzberg

Bekannt waren prähistorische Abbaugebiete im Hallstätter Salzberg bisher vor allem dort, wo spätere Stollen zufällig auf ältere Anlagen trafen. Seit 2022 nutzen die Forscher deshalb zusätzlich ein Kernbohrgerät der Salinen Austria AG, um gezielt tiefer in bislang unerforschte Bereiche vorzudringen.

Die Untersuchungen brachten ein weit verzweigtes System aus mehreren Abbaukammern ans Licht. Laut Grabungsleiter Daniel Brandner vom Naturhistorischen Museum Wien verlaufen diese teilweise nebeneinander sowie übereinander und folgen offenbar sehr genau den geologischen Salzvorkommen.

Der derzeit erforschte Bereich lässt sich auf rund 300 Metern verfolgen. Einzelne Kammern erreichen enorme Dimensionen. Vergleichbare hallstattzeitliche Abbauräume waren mehr als 20 Meter hoch und mehrere Dutzend Meter breit.

Salzabbau seit rund 7.300 Jahren

Die Geschichte des Salzabbaus in Hallstatt reicht außergewöhnlich weit zurück. Werkzeuge aus der Jungsteinzeit belegen, dass bereits vor rund 7.300 Jahren Menschen im Hallstätter Hochtal Salz gewannen.

Ab etwa 1.200 vor unserer Zeitrechnung nahm der Bergbau immer größere Dimensionen an. Wiederholt wurde die Arbeit durch Hangrutschungen und andere Naturereignisse unterbrochen. Dennoch nahmen die damaligen Bergleute den Salzabbau immer wieder auf.

Brandner spricht deshalb von einer besonders widerstandsfähigen Gemeinschaft. Selbst nach schweren Rutschungen sei die Infrastruktur offenbar innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut worden. Das NHM beschreibt diese Fähigkeit zur raschen Erholung als bemerkenswertes Beispiel für die Resilienz der damaligen Bevölkerung.

Salz konserviert außergewöhnliche Funde

Besonders wertvoll für die Forschung ist die außergewöhnliche Erhaltung im Berg. Auf dem Boden der Kammern befinden sich teilweise meterhohe Schichten aus Überresten des damaligen Arbeitsalltags.

Dazu zählen abgebrannte Kienspäne, beschädigte Werkzeuge, Textilien und Reste von Kleidung. Auch Speisereste sowie menschliche Hinterlassenschaften wurden gefunden.

Das Salz wirkt dabei wie ein natürliches Konservierungsmittel. Dadurch bleiben organische Materialien erhalten, die an anderen archäologischen Fundstellen längst zerfallen wären. Forschende können dadurch sogar DNA-Spuren untersuchen und Rückschlüsse auf Ernährung, Kleidung und Alltag der prähistorischen Bergleute ziehen.

Interessant sind zudem Parallelen zum Salzabbau am Dürrnberg bei Hallein. Auch dort wurde bereits in der Eisenzeit in großem Stil Salz gewonnen.

Alte Stollen werden wieder zugänglich

Parallel zu den laufenden Untersuchungen werden historische Stollen im Hallstätter Salzberg saniert. Gemeinsam mit den Salinen Austria und den Salzwelten will das Naturhistorische Museum frühere Fundstellen wieder für die moderne Forschung zugänglich machen.

Dafür werden teilweise mehrere hundert Jahre alte Zugänge gesichert und technisch erneuert. Das Projekt wird vom Bund und vom Land Oberösterreich finanziert.

Am 12. und 13. September präsentieren die Forscher ihre Arbeit außerdem bei „Archäologie am Berg“ im Hallstätter Hochtal. Heuer steht dabei die Entwicklung des Salztransports von der Urgeschichte bis in die Gegenwart im Mittelpunkt.

more