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Porträtfoto von Rainer Candido.
Rainer Candido hat 2016 den Chefsessel im TVB Hallein übernommen. Seither sind die Nächtigungszahlen um über 30 Prozent gestiegen.
Rainer Candido hat 2016 den Chefsessel im TVB Hallein übernommen. Seither sind die Nächtigungszahlen um über 30 Prozent gestiegen.
Christian Maislinger

„Second City“: Hallein dreht mit Stadtfest auf

22.04.2026 um 14:18, Simone Reitmeier
min read
Top-Acts, neue Formate und Festivalfeeling mitten in der Altstadt: Das Halleiner Stadtfest wächst weiter und wird zum Symbol für den Wandel der ganzen Stadt.

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Weg vom Schatten der großen Nachbarstadt, hin zu einem eigenständigen Profil: Hallein will mehr sein als nur ein Ausweichziel. Seit Rainer Candido 2016 den Tourismusverband übernommen hat, sind die Nächtigungszahlen um mehr als 30 Prozent gestiegen. Die Stadt positioniert sich heute bewusst als „Second City“ und als attraktive Alternative zu überlaufenen Metropolen – und trifft damit den Nerv der Zeit. Das zeigt auch die Platzierung im Österreich-Ranking der Reise- und Lifestyleplattform „1000things“. Im Interview spricht Candido über den Wandel, neue Ideen und das neue Selbstbewusstsein der Stadt.

Imagewandel zur „Second City“

Herr Candido, unter Ihrer Federführung hat Hallein einen Imagewandel erlebt, die Nächtigungen sind gestiegen. Was hat die Stadt zu bieten, was Salzburg nicht kann? 
Candido: Hallein ist hip geworden, bewusst frech, anders und ein bisschen unkonventionell. Wir zählen zu den sogenannten „Second Cities“. Das bedeutet, man fährt nicht in die überlaufene Metropole, sondern bewusst zur Alternative. Wenn Salzburg zu voll ist, kommt man nach Hallein. Wenn man keine Staus und Angebote für Einheimische haben möchte oder alles fußläufig erreichen will, ebenso. Wo sonst kann man zu Fuß von einer Insel durch die Altstadt bis auf den Dürrnberg gehen? Das ist ein großes Alleinstellungsmerkmal.

Hatten Sie für diesen Weg Städte als Vorbilder im Kopf? 
Candido: Ich reise alle zwei bis drei Monate, um neue Eindrücke zu sammeln – am liebsten dorthin, wo nicht alle Touristen hinreisen. Ich habe zum Beispiel oft gesagt, Hallein kann sich entwickeln wie der Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin. Ein ehemals heruntergekommener Stadtteil, der sich durch klare Strategien und Zuzug von Kreativen stark verändert hat. Heute sieht man ähnliche Entwicklungen etwa in Kreuzberg. Oder auch Städte wie Haarlem bei Amsterdam. Genau in dieser Rolle sehen wir uns: anders, bunt, beweglich.

Stadtfest Hallein 2026

Es gibt zwei Dinge, die Menschen verbinden – und das ist Kulinarik und Musik.

Rainer Candido, Geschäftsführer TVB Hallein

Apropos bunt: Ende Juni steht das Stadtfest auf dem Programm. Auf was können sich Besucher heuer freuen?
Candido: Wir starten heuer bereits am Freitag mit einem neuen Format, dem „Pre-Day“. Dabei treten Bands an ungewöhnlichen Orten in der Stadt auf, etwa in einer Bäckerei oder an versteckten Plätzen. Am Samstag läuft das Programm ab 12 Uhr bis in die Nacht, mit Musik bis etwa 1 Uhr und Gastronomie bis 2 Uhr. Bei der Künstlerauswahl bewegen wir uns mittlerweile in einer anderen Liga, wir haben bereits Anfragen für 2027. Heuer sind Acts wie Megaloh, Pam Pam Ida, Please Madame, PIPPA oder NENDA am Start. Und natürlich unsere „Local Heroes“, allein dafür gab es heuer 56 Bewerbungen. 

Wie viel „Eventisierung“ verträgt eine Stadt wie Hallein, bevor sie ihre Identität verliert? 
Candido: Bei den Festen bleiben wir bei den bewährten Formaten: Weinmarkt, Moonlight Shopping, Braukunstmarkt und Stadtfest. Sagen wir so: Das Jahr hat 365 Tage und 52 Wochenenden. Wir veranstalten sieben größere Formate – das ist absolut verträglich. Ohne Events kommen keine Leute. Darunter leiden Einzelhandel, Gastronomie und auch die Einheimischen, weil nichts los ist und der Flair weg ist. Es gibt immer eine Handvoll kritischer Menschen, aber das gehört dazu. Man muss sich bewusst sein, dass eine lebendige Altstadt auch Veranstaltungen mit sich bringt. Ohne diese würde vieles wegfallen. Wir entwickeln Angebote immer für beide Zielgruppen gleichzeitig: sowohl für Gäste als auch Einheimische.

Beim Stadtfest spielen wir mittlerweile in einer anderen Liga. Es gibt bereits Anfragen von internationalen Künstlern für 2027.

Rainer Candido über die Acts am Stadtfest Hallein
Rainer Candido mit Sonnenbrille und Kappe.
Hallein wird mittlerweile bewusst als Alternative zu überlaufenen Metropolen wahrgenommen.

Neu: 24/7-Bikeverleih

So wie der neue Fahrradverleih? 
Candido: Genau, wir haben einen 24/7-Radverleih, das ist österreichweit einzigartig. Direkt vor dem TVB-Büro befindet sich eine Bikebox, die Räder können online gebucht und anhand eines Codes bequem abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Der Fuhrpark umfasst knapp 25 Räder, darunter auch Kinderfahrräder und E-Gravelbikes.

Fokus auf Touristen und Einheimische

Wie hat sich Hallein durch diese Strategie konkret verändert? 
Candido: Man sieht es ganz klar im Stadtbild: In den letzten Jahren wurde viel saniert, neue Menschen sind zugezogen und es hat sich eine neue Dynamik entwickelt. Auch Investoren sind auf Hallein aufmerksam geworden, es entstanden neue Hotels und touristische Angebote. Wichtig ist dabei auch unsere Positionierung, wir verstehen uns nicht als Zwischenstopp, sondern als Ausgangspunkt. Viele Gäste übernachten mittlerweile bewusst in Hallein und entdecken von hier aus die Region. 

Wenn Sie morgen als Geschäftsführer des Tourismusvereins gehen würden, was würde Hallein fehlen? 
Candido: Ich glaube, jemand, der Selbstbewusstsein vermittelt und zeigt, worauf die Stadt stolz sein kann. Wir sind nicht nur die „kleine Schwester von Salzburg“, sondern spielen in unserer eigenen Liga. Und vielleicht würde auch ein Stück Unbeschwertheit fehlen. Denn ich bin überzeugt: Das Leben ist schön – man muss es den Menschen nur sagen.

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