Ostern in Salzburg: Besondere Bräuche sorgen für Staunen
Inhalt
- Ostern: So wird das Datum berechnet
- Pfarrwerfen: Schüler basteln Osterratsche
- Ratschenkinder in St. Andrä
- Tamsweg: Gonesrennen in Wölting
- Fusch: Asphaltstockschießen am Ostermontag
- Lungau: Meterhohe Osterfeuer
- Puch: 100 Kilogramm schwerer Palmesel
- Grödig: Kunstvolle Passionskrippen
Eier werden so gut wie überall bemalt und auch der Palmbuschen gehört in allen Ortschaften zur festen Ostertradition. Vereinzelt werden im Salzburger Land aber auch Bräuche zelebriert, die es sonst wohl nirgends gibt.
Ostern: So wird das Datum berechnet
Während der Ostersonntag immer ein Sonntag ist, wird das gesamte Osterfest jährlich an einem anderen Termin gefeiert. Dieser richtet sich nach dem Mond: Die Nesterl werden immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond (im Kirchenjahr ab 21. März) gesucht. Das ist heuer am 2. April der Fall, daher fällt der Ostersonntag auf den 5. April. Der früheste Ostertermin ist daher der 21. März, der späteste der 25. April, da der Mondzyklus im Schnitt 29,5 Tage dauert.
Pfarrwerfen: Schüler basteln Osterratsche
Rund 65 Volksschüler der dritten und vierten Klassen in Pfarrwerfen basteln in der Karwoche eigene Palmbuschen und eine große Osterratsche. Unterstützt werden sie dabei ehrenamtlich von Künstler Wilhelm Kleine, der laut Direktorin Sonja Zechner seit über 15 Jahren in die Schule kommt und die Tradition somit am Leben hält. Im Einsatz ist das Holzschrapinstrument (mit vielen weiteren) am Karfreitag sowie am Karsamstag, wenn die Kirchenglocken verstummen. Die Ratschen dienen als Ersatz und Orientierung für die Uhrzeit.
Ratschenkinder in St. Andrä
Ähnlich wird der Brauch in St. Andrä begangen, wenn von Gründonnerstag bis Karsamstag die „Ratschenkinder“ durch den Ort ziehen und die nach Rom ausgeflogenen Kirchenglocken ersetzen. „Die Kinder im Ort halten die Tradition hoch und gehen jedes Jahr von Haus zu Haus. Besonders für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ist der Besuch in der Karwoche eine schöne Abwechslung. Der Brauch wird, seit ich mich erinnern kann, durchgeführt. Ab dem Volksschulalter ziehen die Mädchen und Buben durch die Gemeinde“, so Bürgermeister Heinrich Perner.
Tamsweg: Gonesrennen in Wölting
„Gones, Gones, kikeriki, is letzte Padl her fi mi!“ Ist in der Tamsweger Ortschaft Wölting dieser Ausruf zu hören, dann ist Ostermontag und das sogenannte „Gonesrennen“ steht auf dem Programm. Bei dem lustigen und einzigartigen Fangspiel steht ganz vorne der „Gones“ (der „Gänserich“), dahinter paarweise die restlichen Teilnehmer. Der Gones hat die Aufgabe zu verhindern, dass sich das hinterste Paar beim Vorbeilaufen am Ende wieder vereint, um sich das Mädchen zu schnappen. Das Spektakel stellt den Ausklang des Osterfestes dar.
Fusch: Asphaltstockschießen am Ostermontag
Einer sportlichen Tradition frönt man in Fusch an der Großglocknerstraße. Dort findet am Ostermontag das Asphaltstockschießen nach Pinzgauer Art statt, wofür sogar die Gemeindestraße gesperrt wird, um ausreichend Bahnen zur Verfügung zu haben. „Zahlreiche Mannschaften treten dabei gegeneinander an und ermitteln in einem Turnier über den ganzen Tag hinweg den Sieger – jede Gruppe misst sich dabei mit den anderen Teams“, erläutert Bürgermeister Hannes Schernthaner. Mit dabei sind Jung und Alt, darunter zahlreiche Vereine, die örtliche Feuerwehr, Freundesgruppen und Familienteams.
Lungau: Meterhohe Osterfeuer
In verschiedenen Lungauer Ortschaften werden meterhohe, pyramidenförmige Holzgestelle gefertigt und mit Reisig und/oder Baumabfällen gefüllt. Damit werden in der Nacht von Karsamstag auf den Ostersonntag riesige Osterfeuer entzündet und dienen als Ausdruck für die Freude über die Wiedergeburt Christi. Mancherorts werden im Flachgau in derselben Nacht kleinere Osterfeuer vor Kirchen angezündet.
Puch: 100 Kilogramm schwerer Palmesel
Während bei Familien noch der Palmesel und somit der Langschläfer gekürt wird, zieht durch Puch bereits ein stattliches Exemplar durch die Gemeinde. Seit dem 18. Jahrhundert ist dort eine 100 Kilogramm schwere und fast 140 Zentimeter große Holzfigur (Jesus und der Esel) Teil des Palmsonntagsumzugs. „Der Brauch wird seit 1949 von unserem Trachtenverein gepflegt. Früher durften nur unverheiratete Männer die Figur tragen, heute sind wir nicht mehr so streng. In der Regel übernehmen aber die vier jüngsten Mitglieder die Aufgabe. Die Frauen tragen dafür die Erntedankkrone im Herbst“, erklärt Katharina Lengauer, Obfrau des Trachtenvereins D’Puachstoana.
Grödig: Kunstvolle Passionskrippen
Im Untersbergmuseum Grödig-Fürstenbrunn widmet man sich hingegen kunstvoll gestalteten Passionskrippen. Von 4. April bis zum Pfingstwochenende (25. Mai) kann die Ausstellung von Interessierten bestaunt werden. „Zu Weihnachten kennt jeder die Tradition. Zu Ostern ist der Brauch eher selten. Der Verrat und die Festnahme von Jesus im Garten Gethsemane, der Kreuzweg oder auch die Kreuzigung selbst sind beliebte Motive für Passionskrippen. Unser Krippenbaumeister Bertl Beran organisiert die kunstvollen Darstellungen aus anderen Bundesländern und sogar aus Bayern“, informiert Museumsobmann Heinz Schierhuber.