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Bergrettung im Einsatz nach einer Lawine in Salzburg, Retter graben im Großarltal nach Verschütteten im Schnee.
Bei Lawinen in Salzburg und der Steiermark sind am Samstag acht Personen ums Leben gekommen.
Bei Lawinen in Salzburg und der Steiermark sind am Samstag acht Personen ums Leben gekommen.
Bergrettung Pongau / Hundestaffel

Tödliche Lawinen-Serie: Acht Tote in Salzburg und der Steiermark

18.01.2026 um 08:35, Stefanie Hermann
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In Salzburg und der Steiermark sind bei Lawinen acht Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden warnen weiter vor erhöhter Gefahr von Abgängen.

In Salzburg und der Steiermark hat ein Lawinenwochenende acht Menschenleben gefordert. Die Unglücke ereigneten sich am Samstag innerhalb weniger Stunden, abseits gesicherter Pisten. Trotz eindringlicher Warnungen der Bergrettung haben sich mehrere Gruppen in gefährliches Gelände begeben. Die Behörden sprechen von einer der schwersten Lawinenserien der letzten Jahre.

Salzburg: Lawine verschüttet Frau in Bad Hofgastein

Gegen Mittag hat sich im Bereich der Schmugglerscharte bei Bad Hofgastein auf rund 2.200 Metern ein Schneebrett gelöst und eine Skitourengeherin verschüttet. Ihr Ehemann, der den Abgang beobachtet hat, alarmierte sofort den Notruf. Bergretter und Notärzte trafen rasch am Einsatzort ein. Trotz umgehender Wiederbelebungsversuchen erlag die Frau noch am Unglücksort ihren Verletzungen. Der Bereich gilt bei frischem Triebschnee als besonders lawinenanfällig.

Finsterkopf im Großarltal: Vier Tote

Nur wenige Stunden später ist am Finsterkopf im Großarltal, auf etwa 2.150 Metern, eine zweite große Lawine abgegangen. Sieben Skitourengeher sind von den Schneemassen erfasst und teilweise bis zu drei Meter tief verschüttet worden. Vier Rettungshubschrauber, Suchhunde und mehr als 70 Einsatzkräfte standen stundenlang im Einsatz. Vier der Verschütteten konnten nur mehr tot geborgen werden, zwei wurden verletzt, einer blieb unverletzt.

Steiermark: Drei Tote in Pusterwald

Am späten Nachmittag hat sich im steirischen Pusterwald im Bezirk Murtal eine weitere Tragödie ereignet. Sieben Skitourengeher aus Tschechien waren auf Tour, als sich plötzlich eine Lawine gelöst hat. Drei Männer sind vollständig verschüttet und trotz sofortiger Ortung tot geborgen worden. Vier Begleiter, die nicht erfasst wurden, sind vom Berg gebracht und notfallmedizinisch versorgt worden. Der Einsatz musste wegen der Wetterlage unterbrochen werden. Die Bergung der Toten soll am heutigen Sonntag erfolgen.

Rund 150 Einsatzkräfte – darunter Bergrettung, Alpinpolizei, Feuerwehr, drei Notarzthubschrauber und das Kriseninterventionsteam – standen im steirischen Murtal im Einsatz.

Weitere Lawinen ohne Opfer

Im Raum Großarl und Hüttschlag sind zwei weitere Lawinen abgegangen – am Frauenkogel und am Plattenkogel. Sie wurden laut Einsatzkräften von Wintersportlern ausgelöst. Glücklicherweise ist dort niemand verletzt worden.

Gefährliche Schneeverhältnisse

Nach mehreren Wochen ohne Schneefall hat der Temperatursturz mit 20 bis 50 Zentimetern Neuschnee die Lawinenlage deutlich verschärft. Der neue Schnee ist auf eine alte, verharschte Schicht gefallen und sich kaum verbunden. Dadurch können Schneebretter schon durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden. Der Lawinenwarndienst Salzburg hat die Gefahrenstufe auf 3 von 5 gesetzt – „erheblich“. Risse und Setzungsgeräusche galten als untrügliches Warnzeichen.

Lawinengefahr weiter erhöht

Laut Kuratorium für Alpine Sicherheit sterben in Österreich im Durchschnitt 19 Menschen pro Jahr durch Lawinen, wie Zahlen des Kuratorium für Alpine Sicherheit belegen. Heuer sind es schon jetzt deutlich mehr.

Einsatzkräfte und Behörden warnen weiterhin vor großer Gefahr oberhalb von rund 2.000 Metern in allen Hangrichtungen. Durch den Neuschnee entstehen Schwachschichten im Schneedeckenaufbau, die selbst erfahrene Wintersportler kaum erkennen können. Die Kombination aus Triebschnee, wechselnden Temperaturen und Sonneneinstrahlung macht die Lage aktuell besonders kritisch.

Behörden appellieren dringend an Tourengeher, sich strikt an die Warnungen zu halten und das freie Gelände derzeit zu meiden. Bereits eine kleine Zusatzbelastung – ein einzelner Skifahrer oder Schneeschuhwanderer – könne ausreichen, um ein Schneebrett auszulösen. In den kommenden Tagen soll sich die Situation laut Lawinenwarndienst nur langsam entspannen.

Primärquellen und offizielle Informationen

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