Wie stehen die Chancen auf weiße Weihnachten?

Seit einem Jahrhundert beobachtet der Saalfeldner Horst Nöbel das Wetter, anhand seiner Aufzeichnungen liefert er jedes Jahr eine Langzeitprognose für den hiesigen Winter – die sowohl gefragt als auch umstritten ist. Zugegeben, damit lag er auch schon mal ordentlich daneben, in anderen Fällen war seine Prognose aber treffsicher. Der pensionierte Wasserbautechniker arbeitet nicht mit Computerprogrammen, sondern einzig und allein mit Naturbeobachtungen und vertraut dabei auch auf Bauernregeln, deren Trefferquote er auf 70 Prozent schätzt. Indizien für schneereiche Winter sind laut Nöbl eine gut entwickelte Vegetation, viel Honig und große Ameisenhügel sowie ein sich wiederholender 6-Jahres-Rhythmus.

Schnee im Anmarsch

Im vergangenen Sommer gab es keinen Waldhonig und auch die Ameisenhügeln waren nicht sonderlich groß – für Nöbl klare Zeichen, die für einen schneearmen Winter sprechen. Hinzu kommt der 6-Jahres-Rhythmus in den Nordalpen: Auf zwei Winter mit sehr viel Schnee (2017/2018 und 2018/2019) folgen in der Regel ein mittelstarkes Jahr (2019/2020) und dann zwei schneearme Winter, die folglich jetzt anstehen. Große Schneemengen sind demnach heuer nicht zu erwarten. Laut Horst Nöbl wird der meiste Schnee im Jänner fallen, in diesem Monat vermutet er heuer auch die kältesten Wintertage. Winterlich weiter geht es im Februar, die Temperaturen gehen erst Ende dieses Monats hinauf. Der Frühling kehrt Ende März ohne grobe Rückschläge im April nach Salzburg zurück und beschert uns eine warme Osterwoche. 

Weiße oder grüne Weihnachten?

Ursprünglich rechnete Nöbl mit einem kalten Dezember inklusive Schneefall, ohne Tauwetter und weißen Weihnachten bis in die Niederungen. Das muss der Pinzgauer jedoch revidieren: „Der Wintereinbruch verschiebt sich etwas nach hinten, da sich die Kälte nicht richtig durchsetzen kann. An jenen Orten, wo aktuell kein Schnee liegt, wird auch an Weihnachten höchstwahrscheinlich keiner sein“, räumt Horst Nöbl mit dem Traum von weißen Weihnachten auf. In vielen Salzburger Gemeinden sei der Nebel zu hartnäckig und die Luft zu feucht, wodurch sich der ohnehin wenige Schnee nicht halten könne.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Die moderne Meteorologie ist skeptisch, was diese Art der Prognosen betrifft. Obwohl die Natur durchaus Hinweise gebe, seien Langzeitprognosen schwierig und meist nicht möglich. Bauernregeln sind für ausgebildete Meteorologen keine Option, da sie – mit wenigen Ausnahmen - statistisch nicht haltbar sind. Aber auch Experten messen Naturbeobachtungen durchaus Wert zu: „Natürlich sind diesen Beobachtungen Grenzen gesetzt, über die Jahre sind sie aber goldwert und sollten auf keinen Fall aufgegeben werden“, erklärt ZAMG-Mitarbeiter Christian Ortner. Und wie schätzt der Meteorologe die Chancen auf weiße Weihnachten ein? „Bis Sonntag ändert sich das Wetter nicht, am Montag ist eine kleine Wetterumstellung mit Regen zu erwarten. Aber Neuschnee bis in die Niederungen ist leider bis Heiligabend nicht in Sicht!“ In diesem Punkt sind sich Naturbeobachter und Meteorologe heuer einig. Ortner fügt allerdings hinzu: „Ab 25. Dezember wird es aus heutiger Sicht kälter, damit steigt die Schnee-Wahrscheinlichkeit am Christ- und Stephanitag“.

 

Autor: Simone Reitmeier, 17.12.2020