Direkt zum Inhalt
Ein Bild von Bettina Ganghofer.
Salzburg-Airport-Geschäftsführerin Bettina Ganghofer über den Umbau am Flughafen.
Salzburg-Airport-Geschäftsführerin Bettina Ganghofer über den Umbau am Flughafen.
Salzburg Airport

Mega-Umbau: Neue Skyline für den Salzburg Airport

07.08.2026 um 11:45, Simone Reitmeier
min read
Der Salzburg Airport ist 100 Jahre alt und steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. GF Bettina Ganghofer erklärt, was Passagiere künftig erwartet.

100-jähriges Jubiläum und ein Blick in die Zukunft: Der Salzburg Airport steht vor einer der größten Umbauphasen seit seiner Eröffnung. Ab 2027 wird das Terminalareal umfassend modernisiert und verbunden. Doch auch abseits der Baustelle stehen wichtige Weichenstellungen bevor. Im Interview spricht Geschäftsführerin Bettina Ganghofer über die Zukunft des Flughafens, die Herausforderungen für den Luftfahrtstandort Österreich und die Frage, wie wir in 50 Jahren reisen werden.

100 Jahre Flughafen Salzburg

Der Salzburg Airport feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf ein Jahrhundert Flughafen-Geschichte zurückblicken? 
Ganghofer: Wenn ich auf 100 Jahre Flughafen Salzburg blicke, dann sehe ich vor allem Durchhaltevermögen, Aufbruchsstimmung und jede Menge Pack-an. Aus einer kleinen Holzbaracke wurde ein moderner Verkehrsknotenpunkt mit rund 1,8 Millionen Passagieren pro Jahr und rund 1.300 Arbeitsplätzen am Standort. Der Flughafen war immer „Tor zur Welt“ und Lebensader für Tourismus und Wirtschaft in Stadt und Land Salzburg sowie im angrenzenden Bayern. Gleichzeitig ist mir bewusst, wie viele Menschen vor uns hier Verantwortung getragen haben – vom Pionierteam 1926 über die Nachkriegsjahre, das Jet-Zeitalter bis hin zum Ausbau zum heutigen „Alpen-Gateway“. Aber natürlich denke ich auch an die jüngere Vergangenheit – etwa an die fünfwöchige Pistensperre im Jahr 2019 oder an die großen Herausforderungen, vor die uns die Corona-Krise gestellt hat. Wir führen heute ein erfolgreiches Unternehmen, das von vielen Generationen aufgebaut wurde – das erfüllt mich mit Stolz, aber auch mit großer Demut und Dankbarkeit.

Welches Ereignis oder welchen Meilenstein aus 100 Jahren Airport-Geschichte hätten Sie selbst gerne miterlebt? 
Ganghofer: Es gibt viele Momente, die ich gerne live miterlebt hätte: den ersten Linienflug 1926, die Anfänge des Jet-Zeitalters mit dem neuen Terminal 1966 oder die großen Staatsbesuche. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre es wohl die erste Concorde-Landung 1984 gewesen – das war ein Symbol für technische Faszination, Geschwindigkeit und Zukunftsglauben in der Luftfahrt.

Ab 2027: Moderner Flughafen entsteht

2027 starten die umfangreichen Bauarbeiten für das neue Terminalareal. Mit der geplanten Modernisierung beginnt ein neues Kapitel. Wie wird der Salzburg Airport nach der Fertigstellung aussehen und was wird sich für Passagiere verändern? 
Ganghofer: Der Salzburg Airport erhält eine neue Gebäude-Skyline. Der Bestandsbau aus den 1960er-Jahren und das amadeus terminal 2 werden zu einer modernen, durchgängigen Terminallandschaft verbunden. Den ersten Bauabschnitt, ein dringend erforderliches neues und zeitgemäßes Abflugterminal, werden wir 2030 abschließen können. Bis 2033 wird die neue Skyline des Gesamtprojektes für Passagiere und Besucher sichtbar, denn dann werden auch die Bauarbeiten für den Ankunftsbereich fertiggestellt sein. 

Das finale Ziel ist die Umsetzung aller nötigen und wichtigen Baumaßnahmen, um den Flughafen zukunftsfit zu machen: eine zentrale Sicherheitskontrolle, klare Trennung von Schengen- und Non-Schengen-Strömen, integrierte Entry/Exit-System-Abfertigung (EES) ohne Satelliten und Busshuttles, mehr Platz für den Gast, bessere Wegeführung, größere Loungeflächen und ein deutlich moderneres Service- und Gastroangebot. Gleichzeitig bauen wir energieeffizient, mit umfangreicher Photovoltaik und dem klaren Ziel „Zero Netto CO₂“ bis 2040. Kurz gesagt: Der Flughafen 2033 wird kürzere Wege, mehr Komfort und stabilere Abläufe bei deutlich besserer Umweltperformance bieten.

Zwischen Wachstum und Verantwortung

Der Flughafen steht immer wieder zwischen den Interessen von Wirtschaft, Tourismus, Anrainern und Umweltschutz. Wie gelingt dieser Balanceakt? 
Ganghofer: Diesen Ausgleich leben wir jeden Tag. Wir sind einerseits kritische Infrastruktur und Wirtschaftsmotor mit rund 1.300 Arbeitsplätzen am Flughafen und starker Bedeutung für Tourismus und Unternehmen in der Region. Andererseits gibt es verständliche Anliegen von Anrainern und hohe Erwartungen an unsere Nachhaltigkeit. Unsere Antwort ist ein Mix aus klaren Rahmenbedingungen und konkreten Maßnahmen wie strenge Betriebszeitenregelungen, kein Nachtbaulärm bei Projekten wie dem neuen Hangar, massive Investitionen in Altlastensanierung (PFAS), Photovoltaik, E Fahrzeugflotte und Effizienzsteigerungen im Betrieb. Gleichzeitig setzen wir auf transparente Information – etwa zu Baustellen, zum EES oder zum Terminalprojekt – und suchen den kontinuierlichen Dialog mit Nachbarn, Behörden und Tourismuspartnern. Wachstum um jeden Preis ist nicht unser Ziel, es geht um stabile, sinnvolle Verbindungen und einen Betrieb, der wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch tragfähig bleibt.

Bettina Ganghofer
Bettina Ganghofer (GF Salzburger Flughafen)

Kampf um Airlines und Verbindungen

Wizz Air hat sich aufgrund der österreichischen Luftverkehrssteuer bereits aus Salzburg zurückgezogen. Auch Ryanair stellte im Frühjahr einen Verbleib am Standort infrage. Welche Auswirkungen hätten weitere Airline-Abgänge auf den Flughafen Salzburg? 
Ganghofer: Wizz Air hatte in Salzburg mehrere ungünstige Rahmenbedingungen – von der Ticketsteuer über den sehr konservativen Markt bis zu pandemiebedingten Reiseverboten. Grundsätzlich gilt, jede verlorene Verbindung schwächt die Konnektivität für Bevölkerung, Tourismus und Wirtschaft. Der Salzburger Flughafen muss sich daher breit aufstellen und ist heute mit seiner Destinationsvielfalt sehr gut aufgestellt. Wir haben viele sehr solide Airlinepartner, darunter die Lufthansagruppe, Turkish Airlines, flydubai, Transavia, Air Serbia, British Airways und GP Aviation. Innerhalb der Lufthansagruppe stellt Eurowings mit drei stationierten Flugzeugen quasi einen Homecarrier dar. Dazu kommen Verbindungen nach Tel Aviv und in den Nahen Osten. Unser Job ist es, diesen Partnern verlässliche Rahmenbedingungen, stabile Prozesse und ein attraktives Umfeld zu bieten. Je fairer und planbarer die Regeln, desto einfacher ist es, Airlines langfristig zu halten.

Verliert Österreich im internationalen Vergleich gerade den Anschluss als Luftfahrtstandort? 
Ganghofer: Ich sehe die Gefahr, dass Österreich Boden verliert, wenn wir strukturelle Nachteile nicht korrigieren. Länder ohne Ticketsteuer tun sich leichter, zusätzliche Kapazitäten anzuziehen, und wenn einzelne Bundesländer Hub-Verbindungen via PSO „einkaufen“, verzerrt das den Wettbewerb zwischen den Standorten zusätzlich. 

Wir dürfen nicht vergessen: Die Wertschöpfung und Jobs direkt am Flughafen, die Aufträge und Beschäftigung in vorgelagerten Lieferketten, die Konsumausgaben der Mitarbeiter und der Nutzen durch die generierte Konnektivität halten die Wirtschaft der Republik Österreich am Laufen. 

Auf der anderen Seite investieren österreichische Flughäfen massiv in Modernisierung und Nachhaltigkeit. In Salzburg allein rund 105 Millionen Euro in das Terminalprojekt, dazu Altlastensanierung und Klimamaßnahmen. Bis 2040 werden insgesamt 300 Millionen Euro für die Sicherung des Luftverkehrsstandortes Salzburg in die Hände genommen. Wir haben starke Märkte, eine hohe touristische Attraktivität und gut funktionierende Drehkreuz-Anbindungen. Ob Österreich den Anschluss hält, hängt maßgeblich davon ab, ob die Rahmenbedingungen künftig wettbewerbsfähig, bundesweit konsistent und langfristig planbar gestaltet werden. Wenn wir hier nachschärfen, hat der Luftfahrtstandort weiterhin sehr gute Chancen.

Blick in die Zukunft: Fliegen im Jahr 2076

Wohin glauben Sie, werden wir in 50 Jahren von Salzburg aus fliegen? Werden wir überhaupt noch fliegen?
Ganghofer: Reisen und Urlaub sind Grundbedürfnisse und die Frage ist nicht „ob“, sondern „wie“ die Menschen in 50 Jahren unterwegs sein werden. Das Flugzeug wird nicht wegzudenken sein, denn es bleibt die schnellste und sicherste Art zu reisen. Kurz- und Mittelstrecken werden aus meiner Sicht deutlich stärker elektrifiziert oder hybrid betrieben werden, der Einsatz nachhaltiger Treibstoffe (SAF) wird Standard sein und die CO₂ Bilanz von Flügen wird sich spürbar verbessert haben. Ich sehe in Salzburg weiterhin klassische Europaziele, aber auch weltweite Destinationen, die nicht nur über die großen Hubs erreicht werden, sondern auch direkt. Der Flughafen wird noch stärker mit Bahn und Bus vernetzt sein, Prozesse wie Grenzkontrolle oder EES laufen digital und weitgehend im Hintergrund und vieles wird individueller und nahtloser organisiert sein. Die physische globale Mobilität aber bleibt unverzichtbar, gerade für eine exportorientierte, touristisch geprägte Region wie unsere.

more