Die TOP 7 Salzburg-Bücher für Leseratten

1. Thomas Bernhard: „Der Keller. Eine Entziehung“ (Dtv Verlagsgesellschaft)

Im zweiten Band seiner Autobiografie bricht der Gymnasiast Thomas Bernhard die Schule ab und beginnt eine Lehre beim Gemischtwarenhändler Karl Podlaha in der Scherzhauserfeldsiedlung in Lehen, damals ein „Galsscherbenviertel“. Was wir heute „Karriere mit Lehre“ nennen würden, war damals ein sozialer Abstieg. Für Bernhard war’s der Erstkontakt mit den Unterdrückten und Ausgebeuteten der Stadt. Viele skurrile Charaktere treten auf.  Die Schimpf-Litaneien Bernhards über die Stadt Salzburg sind bis heute unerreicht. Größtes Lesenvergnügen!

2. Wolf Haas: „Auferstehung der Toten“ (Rowohlt Taschenbuch)

Zell am See als Schauplatz von Literatur ist eine Seltenheit. In Wolf Haas‘ allerersten Kriminalroman spielt das provinzielle Lokalkolorit, das der in Maria Alm geborene und aufgewachsene Autor mit allen Poren inhaliert hat, eine Hauptrolle. Der Krimi beginnt mit einem US-Ehepaar, das nach einer kalten Winternacht erfroren auf dem Sessel einer Bergbahn gefunden wird. Der Kripo-Beamte Simon Brenner hat hier den ersten Auftritt und der Autor – indem er Brenner laut denken lässt – entwickelt seinen unvergleichlichen Sound.

3. Clemens Hutter: „Iuvavum – Alltag im römischen Salzburg“ (Verlag Pustet)

Salzburg wurde 15. v. Chr. von römischen Händlern und Legionären gegründet und war das erste offiziell anerkannte Municipium nördlich der Alpen. Der Autor Clemens M. Hutter, ehemaliger SN-Redakteur, nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in dieses römische Salzburg, lange bevor der Missionar Rupert hier tätig wurde. Hutter fasst zusammen, was man aus Ausgrabungen weiss, das impliziert auch jede Menge Alltags- und Kulturgeschichte. Was aßen die kelto-romanischen Bewohner, wie funktionierte ein römischer Gutshof wie der in Wals und wo war eigentlich die Brücke über die Salzach?

4. Johannes Hofinger: „Nationalsozialismus und Faschismus in Salzburg. Opfer - Täter- Gegner" (StudienVerlag)

Das Buch behandelt die Zeit des Ständestaats, des Nationalsozialismus und einige Jahre der Besetzung durch die US-Army in einer lebendigen Sprache (kein Wissenschaftsjargon) und mit einer reichhaltigen Bebilderung. Sehr interessant zu lesen sind die vielen Interviews mit Zeitzeugen. Eine Pflichtlektüre für alle an Zeitgeschichte Interessierten.

5. Birgit Mosser-Schuöcker und Gerhard Jelinek: „Die Trapp-Familie: Die wahre Geschichte hinter dem Welterfolg“ (Molden Verlag)

Bücher über die Trapps gibt es viele, aber dieses erzählt endlich die Geschichte der altösterreichischen Familie, die 1938 vor den Nazis nach Amerika floh und deren Geschichte von Hollywood verfilmt wurde, ganz ohne Kitsch und Pathos. Hochinteressant ist das Kapitel, das schildert, wie Baron von Trapp in den 20er und 30er Jahren wieder zu Geld kommen wollte, nachdem er in der Inflation sein Vermögen verloren hatte.

6. Peter Blaickner: „worldwideinnergebirg“ (Salzburg: Edition Eizenbergerhof)

Es ist das vierte Buch mit Innergebirg-Geschichten des gebürtigen Pinzgauers, Ex-Französischprofessors und Autors Peter Blaickner. Es trägt diesmal den Untertitel „Globale Geschichten aus dem Pinzgau“, handelt also vom Zusammentreffen des Pinzgaus mit der großen weiten Welt.  Zum Beispiel  in Gestalt der im Sommer (normalerweise) allgegenwärtigen Touristen aus den Golfstaaten. Viele der Storys sind erwartungsgemäß schreiend komisch, vor allem jene, wenn es um Blaickners Jugendjahre geht oder auch jene, die er von seiner 93-jährigen Mutter erzählt bekommen hat.  Neben dem Wirtshaus ist das die wichtigste Quelle von Blaickner, den die Eingeborenen  übrigens „Bloack“ nennen.

7. Kurt A. Mitterer: Salzburg anno 1800. Die vergessene Schlacht auf den Walser Feldern. (Miliz-Verlag)

Der damalige Bundesheer-Oberst und Historiker Kurt Mitterer war der erste, der die Schlacht am Walserfeld (12.-14.12.1800, zweiter Koalitionskrieg) gründlich erforschte. Es handelt sich um die größte militärische Auseinandersetzung, die jemals auf Salzburger Boden stattfand. Insgesamt standen sich rund 65.000 kaiserliche Österreicher und 70.000 republikanische Franzosen gegenüber, wobei letztere die Schlacht für sich entscheiden konnten. Noch heute finden Walser Bauern Musketenkugeln und andere Relikte des Gemetzels – es forderte rund 20.000 Tote und Verwundete – auf ihren Feldern.

Autor: Gert Damberger, 04.03.2021