Kommentar: So sind sie und so bleiben sie!

Chefredakteur Gerhard Gall über den Umgangston im neu sanierten Parlamentsgebäude.
Autor: Gerhard Gall, 20.01.2023 um 09:15 Uhr

„Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“ – müsste über das Portal des generalsanierten Parlaments geschrieben werden. Weil jegliche Hoffnung vergebens ist, dass im „neuen“ hohen Haus auch ein neuer Umgangston gegenseitigen Respekts und ein gemeinsames Arbeiten im Interesse des Landes Einzug nimmt. Dabei wäre eine Disziplinierung der Brachial-Rhetoriker und Verbal-Untergriffler ganz einfach: Nehmt diesen Maulhelden einfach den Schutzpanzer des Mandats weg, wenn sie ihn missbrauchen und vermeinen, ungestraft der ganzen Welt ans Bein pinkeln zu dürfen.

Verbale Rülpser und Entgleisungen, die einen Ordnungsruf nötig machen, könnten so mit Geldbußen gekoppelt werden, die in karitative Projekte fließen. Welch großartiger Wohltäter könnte ein Herbert Kickl auf diese Art werden. Riskiert der Übeltäter in derselben Sitzung einen weiteren Ordnungsruf, so folgt ein Platzverweis. Natürlich inklusive Gehaltsabzug, sonst tut es ja nicht weh. In den Nationalratssitzungen im TV zeigen uns halbleere Sitzreihen, dass offenbar auch das Regelwerk zur Anwesenheitsplicht einer Sanierung bedarf. Und auch den desinteresierten Herumlümmlern und Freaks, die ungeniert und ununterbrochen an ihren Handys hängen, wie Süchtige an der Nadel, gehört endlich vorgeführt, wie die Arbeit hochbezahlter Angestellter der „Österreich AG“ abzulaufen hat.