Kommentar: Ein Gegensatz, der gut tut

30.000 Menschen, die ihren Gefühlen Ausdruck geben. Auf ruhige und wohltuende Weise mahnend. Mit Masken und Sicherheitsabstand. Das Wiener Lichtermeer für die Corona-Todesopfer: Ein Aufmarsch, der uns zeigt, dass es auch anders geht. Ein Zeichen des Anstandes und dass es auf der anderen Seite reicht. Welch krasser Gegensatz sind die Bilder, die wir von den Hass-Demos in Linz, Wien und Graz kennen. Wenn der Mob unter den Demonstranten von der Kette und völlig von der Rolle ist. Unmaskierte Irre und Berufskrakeeler aus ganz Österreich, die sich aus Spaß an Randale und Radau zusammenfinden. Die brüllend, pfeifend, heulend und tobend durch Innenstädte ziehen. Die das Geschäftsgeschehen stören, den Verkehrsfluss blockieren, Passanten anpöbeln und anrempeln, Polizisten provozieren, Journalisten attackieren und dabei der irrigen Annahme sind, das Volk und die Gralsritter der Freiheit zu sein.

Wirrköpfe, die mit ihrem Tun zutiefst auch all den Menschen schaden, die ihre Skepsis gegen die Impfpflicht argumentativ und mit demokratisch legitimen Mitteln artikulieren wollen. Letztere werden durch diesen ungleich kleineren Narrensaum auf mieseste Weise mitdiskreditiert. Für die nächsten Tage sind wieder Aufmärsche angesagt, bei denen man angesichts der ständigen Aufheizung der Gemüter brennende Autos und ernsthaft verletzte Menschen befürchten muss. Deshalb hoffen wir weiter, dass die Demoveranstalter den Pöbel endlich aus ihren Reihen verjagen, sich distanzieren. Oder die Exekutive die Straßen von diesem Mob aus der untersten Schublade säubert. Weil keiner Schläger, Schreier, Bengaloschmeißer und Rauchbombenwerfer braucht und will. Auch solche Zeichen täten uns gut.

Autor: Gerhard Gall, 20.12.2021