Schönster Tag: Interview mit Hochzeitsplanerin Gabi Socher

Weekend: Heiraten im Corona-Jahr ist eine spezielle Herausforderung, korrekt?

Gabi Socher: Oh ja. Der größte Punkt ist die Unsicherheit: Was geht, wann geht es? Gerade größere Hochzeiten kann man nicht so leicht hin- und herschieben. Da hängen viele Beteiligte und viele Details dran: Auf den Einladungen steht das Datum drauf, in viele Ringe ist es eingraviert, man muss Standesbeamte, das Catering, die Location und vieles mehr berücksichtigen. Was ich heuer aber feststelle: Man besinnt sich in dieser Situation wieder auf die Werte, und Hochzeiten sind ein Ausdruck davon. Es kommen Alt und Jung und alle Herzensmenschen. Darum werden Hochzeiten immer noch so intensiv gefeiert.

Weekend: Die Gästelisten werden 2020 zwangsläufig kleiner. Wird das so bleiben?

Gabi Socher: Schon vorher gab es immer mehr beides: Eine kleine, intime Feier, eher am Standesamt, weil sich das für die Brautpaare richtig anfühlt,. Dann kommt noch und eine weitere, große Zeremonie, die die eigentliche Feier ist. Dieses Jahr hat sich das verstärkt, viele haben mal im kleinen Kreis geheiratet.

Weekend: Es haben in letzter Zeit auch vermehrt ältere Menschen geheiratet, stimmt diese Beobachtung?

Gabi Socher: Ja! Für die es die zweite Ehe ist. Diese Feiern sind oft groß – weil sie ihre erste Hochzeit damals nicht gestalten konnten, wie sie wollten. Da haben die Eltern mitgeredet, es war kein Geld da, es war einfach eine andere Zeit. Jetzt sind das andere Personen, sie haben Kinder, Lebenserfahrung und einfach einen ganz anderen Blick darauf.

Weekend: Hochzeiten haben sich gegenüber früher also sehr stark verändert?

Gabi Socher: Absolut. Als ich angefangen habe, habe ich Brautpaare oft motiviert, es ganz so zu machen, wie sie es wollen. Damals war es gerade am Land schwer, aus dem üblichen Schema, wie Hochzeiten nun mal auszusehen haben, auszubrechen. Heute stellen die Brautpaare in den Vordergrund, was ihnen selbst wichtig ist. Es ist schließlich ihre Beziehung und ihr Hochzeitstag, und da wollen wie füreinander Zeit haben und den Menschen zeigen, wer sie sind. Danach wird auch beispielsweise die Dekoration ausgewählt, da kommen die unterschiedlichsten Sachen. Es ist mittlerweile eher das Thema, unter den vielen Möglichkeiten die für das Paar wesentlichen Dinge herauszufiltern.

Weekend: Wie lange sollte man für die Planungen veranschlagen?

Gabi Socher: Die kürzeste Hochzeit, die ich organisiert habe, waren sechs Wochen - da hat aber auch alles gepasst. Die Grundregel ist: Wenn man weiß, dass man heiratet, sollte man auch mit den Überlegungen beginnen. Natürlich: Zwei, drei Jahre im Voraus ist eher zu viel, in der Zeit kann sich noch viel ändern: Welche Dienstleister gibt es, welche Locations, und so weiter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, wenn man sich etwa ein Jahr zur Planung gibt.

Weekend: Wovon hängt das ab?

Gabi Socher: Von der Location, zum Beispiel. Wenn man einen speziellen Ort zur Hochzeit im Sinn hat, muss man schauen, dass man diesen auch bekommt. Da kann es schon sein, dass sich das Hochzeitsdatum nach der Verfügbarkeit der Location richtig. Je flexibler man ist, desto einfach ist es. Es gibt klassische Hochzeits-Locations, da ist eh alles vorgegeben, aber andere sind echte Herausforderungen. Grundsätzlich kann man alles zu einer geeigenten Hochzeits-Umgebung machen. Es ist nur eine Frage des Aufwandes.

Weekend: Was ist das Minimum, was man als Bugdet veranschlagen muss?

Gabi Socher: Kann man nicht pauschal sagen. Es kommt darauf an, was dem Brautpaar wichtig ist: Fotograf, Musik, Dekoration, die Bandbreite ist überall riesig. Was die Hochzeits-Papeterie und die Dekoration betrifft, hat sich in den letzten zwanzig Jahren auch massiv geändert. Ich ermutige Brautpaare, auf solche Details zu achten.

Weekend: Warum?

Gabi Socher: Weil sich die Fotografie so dermaßen verändert hat! Früher stand nur das Brautpaar im Mittelpunkt. Heute werden tausend Bilder oder mehr gemacht, da stehen auch die kleinen Details viel mehr im Fokus.

Weekend: Das gilt auch für die Beleuchtung, richtig?

Gabi Socher: Die ist besonders wichtig. Darüber hat man sich früher auch nie Gedanken gemacht. Aber die Lichtstimmung muss zur Situation passen. Je später der Abend, desto wichtiger ist es, dass das Licht romantischer, wärmer und weicher wird. Wenn die Luster auch spätabends alles taghell ausleuchten, wird man wiederum keine Disco-Stimmung kreieren können, wenn man eine solche haben will.

Weekend: Was ist für einen stressfreien Ablauf nötig?

Gabi Socher: Erstens: Alles schon im Vorfeld gut durchdenken und so planen, dass sich alles auch entspannt zeitlich ausgehen kann. Zweitens: Jemanden haben, der genau das im Hintergrund managen kann. Wenn das Brautpaar das selbst macht, kann es sich nicht auf die Hochzeit einlassen und das stresst. Es geht um die Lauf- und vor allem um die Denkarbeit. Ich empfehle, dass dies jemand erledigt, der emotional nicht allzu nahestehend ist. Die Mama der Braut fühlt sich gerne verantwortlich, aber sie soll die Feierlichkeiten doch auch genießen. Und drittens, ganz wichtig: Am Hochzeitstag als Brautpaar loslassen können. Wie es kommt, so kommt es.

Weekend: Die Basis für Ihre Arbeit sind die Ideen und die Vernetzung?

Gabi Socher: Ja, und die Erfahrung. Auf wen kann ich mich verlassen? Wer kann was? Man kann natürlich schon viel über das Internet finden, aber oft sind die Dienstleister großartig, aber ihre Internet-Präsenz ist nicht gut – weil sie dafür keine Kapazitäten haben.

weekend: Dieses Problem geht auch Ihre Plattform „sagJA im Salzkammergut“ an.

Gabi Socher: Das ist ein Angebot für Paare, die alles selbst organisieren wollen. Die Plattform ist ein Netzwerk von Anbietern und Dienstleistern aus der Region, quasi meine Partner, die ich mit den Paaren teile. Mit „sagJA im Salzkammergut“ haben die vielen kleinen Anbieter einen gemeinsamen Auftritt – davon profitieren sie und auch die Brautpaare.

Weekend: Was sind die Grundvoraussetzungen für Ihre Arbeit als Hochzeitplanerin?

Gabi Socher: Man muss Menschen wirklich mögen. Wenn das aufgesetzt ist, oder man es nur des Geldes wegen machen würde, merken Brautpaare das sofort. In meinem speziellen Fall ist es auch, dass ich im Salzkammergut daheim bin. Hier gefällt es mir so gut und ich wäre wohl nie Hochzeitplanerin geworden, wenn ich nicht von hier kommen würde!

Autor: Philipp Eitzinger , 21.09.2020