Interview: Michael Lindner, SPÖ-Chef OÖ – Grader Michl?

Der neue SPÖ-Oberösterreich-Chef im Talk über Politikverdrossenheit, Machteitelkeiten, fehlende Ehrlichkeit in der Politik und warum der Nachfolger von
Birgit Gerstorfer den Beinamen „Grader Michl“ bekommen hat.
Autor: Werner Christl, 21.02.2022 um 16:39 Uhr

Weekend: Was haben Sie sich eigentlich gedacht, als Sie erstmals davon erfahren haben, dass Sie Nachfolger von Birgit Gerstorfer werden könnten? 

Michael Lindner: Ich war schon überrascht, dass man mir als doch jungen Politiker eine solche Aufgabe zutraut. Die Umstände waren natürlich nicht schön, aber ich bin ein Mensch, der gerne anpackt und von dem her habe ich mich rasch auf die Herausforderung gefreut. 

Weekend: Warum sind Sie SPÖ Politiker geworden? 

Michael Lindner: Ich bin in einem sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen. Mein Vater ist Bürgermeister in Gutau und Jahrzehnte in der Kommunalpolitik tätig. Politik war bei uns am Esstisch immer ein Thema. Ich habe dann schon als 16-Jähriger herausgefunden, dass die Sozialdemokratie das verkörpert, was ich mir von einer gerechten Politik erwarte.

Weekend: Wie macht man aber gute Politik, wenn die Bürger von Politikverdrossenheit geplagt sind?

Michael Lindner: Mich haben immer wieder Freunde  gefragt, wenn ich politische Funktionen übernommen habe: „Warum tust du dir das an?“ Das hat mich schon zum Nachdenken angeregt, welches Bild die Politik anscheinend abgibt. Natürlich beschäftigen Korruptionsvorwürfe, wie man sie oft in der ÖVP sieht, oder diverse SMS-Chats das politische System. Auch die Pandemiepolitik war in den letzten zwei Jahren nicht vertrauen-
erweckend. Man muss nun das Vertrauen zurückgewinnen und auf die Menschen zugehen. 

Weekend: Das heißt? 

Michael Lindner: Ich bin ein geerdeter Mensch aus dem Mühlviertel und war immer schon geradlinig und ehrlich – sozusagen ein grader Michl und das möchte ich auch beibehalten. 

Weekend: Der „Grade Michl“ ist bei Ihrem Vornamen aufgelegt... 

Michael Lindner: Ja, das war auch schon einmal ein Wahlkampfslogan von mir, weil mich die Leute oft so genannt haben. Wobei ein „Grader Michl“ auch unangenehme Entscheidungen treffen muss.

Weekend: Hätten Sie eine Hauptmessage an die ÖVP?  

Michael Lindner: Themen wie Kinderbildung, Arbeitsmöglichkeiten für Frauen, Digitalisierung oder Klimaschutz müssen wir gemeinsam anpacken. Es geht in der Politik immer um gute Ideen und nicht um Machteitelkeiten. Ich stehe gerne zur Verfügung für die Menschen zu arbeiten, aber nicht für Machtpolitik.

Weekend: Hat Ihre Familie den Karriereschritt gleich mitgetragen?

Michael Lindner: Meine Söhne sind bald sieben bzw. fünf  Jahre alt und sehen mich schon länger in Medien. Mein älterer Sohn hat einfach gemeint: „Ja, cool“. Natürlich haben wir den Schritt besprochen und erst nach dem Okay meiner Familie habe ich zugesagt. Vor allem bin ich dankbar, dass mich meine Frau unterstützt!

Zitat Michael Lindner: "Ich bin ein geerdeter Mensch aus dem Mühlviertel und war schon immer geradlinig. Und das werde ich auch versuchen beizubehalten."

Zur Person:

Michael Lindner ist 38 Jahre alt, hat Soziologie in Linz studiert und lebt mit seiner Familie in Kefermarkt. Seit Anfang Februar ist er an der Spitze der SPÖ Oberösterreich.