Hagel schlägt sich häufiger, intensiver und teurer nieder

Warum Hagelunwetter immer häufiger durch unsere Breitengrade wüten, wie schwer die Ausmaße sind und wie man sich schützen kann.
Autor: Conny Engl, 08.07.2022 um 10:50 Uhr

Was so ein Hagelkorn anrichten kann, wenn es mit hoher Geschwindigkeit wo einschlägt, mussten schon viele Dächer, Fassaden, Fahrzeuge und Co. am „eigenen Leib verspüren“. Ein Auto, das einem Golfball gleicht oder ein „richtiger“ Dachschaden kann dem Besitzer schon mal das Unwetter in die Augen treiben.

Oh du heilige Hagel-Marie

Bei einem Medientermin am Donnerstag konnte man im sicheren Rahmen die Kraft eines Hagelkorns bestaunen. Mit einer mobilen Hagelschussmaschine – liebevoll auf „Hail Mary“ (zu deutsch: Hagel-Marie) getauft – feuerte ein Techniker des Elementarschaden Präventionszentrums unterschiedlich große Eiskugeln auf einen Fahrradhelm. Bevor er so ein Fake-Hagelkorn mit sechs Zentimeter Durchmesser mit 117 km/h Zunder auf den Helm losließ, wurden an die Medienvertreter Ohropax verteilt. Das Ergebnis: Teile des Fahrradhelms wurden durch die Luft geschleudert. Auch darunter sah man eine deutliche Einkerbung – man möchte sich nicht vorstellen, was das böse Körnchen mit einem echten Köpfchen angerichtet hätte.

Teure Schäden

Vier Tage lang dauerte das heftige Hagelunwetter vergangenes Jahr Ende Juni. Hinterlassen hat es in Oberösterreich Schäden bei Gebäuden, Fahrzeugen und in der Landwirtschaft in der Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Die Oberösterreichische Versicherung erntete dadurch mehr als 22.500 Schäden zur Bearbeitung. Heute – mehr als ein Jahr später – sind gerade mal 60 Prozent davon erledigt. Die restlichen 40 Prozent will man bis Ende des Jahres noch schaffen, so Generaldirektor Othmar Nagl. Während viele Versicherungen noch mit dem Aufarbeiten vom Vorjahr beschäftigt sind, lehnt sich der Hagel heuer aber nicht rücksichtsvoll zurück. Alleine die bisherigen Schäden 2022 schätzt Nagl auf 100 bis 150 Millionen Euro.

Warum hagelt es häufiger?

Der Klimawandel verschafft dem Hagel mehr Bühne. Alleine in den vergangenen 20 Jahren ist das Unwetterpotential laut einer Auswertung der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) um ein Fünftel gestiegen. Der bekannte Meteorologe Andreas Jäger erklärt das Phänomen: „Die Luft ist durch die Klimaerwärmung speziell im Sommer wärmer als früher und kann mehr Wasser aufnehmen. Pro Grad Erwärmung verdunsten sieben Prozent mehr Wasserdampf in die Luft. Mehr Wasserdampf in der Luft bedeutet aber auch mehr 'Treibstoff' für Gewitter. Sobald Wassermoleküle zu Tröpfchen kondensieren, wird Wärme frei, Warmluftblasen steigen in die Höhe und bauen den Gewitterturm auf. In Gewittertürmen entstehen so Aufwinde mit Vertikalgeschwindigkeiten von weit über 100 km/h. Sie machen Hagel erst möglich, da ein Hagelkorn nur so lange wachsen kann, solange es vom Aufwind getragen wird. Dabei frieren Wassertropfen Schicht für Schicht ans Hagelkorn an und lassen es wachsen.“

Klimatologen gehen davon aus, dass sich die Gewittersaison künftig verlängern wird, sprich: mehr Donnerwetter im Frühling und Herbst. Dafür sollte die Gewittertätigkeit im Hochsommer – Juli und August – eher zurückgehen.

Schutz durch Prävention

Schützen könne man sich vor allem durch Schadenprävention, mahnt Arthur Eisenbeiss, Vorstand des Instituts für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung (IBS). Zuerst solle man sich die Frage „Bin ich gefährdet?“ stellen. Eine kostenlose Antwort gibt die Hagelgefährdungskarte unter www.hora.gv.at. Einfach Adresse oder Koordinaten eingeben – schon wird der Gefährdungsgrad ausgespuckt. Klimaexperte Andres Jäger empfiehlt, das Wetter genau zu beobachten – mittels Wetterberichten und -Apps. „Das kann Zeit verschaffen, sich selbst und sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.“

Eisenbeiss verweist zudem auf hagelresisente Baumaterialien. Unter www.hagelregister.at lassen sich solche finden. Die unabhängig geprüften Produkte reichen von Ziegel, Zubehörteile für's Dach über Fassade bis hin zu Schwimmbadabdeckungen. Eisenbeiss rät auch zu individuelle Schutzmaßnahmen wie etwa: vorsorglich Abdeckplanen besorgen und Auffangmöglichkeiten für eindringendes Wasser bereitstellen. Unter www.elementarschaden.at/service gibt es dazu einen Infofolder zum Downloaden.