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AMS-Logo als Themenbild für die Nemak-Werk-Schließung in Herzogenburg
Ende einer Industrie-Ära: Das Nemak-Werk in Niederösterreich wird 2027 nach einer Entscheidung des mexikanischen Mutterkonzerns zugesperrt
Ende einer Industrie-Ära: Das Nemak-Werk in Niederösterreich wird 2027 nach einer Entscheidung des mexikanischen Mutterkonzerns zugesperrt
Weingartner Foto / picturedesk.com

330 Jobs weg: Regionaler Zulieferer sperrt zu

22.04.2026 um 13:06, Marcel Toifl
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Industrie-Schock in Niederösterreich: Nemak schließt das Werk in Herzogenburg. 330 Mitarbeiter verlieren durch das Produktions-Aus Anfang 2027 ihren Job.

Riesiger Schock für die Stiftstadt Herzogenburg im Bezirk St. Pölten: Nur wenige Monate nach der Übernahme des Automobilzulieferers Georg Fischer durch den mexikanischen Konzern Nemak wird die Produktion eingestellt. In Niederösterreich steht damit einer der traditionsreichsten Industriestandorte vor einer Zerreißprobe. Rund 330 Mitarbeiter verlieren durch die geplante Schließung ihren Arbeitsplatz.

Marktentwicklungen: Warum Nemak das Werk aufgibt

Die Entscheidung zur Schließung kommt überraschend kurz nach dem Eigentümerwechsel. Das Unternehmen begründet das Aus für das Nemak-Werk mit den schwierigen Rahmenbedingungen in der Automobilbranche. Die Produktion am Standort Herzogenburg soll bis zum Ende des ersten Quartals 2027 vollständig eingestellt werden. „Angesichts der jüngsten Marktentwicklungen und anhaltend niedriger Produktionsvolumina haben sich die Aussichten für den Betrieb in Herzogenburg verschlechtert“, teilt Nemak in einer offiziellen Aussendung mit.

Bürgermeister unter Schock: „Vor Monaten noch andere Stimmung“

Für die lokale Politik kam die Nachricht völlig unerwartet. Bürgermeister Christoph Artner zeigt sich tief besorgt über den Verlust eines der wichtigsten Arbeitgeber in Niederösterreich. Noch kurz nach der Übernahme von Georg Fischer Castings Solutions durch Nemak habe man positive Signale erhalten, die nun hinfällig sind. „Ich hatte kurz nach der Übernahme ein Gespräch mit der Geschäftsführung. Da herrschte noch eine ganz andere Stimmung. 330 Menschen und Familien sind mit einer großen Unsicherheit konfrontiert“, so Artner im Gespräch mit der Krone.

Sozialplan und Unterstützung: Was passiert mit den 330 Angestellten?

Obwohl die Produktion erst 2027 endet, herrscht bei der Belegschaft große Angst. Der Konzern verspricht eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen, um Härten abzufedern. Dennoch bleibt unklar, wie viele Fachkräfte von den verbleibenden Unternehmen am Industrieareal übernommen werden können. „Wir sind bestrebt, alle betroffenen Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen, der Prozess wird in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Arbeitnehmervertretungen und Behörden gestaltet“, betont Nemak.

Gefahr für Herzogenburg: Kommunalsteuer und Kahlschlag-Sorge

Die Schließung hat nicht nur menschliche, sondern auch massive finanzielle Folgen für die Gemeinde. Im Stadtbudget werden künftig rund 500.000 Euro an Kommunalsteuer fehlen. In der Region wächst zudem die Sorge vor einem weiteren Kahlschlag: Von einst 1.500 Beschäftigten am Standort der ehemaligen Gebrüder Grundmann werden nach dem Nemak-Aus nur noch rund 600 übrig bleiben.

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