Schon wieder pleite: Traditionsbetrieb aus Melk kämpft ums Überleben
Der traditionsreiche Industriebetrieb Ing. H Gradwohl GmbH hat beim Landesgericht St. Pölten einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Nachdem das Unternehmen bereits vor drei Jahren eine schwere Krise durchlaufen hatte, droht nun die endgültige Pleite. Von der aktuellen Insolvenz sind laut den Verbänden KSV1870 und AKV 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zahlreiche Gläubiger betroffen. Die angehäuften Schulden belaufen sich auf eine Summe in Millionenhöhe.
Zahlen und Fakten zur Insolvenz: Millionen-Schulden und 160 betroffene Jobs
Das im Jahr 1980 gegründete Unternehmen betreibt seit über vier Jahrzehnten eine Druckerei sowie eine Abteilung für Kunststoffverarbeitung. Neben dem Hauptsitz im Bürgertalweg in Melk verfügt der Betrieb über zwei weitere Produktionsstätten in Melk und ein Werk in Wimpassing an der Pielach. Unter der selbstständigen Geschäftsführung von Mag. Rainer Gradwohl geriet das finanzielle Gefüge nun komplett ins Wanken, weshalb das Unternehmen die Zahlungen vorerst eingestellt hat.
Die wirtschaftlichen Eckdaten des beim Landesgericht St. Pölten eingebrachten Verfahrens stellen sich wie folgt dar:
- Passiva (Schulden): Die Gesamtforderungen belaufen sich laut den vorliegenden Unterlagen auf rund 2.608.900 Euro.
- Aktiva (Liquide Mittel): Den ausstehenden Verbindlichkeiten stehen derzeit nur liquide Mittel in der Höhe von rund 490.000 Euro gegenüber.
- Mitarbeiter: Vom Sanierungsverfahren sind 160 Dienstnehmer betroffen, darunter befinden sich aktuell fünf Lehrlinge. Die Löhne und Gehälter wurden laut Unternehmensangaben bis einschließlich April 2026 ordnungsgemäß ausbezahlt.
- Gläubiger: Die Angaben über die betroffenen Gläubiger schwanken je nach Erhebungsstand der Kreditschützer (KSV1870 und AKV) aktuell zwischen 75 und 120 Parteien.
Die Insolvenzursachen: Geopolitische Krisen und enorme Kostenexplosion
Besonders bitter: Die Ing. H Gradwohl GmbH befand sich nach einem erfolgreich beendeten Sanierungsverfahren im Jahr 2023 eigentlich wieder in einer vielversprechenden wirtschaftlichen Konsolidierungsphase. Sämtliche damals vereinbarten Quoten wurden von der Firmenleitung ordnungsgemäß und vollständig bedient. Dass es nun dennoch zur erneuten Pleite kam, führt die Unternehmensführung auf eine Verkettung extrem negativer, externer Faktoren zurück.
In den Eigenangaben des Betriebs werden vor allem gravierende Veränderungen der Marktbedingungen sowie ein spürbarer Rückgang der Nachfrage genannt – insbesondere im Segment der Point-of-Sale-Produkte sowie in wesentlichen Abnehmerbranchen. Hinzu kamen geopolitische Entwicklungen im Zuge des Iran-Konflikts, welche die weltweite Kostenstruktur negativ beeinflussten. Massiv gestiegene Rohstoff-, Energie- und Personalkosten durch kollektivvertragliche Lohnerhöhungen gaben dem Betrieb schließlich den Rest, da diese Kosten aufgrund des harten Wettbewerbsdrucks nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten. Ein akuter Liquiditätsengpass war die Folge.
Sanierungsplan steht: Fortführung und gesetzliche Mindestquote angestrebt
Trotz der prekären finanziellen Lage soll der Druckerei-Betrieb im Mostviertel nicht endgültig geschlossen werden. Das primäre Ziel der Geschäftsführung ist eine nachhaltige Unternehmensfortführung, die durch gezielte Restrukturierungsmaßnahmen abgesichert werden soll. Um die Insolvenz erfolgreich zu bewältigen, wurde den Gläubigern bereits ein konkreter Sanierungsplan vorgelegt.
Dieser sieht die gesetzliche Mindestquote vor: „Den Gläubigern wird im Rahmen eines Sanierungsplans die gesetzliche Mindestquote von 20 %, zahlbar innerhalb von zwei Jahren angeboten. Ob diese Quote angemessen und erfüllbar ist, wird nunmehr seitens des Kreditschutzverbandes geprüft", erklärt Peter Stromberger vom KSV1870.
Die finanzielle Grundlage für die Erfüllung dieser 20-Prozent-Quote soll vollständig aus dem laufenden Fortbetrieb des Traditionsunternehmens erwirtschaftet werden. Der gerichtliche Antrag wird von den Behörden in St. Pölten derzeit geprüft, die offizielle Eröffnung des Verfahrens steht unmittelbar bevor.