Nächste Pleite: Bekannte Flughafen-Spedition vor Schließung
Die AT.Intermodal GmbH mit Sitz im Office Park am Flughafen Wien hat ihre Zahlungen offiziell eingestellt und mit Stichtag 10.06.2026 die Eröffnung eines Konkursverfahrens beim Landesgericht Korneuburg beantragt. Wie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV übereinstimmend berichten, belaufen sich die Passiva des hochgradig spezialisierten Logistikunternehmens auf rund 1 Million Euro. Da die Geschäftsführung aufgrund der erdrückenden geopolitischen Rahmenbedingungen bereits vorab einer endgültigen Schließung des Betriebes zugestimmt hat, stehen Geschäftspartner und Kunden im globalen Frachtverkehr nun vor vollendeten Tatsachen.
Das Unternehmensprofil: Internationale Spedition im weltweiten Netzwerk
Die AT.Intermodal GmbH gilt als fester Bestandteil der namhaften AT.Intermodal Gruppe sowie der Trade Trans Gruppe. Als privat geführte Spedition steuerte das Unternehmen vom strategisch wichtigen Standort am Flughafen Wien aus komplexe, verkehrsträgerübergreifende Lieferketten.
Das Dienstleistungsportfolio der Spedition umfasste bisher fünf Kernbereiche:
- Bahnfracht & Schienenlogistik: Organisation von kontinentalen Güterzügen.
- Seefracht & Luftfracht: Globale Abwicklungen über internationale Überseehäfen und Flughäfen.
- LKW-Straßenlogistik: Klassischer Vor- und Nachlauf im europäischen Ladungsverkehr.
- Zolltätigkeiten: Komplette Import- und Exportabfertigung für gewerbliche Kunden.
Von der drohenden Liquidation sind aktuell 6 Dienstnehmer im Office Park 4 direkt betroffen.
Die Insolvenzursachen: Iran-Krieg, gesperrte Korridore und der Infrastruktur-Kollaps
Die Ursachen für das finanzielle Abgleiten des Logistikers sind vielschichtig und spiegeln die extremen Belastungen des globalen Welthandels wider. Laut den Eigenangaben des schuldnerischen Unternehmens vor Gericht führten mehrere exogene Krisen zu einer toxischen wirtschaftlichen Kettenreaktion.
Die wesentlichen Insolvenzursachen laut AKV-Bericht:
| Krisen-Faktor | Wirtschaftliche und logistische Auswirkung auf den Betrieb |
|---|---|
| Iran-Krieg / Straße von Hormus | Massive Bedrohungen der Schifffahrtswege zwangen die Seefracht-Sparte zu extrem teuren, unwirtschaftlichen Umwegen. |
| Ukraine-Krieg | Strikte Sanktionen führten zu dauerhaft gesperrten Korridoren im traditionell starken osteuropäischen Bahn- und LKW-Verkehr. |
| Infrastruktur-Kollaps | Dauerbaustellen, Sanierungsstaus im Schienennetz sowie klimabedingte Kapazitäts-Einschränkungen am Panamakanal brachten Ketten zum Erliegen. |
| Wirtschaftliche Stagnation | Ein drastischer Rückgang der Sendungsvolumina bei gleichzeitig rasant steigenden operativen Betriebskosten. |
Zusätzlich verschärft wurde die Liquiditätskrise dadurch, dass berechtigte Forderungen gegenüber assoziierten Gruppengesellschaften im Ausland entweder gar nicht, massiv verspätet bezahlt oder von den Partnern gänzlich abgelehnt wurden.
Verfahrensdaten im Überblick: Passiva, Aktiva und die betroffenen Gläubiger
Das Landesgericht Korneuburg hat das Insolvenzverfahren am 10. Juni 2026 formell eröffnet. Der gerichtlich bestellte Masseverwalter hat nun die Aufgabe, die vorhandenen Vermögenswerte zu sichern und die genaue Liquidationsquote zu ermitteln. Laut den aktuellen Statusberichten des KSV1870 stehen den geschätzten Passiva von rund 1,021 Millionen Euro lediglich verwertbare Aktiva von etwa 279.000 Euro gegenüber.
Vom Konkurs sind neben den Dienstnehmern insgesamt 24 Gläubiger betroffen. Ein Sanierungsplan respektive ein Antrag auf Entschuldung liegt dem Gericht zum aktuellen Zeitpunkt nicht vor. „Der noch zu bestellende Insolvenzverwalter wird zu prüfen haben, ob ein zumindest kurzfristiger Fortbetrieb möglich ist, wobei die Schuldnerin aber bereits jetzt einer allfälligen Schließung des Unternehmens zustimmt“, so Peter Stromberger vom KSV1870. Gläubiger können ihre Forderungen ab sofort über die Kreditschutzverbände im Verfahren anmelden.