Belfast: Gewalt eskaliert nach Messerattacke – Häuser brennen, Familien fliehen
- Messerangriff in Belfast
- Häuser brennen: Familien fliehen aus ihren Wohnungen
- Ausschreitungen greifen auf weitere Regionen über
- Mobilisierung über Social Media
- Politik verurteilt Gewalt
Nach einer brutalen Messerattacke ist die Lage in Belfast außer Kontrolle geraten. In mehreren Stadtteilen ziehen maskierte Gruppen durch die Straßen, setzen Häuser, Autos und einen Bus in Brand und errichten Barrikaden. Die Gewalt richtet sich laut Behörden gezielt gegen Migranten.
Messerangriff in Belfast
Auslöser war ein Angriff am Montagabend, bei dem ein Mann schwer verletzt worden ist. Ein Video zeigt, wie der Angreifer sein Opfer zu Boden drückt und mehrfach mit einem Messer attackiert, bevor Passanten und Einsatzkräfte eingreifen und ihn überwältigen. Das Opfer wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Im Zuge der Attacke verliert der Mann ein Auge und erleidet schwere Verletzungen im Gesicht und am Rücken.
Der mutmaßliche Täter stammt laut Polizei aus dem Sudan. 2023 ist der rund 30-jährige Mann über Dublin eingereist, hat Asyl beantragt und verfügt über ein gültiges Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich bis 2028. Einen Zusammenhang mit Terrorismus sehen die Behörden derzeit nicht.
Häuser brennen: Familien fliehen aus ihren Wohnungen
Nachdem der mutmaßliche Täter identifiziert und angeklagt wurde, verbreiten sich Videos der Tat rasch in sozialen Netzwerken. In der Folge mobilisieren sich innerhalb weniger Stunden Proteste, die sich zunehmend gegen Migranten richten und schließlich in offene Gewalt umschlagen.
Die aktuellen Ausschreitungen treffen vor allem Wohngebiete. Häuser werden gezielt angegriffen und gehen in Flammen auf. Einsatzkräfte bringen Familien in letzter Minute in Sicherheit, darunter auch Kleinkinder. Eine ukrainische Familie kann sich nur knapp retten, nachdem ihre Haustür bereits Feuer gefangen hat. Auch eine afrikanische Familie, die seit über 20 Jahren in Belfast lebt, muss ihr Zuhause verlassen. Unter den Geretteten befindet sich auch ein Säugling. Laut Polizei müssen mehrere Familien aus akuter Lebensgefahr evakuiert werden, nachdem sich die Brände rasch ausbreiten.
Neben Wohnhäusern werden auch Fahrzeuge und ein Bus in Brand gesetzt. In mehreren Straßen stehen Autos in Flammen, Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz. Einsatzkräfte berichten, dass sie Familien teils durch Rauch und Feuer aus ihren Häusern führen müssen.
Ausschreitungen greifen auf weitere Regionen über
Die Lage bleibt nicht auf Belfast beschränkt. Auch in Newtownabbey und Kilkeel werden Fahrzeuge angezündet. Parallel dazu kommt es zu Protesten in Städten wie London und Glasgow. Die Polizei spricht von „vereinzelten Unruhen“ und ruft die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Proteste sollen friedlich bleiben.
Mobilisierung über Social Media
In sozialen Netzwerken wird der Vorfall von rechten und anti-immigrantischen Gruppen gezielt aufgegriffen und verbreitet. Dabei wird die Tat genutzt, um pauschal Stimmung gegen Zuwanderung zu machen. In der Folge richten sich Proteste nicht mehr nur gegen den einzelnen Täter, sondern gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Politiker warnen deshalb, dass die Ereignisse instrumentalisiert werden, um Angst zu schüren und gesellschaftliche Spannungen weiter anzuheizen.
Auch internationale Akteure greifen die Ereignisse auf. Beiträge von rechten Aktivisten und Unternehmer Elon Musk verbreiten sich rasant und verstärken die Mobilisierung zusätzlich.
Politik verurteilt Gewalt
Die politischen Reaktionen fallen deutlich aus. Nordirlands Regierungschefin Michelle O’Neill verurteilt die Angriffe scharf: „Rassismus, Einschüchterung und Gewalt sind überall falsch.“
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer spricht von „schockierenden und völlig inakzeptablen Szenen“. Die Verantwortlichen würden „die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“. Auch aus der Regionalpolitik kommt Kritik. Einzelne Gewalttaten dürfen nicht dazu genutzt werden, ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen.
Die Polizei spricht von „vereinzelten Unruhen“ und warnt vor weiterer Eskalation. Man appelliere eindringlich an die Bevölkerung, „ruhig zu bleiben und verantwortungsvoll zu handeln“.