Pension & Co.: Corona dämpft nicht den Vorsorgewillen

Die Zukunftserwartungen der KärntnerInnen sind gedämpft, so das Ergebnis einer von IMAS im Auftrag der Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische durchgeführten Studie: 69 Prozent der Befragten gehen von einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse und Lebensqualität der Menschen aus. Beinahe zwei Drittel (63 %) sind davon überzeugt, dass sich unser Alltag – also die Art wie wir denken, leben, einkaufen oder arbeiten – nach der Coronakrise stark verändern wird. Und: Vier von zehn Befragten in Kärnten (43 %) haben bereits darüber nachgedacht, ihren Lebensstandard zu ändern und Einsparungen im Bereich des täglichen Lebens vorzunehmen. Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtischen und verantwortlich für den Bankenvertrieb Marke s Versicherung: "Zeitlich begrenzte Einsparungen bei Konsum, Kino- oder Restaurantbesuchen ist die eine Sache. Die finanzielle Vorsorge jedoch ist ein Langzeitprojekt, vergleichbar mit einem Marathon. Manche Kilometer fallen einem leicht, andere echt schwer. In Zeiten einer Krise heißt es daher durchhalten und sich vor Augen zu führen, dass sich das am Ende bezahlt macht. Und: Denjenigen, die noch über eine private Vorsorge nachdenken darf ich eines sagen – je früher Sie damit starten, umso vorteilhafter und ertragreicher ist es für Sie."

Nicht aus Augen verlieren 

Danach befragt, wie stark man selbst oder Personen im eigenen Haushalt aufgrund der Coronakrise von finanziellen Einbußen durch beispielsweise Kurzarbeit, Jobverlust oder Umsatzrückgängen betroffen sind, antworten 74 Prozent in Kärnten mit "eher nicht" bzw. "überhaupt nicht stark betroffen". Gabriele Semmelrock-Werzer, Vorstandsdirektorin der Kärntner Sparkasse: "Demzufolge geben auch 80 Prozent an, vor der Krise geplante Vorsorgemaßnahmen auch tatsächlich getätigt zu haben. 12 Prozent haben dies auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das ist natürlich legitim, aus den Augen verlieren sollte man die finanzielle Vorsorge aber keinesfalls." Die Coronakrise hat das Vorsorgeverhalten der Menschen aber generell nicht stark verändert. 69 Prozent haben gleich viel Geld in ihre private Pensions- und Gesundheitsvorsorge investiert. 20 Prozent geben an, weniger und 9 Prozent meinen, mehr Geld zur Seite gelegt zu haben.

Gabriele Semmelrock-Werzer, Vorstandsdirektorin der Kärntner Sparkasse | Credit: Walter Fritz

Pension neu denken

Apropos Pension: Wenn die Menschen in Kärnten an die eigene staatliche Pension denken, glauben lediglich 45 Prozent daran, dass es diese in der heutigen Form bis zu ihrem eigenen Pensionsantritt noch geben kann. "Viele sind daher der Überzeugung, dass sie hinkünftig tendenziell mehr private ergänzende Vorsorge für den Lebensabend treffen werden müssen. Eine durchaus realistische Einschätzung bedenkt man, dass neben den demographischen Veränderungen nun auch noch die steigende Staatsverschuldung aufgrund der Corona Krise das Budget zusätzlich belastet", meint dazu Bartalszky. Eine überwiegend zurückhaltende Einschätzung wird auch in punkto gleichbleibenden Lebensstandards – alleine durch die staatliche Pension – abgegeben: Rund zwei Drittel der befragten KärntnerInnen (64 %) glauben nicht, dass sich das ausgehen kann, was auch die hohe Bedeutung der privaten finanziellen Vorsorge erklärt. Die Bedeutung der finanziellen Vorsorge ist für drei Viertel der befragten Menschen im südlichsten Bundesland (76 %) gerade in Krisenzeiten hoch, was sich auch im Trendvergleich zeigt. Demzufolge werden österreichweit im Schnitt 161 Euro im Monat für die private Pensions- und Gesundheitsvorsorge investiert. Männer legen dabei durchschnittlich 204 Euro und Frauen 110 Euro monatlich zur Seite. Unter den Top-Vorsorgethemen in Kärnten, also jenen Lebensbereichen, für die man jedenfalls gerne bereit ist, privat ergänzend vorzusorgen, stehen zwei Themen ganz klar im Fokus: Das Thema Gesundheit (70 %) und die eigene Pension (66 %). Überraschend: Erst an dritter Stelle kommt die Familie (59 %), gefolgt von kurzfristig verfügbaren finanziellen Reserven (58 %). Spontan befragt, was unter finanzieller Vorsorge verstanden wird, nennt ein Drittel (33 %) das Sparen bzw. die Schaffung finanzieller Rücklagen. Auf Platz 2 mit 20 Prozent der Nennungen schafft es die Pensions- und Altersvorsorge, gefolgt vom Sparbuch bzw. der Sparkarte mit 18 Prozent sowie Fonds, Wertpapieren oder Aktien mit immerhin 11 Prozent.

Anlage-Klassiker gefragt

Die Top 3-Vorsorgeprodukte der Kärntner sind Sparbücher bzw. Sparkarten (58 %), gefolgt von der Lebensversicherung (51 %) und dem Bausparvertrag (42 %). Aber auch Investitionen am Kapitalmarkt sind attraktiv: Immerhin setzen bereits 10 Prozent auf Fondssparpläne und 9 Prozent auf Wertpapiere. Semmelrock-Werzer: "Eine vernünftige Vorsorgestrategie beruht immer auf einem gut diversifizierten Portfolio. Auch wenn Sicherheit bzw. ein geringes Risiko in Kärnten immer noch im Vordergrund stehen, sorgen in Niedrigzinszeiten Wertpapiere für Rendite. Das ist umso wichtiger zu wissen, weil sich die Zinssituation auch noch länger nicht verändern dürfte." Zusätzlich gewinnt nachhaltige Geldanlage immer mehr an Bedeutung: So geben bereits deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (58 %) an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei der persönlichen Vorsorge bzw. Veranlagung sehr bzw. eher wichtig ist. Und: Die Hälfte ist darüber hinaus überzeugt, dass der Nachhaltigkeitsgedanke im Finanzbereich in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird – eine durchaus positive Entwicklung im Anlageverhalten der KärntnerInnen.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 16.02.2021