Pehtra Baba: eine rätselhafte Gestalt

Zauberhaft ist sie die Zeit der Rauhnächte zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Jänner. Es ist zugleich die dunkelste Zeit des Jahres, in der die Geister der ewigen Finsternis ihr Unwesen treiben sollen. Nach dem Volksglauben sind an diesen Tagen alle Dämonen entfesselt. Zum Abschluss dieser mystischen Tage, am Höhepunkt sozusagen in der letzten Nacht – am Vorabend der Heiligen Drei Könige – kann es gut sein, dass man in zweisprachigen Dörfern einer gruselig verhüllten Frau begegnet: der Pehtra Baba oder Percht. Es handelt sich dabei um eine indogermanisch mythische Gestalt, die den Slowenen schon vor ihrer Begegnung mit den Germanen bekannt sein müsste, und zwar unter dem Namen baba (slawisch für Großmutter oder Weib).

Im Gewand einer alten Frau

In beinahe jedem Tal in Kärnten findet sich die Pehtra Baba in einer anderen Erscheinungsform. Im Rosental und im Gebiet der Sattnitz tritt die Pehtra in einer Frauengestalt auf. Sie verbirgt ihr Gesicht hinter Stoff und trägt auch manchmal einen Hut. Bekleidet ist sie mit einem langen Kittel. So betritt die Pehtra Baba als alte Frau verkleidet mit einer zweizinkigen Gabel und auf Holzzockeln die Wohnungen der Dorfbewohner und droht den Schlimmen, belohnt jedoch die Fleißigen mit ihren Gaben. Aus einem Korb oder ihrer Schürze schüttelt sie Nüsse, Dörrzwetschken, Äpfel, Süßigkeiten. Dabei spricht sie nicht und verlässt schweigend den Raum. Danach stürzen sich die Kinder auf den Boden und sammeln alles ein.

Gut und Böse

Ein Dorf, in dem die „Peahtrna“ (Percht) lange Tradition hat, ist Zell-Pfarre (slow. Sele-Fara). Es handelt sich dabei um ein slowenisches Dorf auf über 900 Meter Seehöhe im Süden Kärntens. Dort hat die Pehtra Baba viele Gesichter. Die Pehtra kommt hier am Vorabend der Heiligen Drei Könige zumeist in einer Gruppe: als Schöne, Bunte oder Böse bzw. Hässliche, so sind die Gestalten als weiße, mehrfärbige oder dunkle Frau verkleidet. In den Händen tragen sie entweder eine Axt oder einen Korb. Man sollte sich hüten, in die Nacht hinaus zu gehen, da draußen ein wildes Treiben herrschen soll an diesem Abend. Auf dem Boden in der Stube wird ein weißer Streifen markiert, entweder mit Kreide oder einem weißen Band. Diesen darf die „Peahtrna“ bei ihrem Besuch nicht überschreiben. Wenn sie kommen, stampfen die Pehtra Babas auf den Boden, als würden sie tanzen, sprechen aber kein Wort zu den Hausbewohnern. Auch hier streut die Schöne Süßigkeiten und Gaben auf den Boden. Und mancherorts steht ein Brot am Tisch, das die verhüllte Frauengestalt aufschneiden soll. Jedes Vieh und alle Menschen am Hof dürfen dann ein Stück davon essen.

Autor: Pia Kulmesch, 03.01.2022