Josef Habich: „Ein helles Bier fungiert als sozialer Leim, der unsere Gesellschaft zusammenhält."

Weekend: Welche Bilanz ziehen Sie anlässlich Ihres 10-jährigen Firmenjubiläums?
Josef Habich: Es war eine Dekade voller Überraschungen und unser Weg gestaltete sich oftmals steiniger als erwartet. Wir starteten 2011 als regionale Kleinstbrauerei mit der Vision, ein ehrliches Bier der Region für die Menschen in der Region zu brauen. Es dauerte jedoch gute drei bis vier Jahre, bis wir zu unserem individuellen Stil gefunden hatten und wir mussten während dieser Zeit auch ab und an Lehrgeld zahlen. So wurde uns beispielsweise erst nach und nach bewusst, wie herausfordernd ein regionales Wirtschaften mit den qualitäts-, preis- und mengensensitiven Rohstoffen der Bierproduktion ausfallen kann. Mittlerweile werden unsere Biere jedoch von vielen genussaffinen Menschen geschätzt, die hochwertige Produkte bewusst konsumieren und sie nicht nur zu besonderen Anlässen trinken.

Weekend: Warum bezeichnen Sie Ihr Bier als „gefährlich ehrlich“?
Josef Habich: Weil es unsere bewusste Entscheidung repräsentiert, für unsere Überzeugung auch wirtschaftliche Risiken in Kauf zu nehmen. Unsere naturbelassenen Erzeugnisse weisen eine geringere Haltbarkeit sowie eine reduziertere Transportfähigkeit als industrielle Biere auf und verursachen auch höhere Produktionskosten. Dafür sind jedoch zu hundert Prozent unverfälscht und einzigartig.

Weekend: Was unterscheidet Ihre Biere von denen der Konkurrenz?
Josef Habich: Die kompromisslose Umsetzung unserer Philosophie hinsichtlich Regionalität und Nachhaltigkeit von den Rohstoffen bis zum Endprodukt. So haben wir etwa unseren Standort bewusst in der Nähe der Lemisch-Quelle gewählt, da deren Wasser nicht der geringsten chemisch-technischen Aufbereitung bedarf. Wir arbeiten zudem mit Hopfen und Gerste aus der Region und bringen diese Rohstoffe vollkommen unbehandelt in den Brauprozess ein. Darüber hinaus wird Transparenz in unserem Haus großgeschrieben: Interessierte können sich jederzeit in der Brauerei umsehen und sich auch an der Hopfenernte beteiligen.

Josef Habich sitzt in einen Kärntner Kilt gekleidet auf dem Dach seiner Brauerei und hält ein Bierglas in die Höhe

Weekend: Wie spiegeln sich die Schlagwörter „Regionalität“ und „Unabhängigkeit“ in Ihrer Unternehmensführung wider?
Josef Habich: Unser Bekenntnis zur Regionalität erlaubt uns unter anderem einen flexibleren Umgang mit Krisensituationen. So haben wir etwa schon vor vielen Jahren mit dem Anbau von Winterbraugerste begonnen, die aufgrund ihres robusten Charakters den klimawandelbedingten Wetterkapriolen trotzt. Außerdem bleiben wir durch die Arbeit mit dieser lokalen Ressource von den Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt nahezu unberührt. Unsere Unabhängigkeit ermöglicht uns ferner eine Zusammenarbeit mit den Landwirten der Region auf Augenhöhe, wodurch es auf beiden Seiten zu keiner Ausbildung von Abhängigkeitsverhältnissen kommt.

Weekend: Was ist Ihr Favorit unter den Wimitzer Bieren?
Josef Habich: Ich greife am liebsten zu einem klassischen hellen Bier, da ein solches in meinen Augen als eine Art sozialer Leim fungiert, der unsere Gesellschaft zusammenhält. So manche Sorgen und Probleme wurden schon mit einem berühmten gemeinsamen „Gang auf ein Bier“ ausgeräumt.

Weekend: Welche Projekte stehen in naher Zukunft auf Ihrer Agenda?
Josef Habich: Wir werden einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit setzen und auf der Dachfläche unseres Betriebes eine Photovoltaikanlage installieren, woran sich auch potenzielle Sponsoren über eine Crowdfunding-Kampagne beteiligen können. Außerdem möchten wir unser Firmenjubiläum im Frühjahr 2022 gebührend feiern, was in diesem Jahr wegen der anhaltenden Corona-Pandemie leider nicht möglich war.

Autor: Stefan Kohlmaier, 28.10.2021