Handy-Lenker: stark erhöhtes Unfallrisiko

Die Mobilitätsorganisation VCÖ weist darauf hin, dass in Kärnten im Schnitt mehr als 20 Handy-Lenker pro Tag von der Exekutive erwischt werden. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Lenker mit 0,8 Promille.
Autor: Pia Kulmesch, 01.06.2022 um 10:40 Uhr

Schnell noch den Partner anrufen oder gar kurz eine Textnachricht beantworten: das Handy von Lenkern ist auch im Auto mit dabei und sorgt für ordentlich Ablenkung! Das stark erhöhte Unfallrisiko durch Telefonieren am Steuer wird nach wie vor von vielen nicht richtig ernst genommen. Die Mobilitätsorganisation VCÖ meldet, dass im Vorjahr in Kärnten 7.923 Lenker beim verbotenen Handy-Telefonieren hinterm Lenkrad erwischt wurden. Die Zahl der Handy-Lenker ist im Vorjahr in Kärnten um 21 Prozent gestiegen. Österreichweit wurden im Vorjahr 128.489 Handy-Lenker erwischt. „Zu viele meinen, es wäre ein Kavaliersdelikat und sind sich der fatalen Folgen nicht bewusst, die das Handy-Telefonieren oder gar das Schreiben von Nachrichten während des Autolenkens haben kann“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde verspätet.

Erschreckendes Beispiel

Die fatalen Folgen, die Ablenkung durch Handy am Steuer haben kann, verdeutlicht das nachfolgende Beispiel des VCÖ. Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem Pkw, der 30 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder, was zu schweren Verletzungen führen kann. „Deshalb beim Autolenken das Prinzip ‚Don't phone and drive‘ genauso beherzigen wie das Prinzip ‚Don't drink and drive‘“, erinnert VCÖ-Experte Schwendinger.

Strengere Strafen

Die derzeitige Strafhöhe beim Telefonieren am Steuer beträgt 50 Euro. Dies steht in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts. Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass Handy am Steuer ins Vormerksystem aufgenommen wird, so wie das in vielen EU-Staaten bereits der Fall ist. In Deutschland (Bundesland Rheinland-Pfalz) startet im Monat Juni ein Pilotprojekt zur Überwachung von Ablenkungsverstößen durch Handynutzung. Ein in den Niederlanden von der Polizei gemeinsam mit der Universität Utrecht entwickeltes Kamerasystem erkennt, wenn mit dem Handy am Steuer telefoniert wird. In den Niederlanden ist das System testweise bereits im Einsatz. Wenn es sich bewährt, sollte dieses auch in Österreich eingesetzt werden.