Serena Williams ist 40: Warum sie die Größte aller Zeiten ist

Ihre großen Siege

Auch, wenn ihr auf Margaret Courts Rekord von 24 Grand-Slam-Titeln noch einer fehlt: Serenas 23 Major-Siege sind höher einzuschätzen. Das sieht auch ihr Trainer Patrick Muratoglu so: "Courts Rekord stammt aus den Sechzigern, einer Zeit, in der drei Viertel der Weltklasse-Leute gar nicht erst zum Turnier nach Australien angereist sind!" Das mag überheblich klingen, ist aber eine Tatsache. Erst in den 1980er-Jahren schlossen die Australian Open in der Bedeutung zu den anderen drei großen Turnieren Roland Garros, Wimbledon und US Open auf; wegen des kleineren Starterfeldes gab es bis dahin sogar eine Runde weniger zu überstehen.

Zudem kommen bei Serena Williams noch vier Olympiasiege (einer im Einzel, drei im Doppel mit Schwester Venus). In fairness: Zu Courts Zeit war Tennis nicht olympisch. Darüber hinaus hat Serena Williams 23 Siege bei Masters-Turnieren (7x Miami, 4x Rom, 3x Madrid, 3x Toronto/Montréal, 2x Indian Wells, 2x Cincinnati, 1x Charleston, 1x Peking) und sie hat fünfmal bei den WTA Finals triumphiert.

Die Dauer ihrer Karriere

Court gewann ihre Titel von 1960 bis 1973 - eine Zeitspanne von 13 Jahren. Der ersten Titel von Serena Williams waren im Jahr 1999 (Premieren-Titel im Februar in Paris, erster Grand-Slam-Titel im September in New York). Das war vor über 22 Jahren, bevor BEIDE Finalistinnen der gerade ausgetragenen US Open überhaupt geboren wurden. Dafür war Williams auch in diesem Jahr wieder im Halbfinale der Australian Open.

Seit 1999 war Serena Williams JEDES JAHR mindestens einmal in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers. Die älteste Siegerin (36 Jahre in Melbourne 2017, als sie schwanger gewann) ist sie schon.

Ihre Vorbildwirkung

Als sie und ihre ein Jahr ältere Schwester sich 1998 als Teenager ins Rampenlicht spielten, gab es im Frauen-Tennis praktisch nur weiße Spielerinnen, dazu eine Handvoll Asiatinnen. Erfolgreiche schwarze Vorbilder? Seit den Tagen einer Althea Gibson in den Fünfzigern: Fehlanzeige.

Dann kamen die Schwestern, im berüchtigten Compton im Großraum Los Angeles groß geworden: Kraftvoll, respektlos, anders – und dabei höchst erfolgreich. Sie öffneten die Tennis-Türen für Tausende junge Schwarze in den USA, manche davon wurden Weltklasse. So wie Sloane Stephens, die selbst die US Open gewonnen hat. So wie Naomi Osaka, die zwar offiziell Japanerin ist, aber in den Staaten aufwuchs und sozialisiert wurde. Wie Coco Gauff, die als das Idol der Zukunft gilt und sich auch politisch kein Blatt vor den Mund nimmt. So wie Leylah Fernandez, die jüngst mit erfrischend guter Laune ins US-Open-Endspiel gestürmt ist.

"Ich übe einen Sport aus, der nicht für schwarze Menschen bestimmt war", schrieb sie im Magazin Wired, "gleiche Chancen sind wichtig!" Sie ist sich ihrer Bedeutung bewusst, wie sie dem Guardian sagte: "Ich nehme das an und freue mich dafür, weil viele Menschen diese Gelegenheit nicht haben."

Ihr Umgang mit ihrem Körper

Ein gertenschlanker Hungerhaken war Serena Williams nie - anders wäre ihr Power-Tennis auch nicht möglich gewesen. Seit der Geburt ihrer Tochter Olympia (4) steht sie umso mehr zu ihren Kurven. Dafür musste sie sich oft unflätige Kommentare anhören. Ihr Umgang damit dient vielen Frauen als Vorbild, sich nicht jedem vermeintlich erstrebenswerten Körpertrend und Schlankheitswahn zu unterwerfen. Im Guardian sagte sie: "Meine Mutter hat uns beigebracht, stark zu sein. Sie hat uns immer vermittelt, uns selbst zu mögen und das ist eine starke Message, die ich mit so vielen Frauen teilen möchte. Das ist wirklich wichtig! Du bist wie du bist!"

Über Kommentare, sie wäre zu maskulin und zu muskulös, kann Williams nur lachen: "Denn dann heißt es wieder, ich wäre zu weiblich und zu sexy. Das ist alles ein großer Blödsinn!"

Ihr Langzeit-Erbe

Die fundamental-christliche Margaret Court ist zur aktiven Zeit durch ihre Unterstützung des rassistischen Apartheits-Regimes in Südafrika und in den letzten Jahren vor allem durch homophobe Aussagen aufgefallen. Den überwiegend weltoffenen Australiern ist sie eher peinlich, eine umjubeltes Idol ist sie beileibe nicht - es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das nach ihr benannte Stadion bei den Australian Open in Melbourne nicht mehr nach ihr benannt sein wird.

Serena Williams hingegen wird nicht nur als ein großer Champion in Erinnerung bleiben. Die mit Reddit-Gründer Alexis Ohanian verheiratete Serena war ein sportliches Idol, eine gesellschaftlich hoch relevante und progressive Stimme sowie durch ihre Offenheit auch ein Lebens-Vorbild für viele Frauen, schwarz wie weiß.

Und das wird sie auch nach ihrem 40. Geburtstag bleiben.

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Autor: Philipp Eitzinger, 28.09.2021