Hauptsache schnell! Das ist "Deutschen-Schreck" Madeleine Egle

Fünf Saisonsiege, in den letzten acht Weltcup-Rennen immer am Podest – Madeleine Egle wurde in dieser Rodel-Saison wahrhaft zum Schrecken der sonst alles dominierenden Deutschen! Aber wer ist die 23-jährige Tirolerin?
Autor: Philipp Eitzinger, 02.02.2022 um 11:27 Uhr

Bei der Generalprobe auf der Olympia-Bahn von Yanqing düpierte Madeleine Egle die Konkurrenz, feierte ihren ersten Weltcup-Sieg überhaupt und den ersten für eine Österreicherin seit 1997. Dass dies kein Zufall war, zeigten vier weitere Saisonsiege und der Umstand, dass Egle nur hauchdünn den Gesamtsieg im Weltcup 2021/22 verpasst hat. Eine echte Gold-Kandidatin für Olympia!

Einige Startvorteile

Mit 1,85 Metern (bei 64 kg) ist Egle ungewöhnlich groß für eine Frau. Davon profitiert sie vor allem am Start. Ein Startvorteil für ihre Karriere war natürlich auch, dass sie in Rinn aufgewachsen ist, keine zehn Minuten vom Innsbrucker Olympia-Eiskanal entfernt. Das gilt auch für ihre kleine Schwester Selina (19), der ähnliches Potenzial wie Madeleine nachgesagt wird.

Rodeln im Blut

Ganz zufällig ist Egle nicht zum Rodelsport gekommen. Ihre Großtante Angelika Schafferer gehörte zu den erfolgreichsten Rodlerinnen der späten 1970er und frühen 1980er-Jahre, mit drei Gesamtweltcup-Siegen und WM-Bronze 1978. Egle selbst wurde 2007 vom Rodel-Fieber gepackt, als die damals Achtjährige bei der WM in Igls hautnah dabei sein konnte.

Wirtschaftsrecht

Als Rodlerin wird man nicht reich. Darum baut Egle schon jetzt am zweiten Standbein – mit einem Studium des Wirtschaftsrechts. Das helfe ihr auch mental, sagt sie: "Es ist auch psychisch wichtig, um nicht ganz vom Sport abhängig zu sein." Zusätzlich ist sie als Heerensportlerin beim Bundesheer angestellt. Dienstgrad: Korporal.

Schwerer Sturz mit 14

Egle ist die erste Weltklasse-Läuferin, die durch das vor einigen Jahren installierte Scouting- und Förderprogramm des Rodelverbandes entdeckt wurde. Dennoch wäre ihre Karriere beinahe vorbei gewesen, ehe sie begonnen hat: Mit 14 Jahren zog sie sich bei einem dramatischen Sturz einen Oberschenkel-Trümmerbruch zu. Noch schwerer als die körperlichen Verletzungen waren aber die seelischen. Schon vier Monate später warf sie sich wieder in die Bahn, um die Ängste möglichst schnell zu überwinden.

Gute Nerven

Als der Weltcup-Tross vor drei Monaten erstmals in China aufschlug, war es von vielen unschönen Begleiterscheinungen geprägt. Viele Rodler und Rodlerinnen beschwerten sich über die teils schikanöse Behandlung und die etwas seltsame Streckenführung behagte nicht jedem. Egle aber blieb mega-cool und legte ihren ersten großen Sieg hin. Auch, dass sie bereits eine Olympia-Medaille von 2018 (im Teambewerb) im Schrank hat, sollte zur Beruhigung beitragen.

Egle steht auf Rock

Egle hat gerne ihre Ruhe. Darum läuft sie nicht selten mit Kopfhörern durch die Gegend - mit Rockmusik-Beschallung. "Dann reden mich weniger Leute an", sagt sie. Auch dem gelegentlichen Festival-Besucht war sie nicht abgeneigt, ehe Corona-Beschränkungen diese erstmal auf Eis legten.