Ski-Held über Musiala: „Sollte ihm nichts im Weg stehen“
Jamal Musialas Zusammenbrüche haben im Fußball für große Sorge gesorgt. Einer, der aus eigener Erfahrung weiß, dass eine neurologische Erkrankung nicht automatisch das Ende einer Spitzensportkarriere bedeuten muss, ist Severin Freund. Der frühere Skisprung-Weltmeister litt während seiner aktiven Laufbahn an fokaler Epilepsie – und gewann trotzdem Olympia-Gold, den Gesamtweltcup und zahlreiche Weltcups. Nun macht der 38-Jährige dem Bayern-Star Mut.
Severin Freund litt selbst an Epilepsie
Während Severin Freund jahrelang von Skisprungschanze zu Skisprungschanze reiste und zu den besten Athleten der Welt gehörte, wusste kaum jemand von seiner Erkrankung. Erst nach dem Ende seiner Karriere sprach der Deutsche öffentlich darüber, dass er seit seiner Jugend an fokaler Epilepsie leidet.
Seine Karriere wurde davon dennoch nicht gestoppt. Freund gewann mit Deutschland Olympia-Gold im Team, wurde Skiflug-Weltmeister, holte 2015 den Gesamtweltcup und feierte insgesamt 22 Weltcupsiege.
Genau deshalb sieht er auch Musialas Situation nicht automatisch als Hindernis für eine weitere Karriere auf höchstem Niveau. Wichtig ist allerdings: Musiala selbst hat bislang keine Epilepsie-Diagnose öffentlich gemacht. Er spricht von kurz auftretenden, gut behandelbaren Absencen aufgrund einer neurologischen Dysfunktion.
Die Suche nach Medikamenten kann schwierig sein
Freund erklärte gegenüber „Bild“, dass Absencen in vielen Fällen sehr gut behandelbar seien. Gleichzeitig könne es eine Herausforderung sein, individuell die passende Therapie zu finden.
Die Suche nach dem richtigen Medikament sei teilweise „ein Glücksspiel“, weil Menschen unterschiedlich auf Wirkstoffe reagieren. Gerade bei Spitzensportlern kommt ein zusätzlicher Faktor dazu: Medikamente dürfen die Leistungsfähigkeit möglichst nicht beeinträchtigen.
Freund weist darauf hin, dass bei manchen Präparaten auf dem Platz oder im Wettkampf wenige Prozent Leistungsfähigkeit fehlen könnten. Deshalb sei eine individuell abgestimmte Behandlung besonders wichtig.
Warum Fußball laut Freund ein Vorteil sein kann
Aus eigener Erfahrung weiß Freund auch, wie entscheidend die jeweilige Sportart sein kann. Im Skispringen hätte ein neurologischer Aussetzer während des Anlaufs oder in der Luft besonders schwere Folgen haben können.
Beim Fußball sieht er die Situation grundsätzlich weniger problematisch. Spieler bewegen sich überwiegend auf Bodenhöhe und befinden sich nicht wie Skispringer bei hoher Geschwindigkeit in der Luft. Freund formuliert es deshalb pointiert: Musiala habe sich für eine solche Erkrankung vergleichsweise eine günstige Sportart ausgesucht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Vorfälle verharmlost werden dürfen. Musiala brach innerhalb weniger Tage sowohl gegen RB Leipzig als auch gegen Heidenheim zusammen. Seine weitere Belastung wird deshalb eng mit neurologischen Fachärzten abgestimmt. Musiala erklärte selbst, dass er die medizinische Freigabe erhalten habe, weiterhin Fußball zu spielen.
Freund traut Musiala wieder Weltklasse zu
Der frühere Skispringer zeigt sich zuversichtlich, dass Musialas sportliche Karriere trotz der gesundheitlichen Probleme auf höchstem Niveau weitergehen kann. „Es sollte ihm nichts im Weg stehen, um in Zukunft wieder absolute Weltklasse-Leistung zu bringen“, erklärte Freund.
Besonders unangenehm sei für einen Sportler allerdings, wenn ein solcher Vorfall vor laufenden Kameras und zehntausenden Zuschauern passiert. Freund zeigte deshalb großes Mitgefühl mit dem 23-Jährigen.
Musiala selbst blickt ebenfalls optimistisch nach vorne. Er befindet sich nach eigenen Angaben in medizinischer Behandlung und betont, dass kein darüber hinausgehendes Gesundheitsrisiko bestehe. Gemeinsam mit den behandelnden Fachärzten möchte er seinen Alltag weiterführen und seiner Leidenschaft Fußball nachgehen.