Rot-Rekord für das Team von "Alpenvulkan" Peter Pacult

10 rote Karten in 30 Runden! Austria Klagenfurt hat in der Bundesliga einen traurigen Rekord aufgestellt. Für Trainer Peter Pacult sind daran nur vermeintlich blinde Schiedsrichter Schuld. Er selbst neigt aber durchaus zum Jähzorn...
Autor: Philipp Eitzinger, 13.05.2022 um 11:17 Uhr

"Zwei von meinen drei Ausschlüssen waren klare Fehlentscheidungen vom Referee", wischte Mittelfeld-Abräumer Turgay Gemicibasi seine Verantwortung zuletzt im "Kicker"-Interview beiseite - was nicht jeder neutrale Beobachter bestätigen wird. "Was macht ihr Schiedsrichter eigentlich beruflich?", fragte ein geladener Trainer Peter Pacult, nachdem es zuletzt gegen Sturm Graz den elfte Platzverweis dieser Saison – kein böses Foul, auch nur minimaler Kontakt, aber doch als letzter Mann, und damit eine klare rote Karte.

Ein Drittel aller Ausschlüsse der Liga

Die rote Karte für Nicolas Wimmer war der zehnte direkte Ausschluss für Klagenfurt in der laufenden Saison, das ist Rekord seit Einführung der Bundesliga in ihrer heutigen Form vor knapp 50 Jahren. Dazu kommt eine gelb-rote Karte. Ligaweit hat es in dieser Saison 31 Platzverweise gegeben – also gehen ein Drittel aller Ausschlüsse in der Liga auf das Konto von Austria Klagenfurt. Der absolute Rekord liegt (noch?) bei Wacker Innsbruck, mit zwölf Platzverweisen, allerdings gab es 2013/14 noch 36 Spiele, nun sind es nur noch 32 Runden. Kurios: Bei den gelben Karten liegen die Kärntner völlig im normalen Bereich (9 Prozent bei 12 Teams).

"Dass wir mit mehr roten Karten dastehen als die restliche Liga zusammen, spiegelt das wahre Bild nicht wider", sagte Pacult schon nach wenigen Runden – nach fünf Spielen hatte seine Truppe schon vier Ausschlüsse gesammelt. Ändern werde er nichts, "weil wir uns nichts vorwerfen können", so Pacult in einem Interview mit der Bundesliga. Und geändert hat sich tatsächlich sehr wenig.

Legendäre Tobsuchtsanfälle

Aber sind wirklich nur die Schiedsrichter Schuld? Peter Pacult ist in den über 20 Jahren seiner Trainertätigkeit sehr oft mit Tobsuchtsanfällen aufgefallen – gegenüber seinen Spielern, wegen Schiedsrichtern sowieso, aber auch bei Vertretern der Medien und auch gegnerische Fans nannte er bei seiner Zeit in Leipzig bereits "schwule Sau". Schon vor zehn Jahren titulierte ihn die Bild-Zeitung als "Alpen-Vulkan" und fragte: "Warum rastet Pacult so oft aus?" Dabei gilt Pacult im persönlichen Umgang als humorvoll, herzlich und umgänglich. Aber wehe, er fühlt sich oder seine Mannschaft ungerecht behandelt!

Trotzdem eine erfolgreiche Saison

Erstaunlich ist, dass Klagenfurt dennoch die Meisterrunde der Top-6 erreichte, wenn auch mit zahlreichen eher glücklichen Siegen. Trotz nur eines Sieges aus den letzten acht Spielen lebt sogar immer noch die Chance auf einen Europacup-Platz. Man fragt sich, was möglich gewesen wäre, hätte Austria Klagenfurt nicht ganz so oft ein Spiel mit zehn Mann beenden müssen.