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Nach dem Ausschluss: Der ukrainische Skeletonpilot sitzt nach seiner Disqualifikation niedergeschlagen im Auto – der „Preis der Würde“ hat ihn Olympia gekostet.
Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych wurde disqualifiziert. Grund waren Bilder gefallener Athleten auf seinem Helm.
Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych wurde disqualifiziert. Grund waren Bilder gefallener Athleten auf seinem Helm.
APA-Images / AP / Alessandra Tarantino

Skeleton-Skandal: Ukraine disqualifiziert – "Preis der Würde"

12.02.2026 um 11:18, Stefanie Hermann
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Olympia 2026: Das IOC disqualifiziert Ukraines Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych. Grund: der Helm der Erinnerung, der gegen die Regeln verstößt.

Der Ausschluss von Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych erschüttert die Olympischen Winterspiele 2026. Der ukrainische Skeletonpilot weigert sich, seinen Helm mit den Porträts gefallener Sportler abzulegen – und wird dafür disqualifiziert. Das IOC entzieht ihm wenig später die Akkreditierung. Der 27-Jährige nennt das den „Preis unserer Würde“.

Grund für die Disqualifikation: Helm der Erinnerung

Der verbotene Helm zeigt Gesichter von Athleten und Athletinnen, die im Krieg in der Ukraine getötet wurden, darunter Gewichtheberin Alina Perehudova, Boxer Pavlo Ischenko und Eishockeyspieler Oleksiy Loginov. Heraskevych nennt ihn seinen „Helm der Erinnerung“. Bereits in den Trainingsläufen ist er damit gefahren, die fünfte Session beendet er als Schnellster. „Diese Menschen haben ihr Leben geopfert, deshalb kann ich heute hier sein“, sagt er. „Ich werde sie nicht verraten.“

IOC bietet Kompromiss an, Heraskevych verweigert

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ist kurzfristig zum Eiskanal nach Cortina gereist, um persönlich mit Heraskevych zu sprechen. Rund eine Stunde vor dem Start hat sie noch einmal das Gespräch gesucht. „Es geht nicht um die Botschaft, es geht nur um die Regeln“, sagt sie später mit Tränen in den Augen. Heraskevych aber lehnt den angebotenen Kompromiss – einen schwarzen Trauerflor am Arm – vehement ab. Wenig später fällt das IOC die Entscheidung zur Disqualifikation: keine Startfreigabe, kein Olympia.

Warum der Helm verboten ist: Regel 50.2

Das IOC beruft sich auf Regel 50.2 der Olympischen Charta: keine politischen, religiösen oder rassischen Botschaften auf dem Feld. „Es geht nicht um die Botschaft, sondern um den Ort“, erklärt IOC-Sprecher Mark Adams. Heraskevych dürfe seine Trauer äußern, nur nicht direkt während des Wettkampfs. Der Helm sei außerhalb der Bahn erlaubt, ein Trauerflor sei auch während des Rennens am Arm möglich.

Reaktion auf die Skeleton-Disqualifikation

Als die Disqualifikation bekannt wird, reagieren ukrainische Fans mit Entsetzen. Auch ehemalige Athleten äußern Kritik. Die britische Olympiasiegerin Lizzy Yarnold fordert eine Entschuldigung des IOC, Ex-Bobfahrer John Jackson spricht von einem „wichtigen Akt der Erinnerung“.

Olympia-Disqualifikation: Zwischen Regel und Menschlichkeit

Skeleton-Pilot Heraskevych spricht nach dem Eklat und der Disqualifikation von „Leere“. Auf X schreibt er: „Das ist der Preis unserer Würde.“ Für ihn geht der Streit jetzt weiter: Er will vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Entscheidung vorgehen. Unterstützung erhält er von der lettischen Föderation, die bereits offiziell Protest beim Weltverband IBSF eingereicht hat.

Quellen und weiterführende Informationen

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