Vom Trainer bis zur Stadionstimme: So viel Österreich steckt in der Eintracht

Frankfurt steht Kopf! Im dramatischen Elferschießen gewann die Eintracht das Europa League-Finale gegen die Glasgow Rangers und versetzte eine ganze Stadt in Ekstase. Mitverantwortlich dafür sind auch sieben Österreicher.
Autor: Sandra Eder, 19.05.2022 um 11:12 Uhr

Der Trainer: Oliver Glasner

Bodenständig, ehrgeizig, perfektionistisch. Diese drei Attribute beschreiben Trainer Oliver Glasner wohl am besten. Der Frankfurt-Coach ist keiner, der sich in den Mittelpunkt drängt, keine glänzende Figur an der Outlinie. Stattdessen gilt der 47-Jährige als harter Arbeiter, der nichts dem Zufall überlässt und stets versucht, das Beste aus jedem Spiel und jedem Spieler herauszuholen. Im Sommer 2021 übernahm der Oberösterreicher das Traineramt bei der Eintracht von Landsmann Adi Hütter, stand anfangs häufig in der Kritik. So wurde in den deutschen Medien im vergangenen Herbst unter anderem getitelt: „Ist Glasner der richtige Trainer?“ Die Antwort lieferte sein Team spätestens im Europa League Finale. Mit dem Sieg hat sich Glasner über die Frankfurter Grenzen hinaus ein Denkmal gesetzt und ist seit gestern einer von nur drei österreichischen Trainern, die jemals einen Fußball Europacup-Titel gewinnen konnten.

Oliver Glasner strahlte über den größten Erfolg seiner Karriere. | Credit:  Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Die Co-Trainer: Michael Angerschmid und Ronald Brunmayr

Sie schnürten einst gemeinsam mit Oli Glasner in Ried ihre Fußballschuhe – heute zählen sie als seine Assistenten zu den wichtigsten Vertrauenspersonen in Frankfurt. Michi Angerschmid begleitet Glasner seit fast sieben Jahren, war bereits sein „Co“ beim LASK und in Wolfsburg. "Uns verbindet eine lange und vertrauensvolle Freundschaft, in der man alles ausreden und auch hin und wieder vielleicht unangenehme Dinge ansprechen kann oder in gewissen Momenten besser einfach nichts sagt", erzählte Angerschmid im Interview mit den "OÖN" über das enge Verhältnis. Der Steirer Ronnie Brunmayr stieß erst in Frankfurt zum Trainerteam, nachdem er zuvor Blau-Weiß Linz zum Zweitligatitel in Österreich geführt hatte. Oliver Glasner hat dank der beiden nicht nur zwei starke Co-Trainer im Team, sondern vor allem wichtige Bezugspersonen.

Das österreichische Trainer-Trio: Glasner, Angerschmid, Brunnmayr Das österreichische Trainer-Trio: Glasner, Angerschmid, Brunnmayr. | Credit: Arne Dedert / dpa / picturedesk.com
Oliver Glasner und sein Co-Trainer Michi Angerschmid. | Credit: Eibner / EXPA / picturedesk.com

Der Fanliebling: Martin Hinteregger

Frankfurts Volksheld Nummer eins kommt aus Kärnten und heißt Martin Hinteregger. Mit seinen starken Einsätzen und vor allem auch mit seinem wichtigen Tor im Achtelfinale gegen Betis Sevilla schrieb er die Erfolgsgeschichte mit. Das Finale wird „Hinti“ selbst aber wohl immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten: Wer sieht schließlich gerne verletzt zu, wenn sein Team das vielleicht größte Spiel der eigenen Karriere bestreitet? Fakt aber ist: Den Pokal darf er mit Stolz und vor allem mit der Gewissheit hochstemmen, einen großen Beitrag geleistet zu haben.

Mittendrin im Frankfurter Jubel: Martin Hinteregger. | Credit: MATTHEW CHILDS / REUTERS / picturedesk.com

Das Teammitglied: Stefan Ilsanker

Auch der Salzburger Stefan Ilsanker feierte gestern mit der Eintracht den historischen Sieg. Wenngleich er selbst von Trainer Oliver Glasner zu Jahresbeginn aus dem Europa-League-Kader gestrichen wurde und den internationalen Erfolgslauf deshalb ab dem Achtelfinale von der Tribüne aus verfolgen musste. In der Gruppenphase im Herbst war „Ilse“ als Joker noch zwei Mal eingewechselt worden – 26 Einsatzminuten steuerte der 33-jährige Österreicher insgesamt zum Frankfurter Triumph bei. Und nicht zu vergessen seine Leistungen in der Vorsaison, in der sich der Verein die Qualifikation für die Europa League sicherte.

Stefan Ilsanker kam auf nur zwei Europa League-Einsätze. | Credit: Armando Babani / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Der Stadionsprecher: Bartosz Niedzwiedski

Er heizt den Fans vor und während dem Spiel so richtig ein: Bartosz Niedzwiedski ist DIE Stimme der Eintracht. Der gebürtige Pole wuchs in Wien auf, begann seine Laufbahn als Stadionsprecher bei Untersiebenbrunn und Vienna. Im Podcast „Kaffeehaustalk“ erzählte er, dass er sich einst spontan auf eine Stellenausschreibung von Eintracht Frankfurt bewarb, anfangs dort für den Social Media-Bereich tätig war. Schließlich arbeitete er sich zum Fußball-Stadionsprecher hoch. Mannschaftsaufstellung, Auswechslungen, Tore – all das vermeldet er bei Frankfurter Heimspielen vor über 49.000 Fans. In Zeiten wie diesen macht dieser Job doppelt Freude.

Der Athletik-Trainer: Markus Murrer

Wenn ein Europa League Finale in die Verlängerung geht, kommt es neben Nervenstärke vor allem auf eines an: die Fitness. Und an dieser Stelle kommt der Österreicher Markus Murrer ins Spiel. Der gebürtige Saalfeldener stählte neun Jahre lang die Salzburger Eishockey-Profis, bis ihn Nico Kovac 2017 nach Frankfurt holte. Nach Nico Kovac vertraut auch Oli Glasner auf die Fachkompetenz des 40-Jährigen.

Athletik-Trainer Markus Murrer. | Credit: Eibner / EXPA / picturedesk.com