Österreich in Dänemark: Abschiedsspiel für Franco Foda?

Die Spieler können nicht (mehr) mit Foda

Arnautovic, Dragovic, Baumgartner, Lienhart, Lazaro und Ulmer haben sich zuletzt quasi Last-Minute abgemeldet. Bis auf den tatsächlich gröber verletzten Lazaro und den coronapositiven Dragovic wären sie vermutlich alle dabei gewesen, wenn die Spiele wirklich wichtig gewesen wären und sie mit dem Trainer halbwegs auf einer Wellenlänge wären.

Die atmosphärischen Störungen im Team sind gut dokumentiert. Bei Interviews – etwa nach dem Schottland-Match vor fünf Wochen bei Ilsanker und Baumgartner zu sehen – müssen sich die Kicker sichtbar bemühen, ihren aufgestauten Foda-Frust nicht in derber Weise zu formulieren. Das weiß man beim ÖFB und räumt das hinter vorgehaltener Hand auch ein.

Das Tischtuch zwischen Foda und den Spielern ist unwiederruflich zerrissen. Dafür sorgten die spröde und unnahbare Persönlichkeit von Foda und seine frustrierende Beratungsresistenz. Auch wegen seiner diktatorischen Menschenführung und der Weigerung, Juwel Yusuf Demir mehr einzubinden (weil Demir in Fodas Idee vom Fußball keinen Platz hat), ist der Trainer bei den Spielern untendurch.

Die Spielweise spricht gegen Foda

Ja, aber der erfolgreiche EURO...? Dort haben die Spieler nach dem Murks-Arbeitssieg gegen Mazedonien und dem katastrophalen Strich-in-der-Hose-Auftritt in Holland das Ruder in die Hand genommen. Es folgte der überzeugende Sieg gegen die Ukraine. Im Achtelfinale gegen Italien verordnete Foda wieder strikte Defensive, in der Halbzeit revoltierten die Spieler erneut, griffen an – und gewannen beinahe.

Jeder erfolgreiche Trainer erarbeitet die Taktik heute gemeinsam mit den Spielern. Einem Kader voller Pressing-Experten einen defensiven Vorsichts-Kick zu verodenen, funktioniert nicht. Es kann aber auch nicht sein, dass eine Mannschaft sich die eigene Taktik praktisch selbst zurecht legt, wie es unter Foda passiert sein soll.

Die sportliche Bilanz spricht gegen Foda

Die reinen Zahlen würden ihn als zweiterfolgreichsten Teamchef aller Zeiten ausweisen, hieß es zuletzt, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gab unter Foda Pflichtspiel-Siege gegen Teams, gegen die alles andere auch kaum zu entschuldigen wäre: Nordirland, Slowenien, Nordmazedonien, Lettland, Norwegen, Rumänien, Färoer, Ukraine, Moldawien und Israel – wobei man gegen letztere auch in ein 2:4 und ein 2:5 lief. Nie gab es einen Erfolg gegen ein in der Weltrangliste besser klassiertes Team in einem ernsthaften Match.

Dafür neben den Debakeln in Israel: 0:4 daheim gegen Dänemark, 0:1 in Lettland, 0:1 in Bosnien, 0:1 daheim gegen Schottland - und ein Last-Minute-1:1 gegen eine norwegische C-Elf, weil der Stammkader daheim in Quarantäne gesessen ist.

Der neue ÖFB-Präsident spricht gegen Foda

Offiziell tritt Gerhard Milletich erst am Wochenende sein Amt als neuer ÖFB-Präsident an. Aber schon unmittelbar, nachdem er zu Leo Windtners Nachfolger designiert wurde, ließ er verlauten: "Ich werde Sportdirektor Peter Schöttel und die ÖFB-Sportkommission bitten, sich am Markt nach Alternativen umzusehen!" Auch Windtner hatte sich 2009 mit einer Teamchef-Entlassung (damals von Karel Brückner) praktisch am Tag seines Amtsbeginns eingeführt.

Nachdem Windtner in den letzten vier Jahren seit seiner letzten, beinahe vermasselten Wiederwahl keine Autorität mehr im Verband und in Wahrheit kaum noch etwas zu sagen hatte, wird Milletich bemüht sein, gleich Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Da ist Foda ein willkommener Anlass.

Die Fans sprechen gegen Foda

Die beiden ausstehenden WM-Quali-Spiele gegen Israel (12. November) und Moldawien (15. November, beide in Klagenfurt) haben am Weg zur WM keinerlei Bedeutung mehr, Österreich wird im März im Playoff spielen, völlig egal was nun in Kopenhagen und dann im November noch passiert. Der Kader dafür wird am 2. November bekannt gegeben, dafür ist die Zeit für die Inthronisiserung eines Foda-Nachfolgers zu kurz. In den letzten 50 Jahren dauerte es vom Rauswurf bzw. Rücktritt des alten Teamchefs bis zur Bestimmung durchschnittlich 35 Tage.

Dennoch: Wozu soll man noch warten? "Der ÖFB ist ein Unternehmen mit einem Budget im mittleren zweistelligen Millionenbereich, und wir leben von der Nationalmannschaft. Wenn nur 13.000 Zuseher kommen, dann muss man sich etwas überlegen", sagte NÖFV-Präsident und ÖFB-Präsidiumsmitglied Johann Gartner im Rahmen des Koller-Rauswurfs 2017. Trotz der erfolgreichen EM waren gegen Schottland keine 20.000 Menschen im Happelstadion

Und die Anwesenden hielten mit ihrer breiten Ablehnung gegen den Teamchef nicht direkt hinter dem Berg...

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Autor: Philipp Eitzinger, 11.10.2021