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Dusan Pavlovic in der Red Bull Arena in Salzburg.
Für Dusan Pavlovic steht beim Frauenprojekt von Red Bull Salzburg vor allem eines im Mittelpunkt: die Entwicklung junger Spielerinnen.
Für Dusan Pavlovic steht beim Frauenprojekt von Red Bull Salzburg vor allem eines im Mittelpunkt: die Entwicklung junger Spielerinnen.
Weekend

Dusan Pavlovic: So wurde er Trainer der RB-Salzburg-Frauen

06.03.2026 um 10:09, Yunus Emre Kurt
min read
Dusan Pavlovic über seinen Weg von der Regionalliga zum Frauen-Projekt von Red Bull Salzburg, den überraschenden Anruf und warum Entwicklung für ihn über alle

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Als bei Dusan Pavlovic das Telefon klingelte, war sein Blick eigentlich schon in Richtung Ausland gerichtet. Ein Wechsel nach Bulgarien stand im Raum, ein guter Freund trainierte bei ZSKA Sofia. Doch dann kam der Anruf von Manfred Pamminger und alles änderte sich.

„Ich habe gar nicht gewusst, dass Red Bull Salzburg im Frauenfußball etwas starten möchte“, erzählt der 40-Jährige im Gespräch mit weekend.at. Ein Treffen wurde vereinbart. „Nach zehn Minuten war für mich klar: Das mache ich. Wenn Red Bull Salzburg sich committet, dann richtig.“

Heute, drei Jahre später, ist Pavlovic fixer Bestandteil des Frauenprojekts beim FC Red Bull Salzburg und blickt auf eine intensive Aufbauphase zurück.

Vom Regionalligaspieler zum Projektleiter

Geboren in Serbien, lebt Pavlovic seit zwei Jahrzehnten in Salzburg. Als aktiver Spieler kam er nach Österreich, spielte unter anderem bei Austria Salzburg, Seekirchen, SAK, Wals-Grünau und Puch in der Regionalliga.

Schon früh erkannte er, dass ihn der Trainerberuf reizt. Parallel zur Spielerkarriere begann er mit Ausbildungen und trainierte Nachwuchsteams. Mit 32 Jahren beendete er seine aktive Laufbahn endgültig und arbeitete beim Salzburger Fußballverband in verschiedenen Altersstufen, später auch bei der Landesauswahl. Es folgte die Akademie Ried als U16-Cheftrainer, ehe Red Bull Salzburg anklopfte.

Nachdem ich den Anruf von Manfred Pamminger erhalten hatte, rief ich als Erstes meinen guten Kollegen Saša Ilić an und bat ihn um Rat und er hat mir sofort empfohlen, den Job anzunehmen.

Dusan Pavlovic

Die ersten Schritte im Frauenfußball

Der Start war ein Sprung ins Ungewisse. Mit der ersten U16-Mannschaft betrat man Neuland, sportlich wie strukturell. „Wir wussten selbst nicht genau, wo wir stehen“, sagt Pavlovic rückblickend.

Doch die Ergebnisse sorgten früh für Aufmerksamkeit: Siege gegen Bayern München, ein Erfolg im Slavia-Cup-Finale in Prag, internationale Turniererfahrungen etwa gegen Paris Saint-Germain beim Costa Daurada Cup in Spanien. „Das waren unglaubliche Momente. Wir waren bei vielem die Ersten“, erinnert sich der Trainer.

Im zweiten Jahr folgte der nächste Meilenstein: Meistertitel in der Future League (U20) gleich in der Premierensaison. Parallel bestand eine Kooperation mit Bergheim, wodurch junge Spielerinnen bereits Einsätze in der Bundesliga sammeln konnten.

Der Schritt in die Bundesliga

Vor einem Jahr überschlugen sich die Ereignisse. Nach der Bestellung von Alex Schriebl zum Teamchef übernahm Pavlovic praktisch über Nacht die sportliche Verantwortung in Bergheim. Viele Spielerinnen kannte er da aber bereits aus der U16 oder U20. 

Seit vergangenen Sommer tritt die Mannschaft offiziell als FC Red Bull Salzburg auf. „Seitdem wird anders auf uns geschaut – von Medien, von der Öffentlichkeit“, sagt Pavlovic. Der Fokus bleibe jedoch derselbe: Entwicklung. Und das funktioniert, steht man aktuell im Cup-Halbfinale, ein sportliches Ausrufezeichen.

Dusan Pavlovic beim Fototermin.
Dusan Pavlovic ist seit drei Jahren Teil des Frauenprojekts von Red Bull Salzburg und treibt die Entwicklung des Teams voran.

Klare Spielidee, klare Linie

Red Bull Salzburg steht für Intensität, Energie und proaktiven Fußball, unabhängig vom Geschlecht. „Ich sehe von der Wertigkeit her keinen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen“, betont Pavlovic. „Unser Vorteil war, dass viele Spielerinnen jung zu uns kamen und wenig vorgeprägt waren.“

Seine Trainingsarbeit spiegelt diese Philosophie wider. „So wie wir spielen wollen, so trainieren wir: energiegeladen, dynamisch, intensiv.“ Und ja, manchmal werde es auch lauter. „Konsequenz gehört dazu, nicht als Strafe, sondern als Unterstützung.“

Perspektive für die Region

Der Kern des Projekts bleibt regional. Der Großteil der Spielerinnen aus Bergheim ging mit zu Red Bull Salzburg. Ziel sei es, möglichst vielen Salzburger Mädchen eine Bundesliga-Perspektive zu geben. 

„Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sie sich entwickeln, sportlich und als Persönlichkeiten“, sagt Pavlovic. Viele stehen inzwischen im Nationalteam, für Österreich, Kroatien oder Bosnien. 

Für ihn ist genau das das Besondere: „Wenn man Mädchen mit 13 kennenlernt und sie mit 18 als junge Frauen sieht, passiert nicht nur fußballerisch unglaublich viel. Es entsteht eine Beziehung, die über den Sport hinausgeht.“ Und vielleicht ist genau das der Kern dieses Projekts: Entwicklung, auf und neben dem Platz.

Dusan Pavlovic im Interview

Exklusiv für weekend.at nahm sich Dusan Pavlovic während der Länderspielpause Zeit zum Gespräch.

Herr Pavlovic, können Sie sich bitte kurz vorstellen? 
Dusan Pavlovic: Ich bin 40 Jahre alt, wohne seit 20 Jahren in Österreich, genauer gesagt in Salzburg. Geboren und aufgewachsen bin ich in Serbien. Ich war Fußballspieler und bin als aktiver Spieler nach Österreich gekommen – und auch geblieben. Relativ früh habe ich erkannt, dass mich der Trainerjob extrem reizt. Deshalb habe ich rechtzeitig mit den Trainerausbildungen begonnen und parallel zu meiner Spielerkarriere immer wieder Nachwuchsmannschaften bei den Vereinen trainiert, bei denen ich selbst gespielt habe. Mit 32 Jahren habe ich aufgehört, aktiv Fußball zu spielen. Danach habe ich beim Salzburger Fußballverband als Trainer gearbeitet – in verschiedenen Altersstufen, zunächst in der Vorstufe, später in der Hauptstufe und bei der Salzburger Landesauswahl. Anschließend bin ich zur Akademie Ried gegangen und war dort Cheftrainer der U16. Danach folgte der Schritt zum FC Red Bull Salzburg, wo wir mit dem Frauenfußball gestartet haben. Mittlerweile sind es schon drei Jahre – unglaublich.  

 Wie ist das damals zustande gekommen? Wie war der erste Kontakt? 
Dusan Pavlovic: Der allererste Kontakt kam durch Manfred Pamminger, dem Geschäftsführer der Red Bull Fussball-Akademie. Er hat mich völlig unerwartet angerufen. Ich habe tatsächlich gar nicht mitbekommen, dass manRed Bull im Frauenfußball etwas starten möchte. Er hat mir dann davon erzählt und auch, dass Bernd Winkler Sportchef wird. Ich kannte Bernd noch aus meiner Spielerzeit – wir haben gemeinsam in der Regionalliga gespielt. Auch mit Alex Schriebl, dem damaligen Bergheim-Trainer, gab es Berührungspunkte. Diese Konstellationen haben sich ergeben, wir haben uns zusammengesetzt und in diese Richtung gesprochen. Und dann war sehr schnell klar: Das ist genau der Weg, den ich gehen möchte. 

Wenn Sie die drei Jahre Revue passieren lassen – wie ist die Zeit für Sie verlaufen? 
Dusan Pavlovic: Extrem schnell. Unglaublich spannend. Wir haben sehr viele coole Momente erlebt, weil wir bei vielem, was wir gemacht haben, die Ersten waren. Damals mit der ersten U16-Mannschaft – und gleich im ersten Jahr hatten wir richtig starke Spiele. Zweimal gegen Bayern München U16, beide Spiele gewonnen – einmal in München, einmal im Slavia-Cup-Finale in Prag. Dann der Costa Daurada Cup in Spanien – dort waren wir in der Gruppe mit Paris Saint-Germain. Das waren unglaubliche Erfahrungen, weil wir zu diesem Zeitpunkt selbst noch gar nicht genau wussten, wo wir überhaupt stehen. Wir waren von Beginn an stark regional aufgestellt, mit vielen Mädchen aus Salzburg, die die Möglichkeit bekommen haben, sich im Rahmen dieses Projekts weiterzuentwickeln. Das war richtig cool. Im zweiten Jahr spielten wir erstmals in der Future League (U20) und konnten da gleich die Meisterschaft gewinnen – das war ebenfalls etwas ganz Besonderes. Damals gab es bereits die Kooperation mit Bergheim. Einige unserer 16-jährigen Spielerinnen bekamen Einsätze in der ersten Bundesliga. Viele haben sich unglaublich weiterentwickelt und sind Nationalteamspielerinnen geworden – für Österreich, Kroatien oder Bosnien. Diese Wege als Trainer und als Klub begleiten zu dürfen, ist extrem spannend. Jeder Tag ist intensiv und ereignisreich. Dann kam vor einem Jahr die Übernahme des FC Bergheim, auch weil Alex Schriebl ÖFB-Damenteamchef geworden ist. Ich wurde quasi über Nacht Trainer. Einige Spielerinnen warteten dort schon auf mich, weil ich sie zuvor in der U16 oder U20 trainiert hatte. Seit dem Sommer treten wir offiziell als FC Red Bull Salzburg auf. Dadurch wurde noch einmal anders auf uns geschaut – Medien, Öffentlichkeit, die ganze Fußballszene. Aber wir gehen unseren Weg weiter und stehen in unseren ersten Saison im Cup-Halbfinale. Der Fokus bleibt aber auf der Entwicklung der Spielerinnen. Gerade ist Länderspielpause – ich glaube, zehn oder zwölf Spielerinnen sind mit verschiedenen Nationalteams unterwegs (U19 Österreich, Kroatien, Bosnien). Die Geschichte wächst – und es macht nach wie vor extrem viel Spaß. Ich kann gar nichts besonders hervorheben. Es macht genauso viel Spaß wie damals mit der U16.  

Red Bull Salzburg hat eine klare Spielphilosophie. Wie herausfordernd war es, diese im Frauenfußball umzusetzen? 
Dusan Pavlovic: Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man das bei Jungs oder Mädchen umsetzt. Unser Vorteil war, dass viele Spielerinnen schon früh bei uns waren. Je jünger man ist, desto schneller lernt man neue Inhalte. Unsere Mädchen hatten wenig „Prägung“ aus früheren Systemen – das war ein Vorteil. Wir stehen klar für unsere Spielidee. Es ist unser Job, sie durchzubringen.  

Was unterscheidet euch von anderen Teams in der Liga? 
Dusan Pavlovic: Ganz klar unsere Spielidee. Wir wollen immer Energie auf den Platz bringen, intensiv spielen, vorwärts verteidigen und proaktiv auftreten. Das ist unser Zugang – dafür trainieren wir.  

Wie arbeitet Dusan Pavlovic als Trainer? Wird es auch mal laut? 
Dusan Pavlovic:Ja, es kann laut werden. So wie wir spielen wollen, so trainieren wir: energiegeladen, intensiv, dynamisch, proaktiv. Das bedeutet auch, dass wir als Trainerteam aktiv sein müssen und diese Energie weitergeben. Konsequenz gehört dazu. Wir wissen, wie wir auftreten wollen, deshalb bleibe ich konsequent dahinter – nicht als Strafe, sondern als Unterstützung. Und ja, manchmal wird es lauter.  

Wie viele Spielerinnen sind von Bergheim mit zu Red Bull Salzburg gegangen? 
Dusan Pavlovic: Der Großteil. Wir wollten möglichst vielen Salzburger Mädchen die Chance geben, in der Bundesliga für Red Bull Salzburg zu spielen. Ein oder zwei sind aus beruflichen oder privaten Gründen andere Wege gegangen. Aber wir wollten bewusst viele mitnehmen.  

Wird man künftig noch professioneller auftreten oder stärker auf Transfers setzen? 
Dusan Pavlovic: An unserem Zugang ändert sich nichts. Wir wollen weiterhin Spielerinnen fördern. Natürlich muss man konkurrenzfähig bleiben, aber unser Fokus liegt auf Entwicklung. Es gibt eine klare Durchlässigkeit: U16, U20, erste Mannschaft - das ist das Ziel. Da es Amateurinnen sind, kann es jedoch immer Veränderungen geben – Studium, Job, andere Lebenswege. Aber wir haben genügend junge Talente, die nachrücken.  

Ist geplant, wie im Männerbereich durchgängige Mädchenteams ab 12 oder 14 Jahren zu führen? 
Dusan Pavlovic: Aktuell nicht. Wir sind überzeugt, dass Mädchen möglichst lange mit Burschen spielen sollten, weil die Leistungsdichte dort höher ist. Ab etwa 14 beginnt dann der eigene Weg im Mädchenbereich.  

Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs in Österreich und Europa? 
Dusan Pavlovic: International passiert enorm viel. Große Turniere zeigen starke Zuschauerzahlen. Viele Nationen investieren. Es ist weltweit eine der am schnellsten wachsende Sportarten. Auch in Österreich wird viel unternommen – aber es bleibt auch noch viel zu tun. Man muss konsequent dranbleiben.  

Wie wichtig ist es für Mädchen in der Region, eine Perspektive bis zur Bundesliga zu haben? 
Dusan Pavlovic: Sehr wichtig. Wir stehen auch im Austausch mit dem Verband, um Mädchen früh besser auszubilden. Unser Ziel ist es, ihnen den bestmöglichen Weg zu ermöglichen, damit sie gut vorbereitet bei uns ankommen.  

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? 
Dusan Pavlovic: Ich stehe sechsmal pro Woche am Platz, mit Spiel sowieso. Ich verbringe gerne viel Zeit in der Arbeit (lacht). In meiner Freizeit bin ich eher ruhig unterwegs: spazieren gehen, mit Freunden etwas trinken oder essen, Rad fahren, in der Natur oder am See. Das hilft mir, Energie zu tanken. Ich gehe auch gern ins Gym – Sport gehört bei mir einfach dazu.  

Wie war das damals mit dem Anruf – waren Sie sofort überzeugt? 
Dusan Pavlovic: Das war eine spannende Situation. Ich war gerade dabei, meine Sachen zu sortieren, weil ich möglicherweise nach Bulgarien gegangen wäre – ein guter Freund von mir war Trainer bei ZSKA Sofia. Genau in diesem Moment rief Manfred Pamminger an. Wir vereinbarten ein Treffen. Ich sagte meinem Freund: Ich rede mit ihnen, ich weiß nicht, was passiert. Beim Treffen war mir nach zehn Minuten klar: Das mache ich. Jeder weiß, wenn Red Bull Salzburg sich committet, dann funktioniert es. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl. Und dieses Gefühl habe ich auch heute noch.  

Wo haben Sie selbst gespielt? 
Dusan Pavlovic: Ich habe lange in der Regionalliga Salzburg gespielt – bei Austria Salzburg, Seekirchen, SAK, Wals-Grünau und Puch. Viele Stationen zu haben hat Vor- und Nachteile, aber ich habe viele Vereine und Strukturen kennengelernt. Das hat mir für meine Trainerkarriere sehr geholfen.  

Erinnern Sie sich an das erste Spiel in Saalfelden gegen eine Burschenmannschaft? 
Dusan Pavlovic: Ja, das war sehr aufregend. Wir waren unglaublich stolz auf die Leistung der Mädchen. Gleichzeitig war es für die Burschen sicher nicht einfach, gegen ein Mädchenteam klar zu verlieren. Das entwickelte sich teilweise in eine gewisse Härte, und leider wurde ein Mädchen schwer verletzt. Wir hatten also gemischte Gefühle. Aber im Nachhinein haben sich die Sorgen gelegt. Es wurde normal, gegeneinander zu spielen. Der Start war besonders aufregend.  

Abschließend – was ist Ihnen besonders wichtig? 
Dusan Pavlovic: Wir setzen konsequent auf Entwicklung, auf Salzburger Mädchen und auf die Region. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sie sich entwickeln – sportlich und als Persönlichkeiten. Wenn man sie mit 13 oder 14 kennenlernt und sie mit 17 oder 18 als junge Frauen sieht, ist das etwas Besonderes. Nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich passiert unglaublich viel. Sie kommen mit vielen unterschiedlichen Fragen zu mir. Das zeigt, dass eine Beziehung entsteht, die über den Sport hinausgeht. Und das ist vielleicht das Schönste an diesem Projekt.

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