Initiative von SPORTUNION

In der Realität besteht um die Gleichstellung der Geschlechter im Sport- und Vereinswesen aber immer noch großer Handlungsbedarf. Gezielte Initiativen von SPORTUNION sollen an diesem Punkt ansetzen. 

In der österreichischen und internationalen Sportlandschaft sehen Experten immer noch einen Mangel an Gendergerechtigkeit, den es gezielt zu überwinden gilt. Weibliche Akteure sind sowohl vor- als auch hinter den Kulissen vielfach unterrepräsentiert. Die Bundes-Sportorganisation fordert eine ganzheitliche und nachhaltige Gleichstellung nicht nur im aktiven Spitzen-, Leistungs- und Breitensport, sondern auch im Vereinswesen und in den sozialpolitischen Strukturen, die die Sportbranche auch abseits der Wettkampfschauplätze prägen. Hier ist eine stärkere weibliche Partizipation erforderlich, um langfristig auf allen Ebenen eine Gleichstellung zu erreichen und den Sport in all seinen Facetten zu einer genderunabhängigen Thematik zu machen.

Das weibliche Interesse am Sport wächst

Sport war lange Zeit eine Männerdomäne. Hier weichen die Grenzen aber seit einiger Zeit auf und auch das weibliche Interesse am Sport mit all seinen Aspekten ist gewachsen. Frauen nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des Breitensports und sind auch im Leistungs- und Spitzensport zu wichtigen Akteuren geworden.

Wie ernst es weiblichen Sportfans damit ist, ehemalige Männerdomänen für sich zu erobern, zeig sich unter anderem in den Wettbüros. Sportwetten waren lange den Männern vorbehalten. Spätestens mit dem Aufkommen der Online-Buchmacher hat sich das Blatt gewendet. Die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit und die unkomplizierte Abwicklung haben Sportwetten auch für eine weibliche Klientel interessant gemacht.

Allerdings lassen sich genderspezifische Unterschiede beobachten. Frauen kommt es beim Wetten stärker auf Sicherheit an, sowohl im Hinblick auf Gewinnchancen als auch auf eine sichere Abwicklung ihrer Wette. Deshalb sind seriöse Wettanbieter mit PayPal als Zahlungsoption besonders beliebt. Insgesamt gelten Frauen als die besonneneren Sportwetter. Sie prüfen zunächst das Angebot der Online-Buchmacher per Internetrecherche und vergleichen sorgfältig, bevor sie sich für einen Wettpartner entscheiden. Dies führt dazu, dass die Anzahl an Frauen, die gerne auf sportliche Ereignisse wetten, im Vergleich zu den Männern noch deutlich geringer ausfällt. Das Internetportal fanreport.com verweist in diesem Zusammenhang auf eine Studie, nach der auf 15 wettende Männer nur eine Frau kommt. In Anbetracht des unterschiedlichen Wettverhalten lässt dies aber nur bedingt Rückschlüsse auf das tatsächliche Interesse weiblicher Sportfans an Sportwetten zu.

Eine klassische Männerdomäne scheint immer mehr Raum an ein weibliches Publikum abzugeben. Gezielte Initiativen müssen jetzt den Weg in eine gleichgestellte Zukunft der Sportbranche ebnen.

SPORTUNION-Initiativen bieten zahlreiche Anreize

SPORTUNION, der österreichische Sport-Dachverband, unterstützt seit Jahren die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sportwelt. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der Förderung von Sportlerinnen im Breiten-, Leistungs- und Spitzensport, sondern auch auf der stärkeren Repräsentation weiblicher Akteure im Vereinswesen und in den sport- und soziopolitischen Strukturen des Landes.

„Die SPORTUNION leistet mit mehreren Initiativen einen aktiven Beitrag zur Frauenförderung in Österreichs Sportvereinen“, erklärt Bundesministerin und SPORTUNION-Vizepräsidentin Karoline Edtstadler. „Mit den innovativen Angeboten und Maßnahmen wird die Sichtbarkeit und eine positive Entwicklung im Sinne der Gleichberechtigung innerhalb des Sport- und Vereinswesens gefördert. Wir laden alle Interessierten zu unserer Workshop-Reihe ein, um aktiv mitzuhelfen, das vorhandene Potenzial in diesem Bereich besser zu nutzen und mehr Frauen in Vereine zu holen – insbesondere auch in Führungspositionen. Damit schaffen wir ein wichtiges Fundament für die Zukunft des Sports.“

Der Dachverband des österreichischen Sports wurde von 1999 bis 2006 mit Liese Prokop zum ersten Mal von einer weiblichen Präsidentin repräsentiert. Auch sonst kann sich die Frauenquote der SPORTUNION sehen lassen. Derzeit sind 43 Prozent der Mitglieder weiblich, bei den ehrenamtlichen Akteuren sind es 37 Prozent. Nachholbedarf gibt es im aktiven Sport. Dort gibt es 25 Prozent weibliche Trainer. Die Leitungsorgane im Vereinssport sind zu 15 Prozent weiblich besetzt.

Mit gezielten Fördermaßnahmen will der Sport-Dachverband eine schrittweise Gleichstellung der Geschlechter im Sport- und Vereinswesen herbeiführen. So gibt es beispielsweise den Vereinsbonus, den alle SPORTUNION-Vereine einmal jährlich in Anspruch nehmen können, wenn sie soziale Maßnahmen zur Inklusion, Integration, Gendergerechtigkeit und sozialen Verantwortung umsetzen. Seit 2015 gibt es außerdem das Projekt „Sport respects your rights“, einen Aktionsplan gegen sexualisierte Gewalt im Sport. 2017 wurde das Projekt „Für Respekt und Sicherheit“ ins Leben gerufen. Dabei werden speziell geschulte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für ein respektvolles Klima und ein sicheres Umfeld im österreichischen Vereinssport eingesetzt. Im Herbst 2021 fiel der Startschuss für die neue Workshop-Reihe „Gendergerechtigkeit im Verein“. Auch die Bewerbungsphase für das Gender-Traineeprogramm 2022 läuft bereits.

In Kooperation mit Vertreterinnen und Vertretern von Bund und Ländern wurden ein Leitkonzept zur Frauenförderung, ein Interventionsschema und Darstellungsrichtlinien erarbeitet, nach denen jährlich eine Vergleichsdatenerhebung nach Genderaspekten durchgeführt wird. Begleitend gibt es regelmäßig Schulungen zu genderspezifischen Themen im Sport. 2021 wurde ebenfalls eine neue Förderinitiative des BMKÖS vorgestellt, bei der es neben anderen Themen auch um die Förderung und Gleichberechtigung von Frauen in der österreichischen Sportwelt geht.

100% SPORT Standards

Auch das österreichische Zentrum für Genderkompetenz im Sport leistet einen wertvollen Beitrag für mehr Gleichstellung im Sport- und Vereinswesen. 2021 wurden erstmals die 100% SPORT Standards veröffentlicht, die in Kooperation mit dem österreichischen SAFE SPORT Netzwerk entwickelt und ausgearbeitet wurden.

Im Fokus der 100% SPORT Standards stehen die Themen Safe Sport und Gender Mainstreaming, die unter Berücksichtigung der relevanten Gesetzgebung und internationaler Vorgaben zu Schutz von Menschenrechten und Gleichberechtigung umgesetzt werden sollen. Im Zentrum der Bemühungen stehen insbesondere Kinder und Jugendliche sowie Frauen. Die Zielgruppe sind Sportorganisationen und Vereine, deren männliche und weibliche Akteure durch die Standards bei der Umsetzung entsprechender Richtlinien unterstützt werden sollen.

Die 100% SPORT Standards können unter https://100prozent-sport.at/service/100-sport-standards/ eingesehen werden.

Sport Austria Summit 2021 nimmt Frauen in den Fokus

Der Sport Austria Summit 2021 hat das Thema Frauen im Sport und Gleichstellung zum Schwerpunktthema gemacht. Im Rahmen der Sport Austria Summit Expert:innentagung wurden relevante Zukunftsfragen zur gendergerechten Zusammensetzung der Gremien von Sportverbänden und -vereinen erörtert.

Die Zielsetzung des Sport Austria Summit 2021 besteht darin, ein stärkeres Bewusstsein für die zentralen Fragen der Gleichstellung im Sport- und Vereinswesen zu schaffen:

  • Vereine und Verbände müssen erkennen, dass es neue Chancen für sie bedeutet, wenn sie konkrete Maßnahmen für die Gleichstellung von Frauen umsetzen und gezielt auf Funktionärinnen in den eigenen Reihen setzen.
  • Vereinen und Verbänden müssen konkrete Möglichkeiten aufgezeigt werden, um die Gleichstellung innerhalb ihrer soziopolitischen Strukturen voranzubringen.
  • Vereine und Verbände müssen Frauen aufzeigen, welcher Mehrwert sich für sie bietet, wenn sie sich im Verein engagieren. So können neue Anknüpfungspunkte für die Gleichstellung geschaffen werden.

Die Grundlage der Gespräche bildeten die 100 % SPORT Gender Mainstreaming Standards, auf deren Basis praxisnahe Maßnahmenempfehlungen für Vereine und Verbände entwickelt werden sollen.

Autor: Weekend Online, 16.11.2021