Der harte Kampf der Frauen für den Sport-Olymp

Die olympischen Spiele wie wir sie kennen gibt es bekanntlich seit 1896. Falsch: Nicht wie wir sie kennen. Denn zu dieser Zeit durften Frauen noch nicht an den Spielen teilnehmen. Erst im Jahr 1900, als die Olympischen Spiele im Rahmen der Weltausstellung in Paris abgehalten wurden, durften die ersten Frauen in den Disziplinen Golf und Tennis antreten, insgesamt 17 Athletinnen an der Zahl. Das ist ein Anteil von 2,2 Prozent. Zum Vergleich: Bei den diesjährigen Spielen beträgt der Frauenanteil 48,8 Prozent. Möglich machte dies eine Quote. Doch dass es zu dieser Quote kam, war ein langer Kampf.

Erbitterter Gegner: Pierre de Coubertin

Ausgerechnet der Initiator der Olympischen Spiele, Baron Pierre de Coubertin, war vehement dagegen, dass Frauen an den Spielen teilnehmen durften. 1880 kam ihm – inspiriert durch die damals sehr populären antiken Ausgrabungen – die Idee, die Menschen durch Wettkämpfe im antiken Stil näher zusammenzubringen. Löblich – nur leider waren in seinen Überlegungen Frauen nicht eingeschlossen. Zwar gab er den Spielen das Motto „All Sports, all nations“, alle Geschlechter klammerte er aber rigoros aus. Sogar 1930, mehr als 30 Jahre nach der ersten Teilnahme von Frauen an den Spielen, vertrat er noch immer die Ansicht, dass die Olympischen Spiele männlichen Leistungen vorbehalten sein sollten: „Olympische Spiele sind ein Ausbund männlicher Athletik, und der Beifall der Frauen sind deren Lohn.“ Weitere populäre Argumente gegen die Teilnahme der Frauen waren der befürchtete Sittenverfall sowie der Vorwand, der übermäßige Sport hätte einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frauen.

Frau auf dem Weg nach oben | Credit: iStock.com/kieferpix

Dann eben ohne die Männer

Weder Coubertins Uneinsichtigkeit noch die an den Haaren herbeigezogenen Vorurteile konnten die Frauen davon abhalten, die Olympischen Spiele für sich zu erobern. Kurz nach Golf und Tennis standen auch die Disziplinen Eiskunstlaufen und Schwimmen den Frauen offen. Möglich machten dies mutige Vorkämpferinnen wie Alice Miller, die 1921 selbst eine Art Olympia für Frauen organisierte. 20.000 Zuschauer verfolgten die Spiele. Dies zeigte offenbar Wirkung und brachte das olympische Komitee zum Umdenken: 1928 durften Frauen erstmals auch an Leichtathletik- und Turnwettbewerben teilnehmen.

Der Frauenanteil im olympischen Komitee steigt

Dank mutiger Frauen dürfen Frauen heutzutage in allen Disziplinen antreten, 2012 öffnete sich mit Boxen eine der letzten bis dahin den Männern vorbehaltenen Sportarten bei Olympia. Allerdings muss dazugesagt werden: Für manche Frauen war Olympia bis 2008 ein Tabu. Denn Länder wie Saudi Arabien, Brunei und Katar verboten bis dahin den Frauen die Teilnahme an den Spielen. Erst als das Olympische Komitee mit einem Ausschluss drohte, wurde den Frauen die Teilnahme gestattet.

Dank der neu eingeführten Quote ist der Anteil der weiblichen und männlichen Sportler dieses Jahr nahezu ausgeglichen. Doch wie sieht es bei der Zusammensetzung des Olympischen Komitees aus? Auch hier ist die Entwicklung erfreulich: Waren die letzten Jahre nur rund 20 Prozent der Mitglieder des Komitees weiblich, sind es seit 2020 47,8 Prozent. Ein beeindruckender Anstieg, der zeigt, dass sich die Olympischen Spiele vermehrt um Gleichberechtigung bemühen.

Zur Person

Die aus Südtirol stammende Schriftstellerin Isabel Folie ist Mitglied des intermedialen Kunstkollektiv Grauer Greif. Im Herbst 2021 ist ihr erster lyrischer Kurzprosa-Band "In meiner Mitte Kohle, in meinen Armen der Wind" erschienen. Als "Passion Author" für www.weekend.at schreibt sie regelmäßig über Frauen in der heutigen Gesellschaft.

Autor: Isabel Folie, 30.07.2021