Ex-Bullen-Team ist 460 Millionen wert

Seit Ralf Rangnick 2012 die Federführung bei den Fußballklubs von Red Bull übernommen hat, ist Salzburg zu einem Fließband-Produzenten von Weltklasse-Kickern geworden. Und kein Scherz: Eine Top-11 von Ex-Salzburg-Kickern wäre aktuell sogar wertvoller als die Startformationen des FC Barcelona und Real Madrid. Die Summen von "transfermarkt.at" sind zwar mit ein bisschen Vorsicht zu genießen, aber sie zeigen schon eine klare Tendenz.

Denn die folgende Top-11 kommt auf einen Gesamt-Marktwert von rund 460 Millionen Euro. Zum Vergleich: Jenes Team von Real Madrid, das unter der Woche bei Donetsk gewonnen hat, kommt auf 440 Millionen – und das gegen Dynamo Kiew siegreiche Team des FC Barcelona gar "nur" auf knapp 320 Millionen...

Erling Håland (Dortmund, 150 Millionen Euro Marktwert)

Wie eine Naturgewalt krachte der Norweger 2019 über die Salzburger Gegner herein. Er kam zwar tatsächlich nur 27-mal für die Bullen zum Einsatz, aber die 20 Millionen, die Borussia Dortmund für ihn hinlegte, waren geradezu ein Schnäppchen. Längst ist Håland, der ganz weit oben auf der Wunschliste von Real Madrid steht, ein Vielfaches davon wert.

Sadio Mané (Liverpool, 85 Millionen Euro)

Für 23 Millionen Euro ging 2014 der aus der zweiten französischen Liga entdeckte Senegalese in die Premier League zu Southampton. Als Teil des unaufhaltsamen Angriffs-Quartetts mit Jonatan Soriano, Alan und Kevin Kampl gehörte Mané zum ersten großen Salzburg-Team der Rangnick-Ära. Seit Jahren gehört er gemeinsam mit Mohamed Salah zu den unverzichtbaren Offensiv-Stützen von Liverpool.

Naby Keïta (Liverpool, 32 Millionen)

Wie Mané ist auch Keïta aus Frankreichs 2. Liga zu Salzburg gekommen, wie Mané spielt er heute bei Liverpool. Weil Salzburg 2015/16 schon früh im Europacup ausschied, glänzte er "nur" national – dort aber so sehr, dass er zum Spieler der Saison gewählt und mit einer "Beförderung" nach Leipzig belohnt wurde. Zwei Jahre später spülte er 60 Millionen auf das Red-Bull-Konto. Bei Liverpool gehört er zwar nicht zu den Stars, er hat aber auch viel mit Verletzungen zu kämpfen.

Dominik Szoboszlai (Leipzig, 25 Millionen)

War Erling Håland der Salzburger Champions-League-Star von 2019, gilt dies für Dominik Szoboszlai im Champions-League-Herbst von 2020. Der Offensiv-Alleskönner aus Ungarn wechselte im Winter 2020/21 zu Leipzig, wo er sich gleich mal verletzte und auch die EM verpasst. In dieser Saison soll er aber durchstarten.

Xaver Schlager, Konrad Laimer und Stefan Lainer (Wolfsburg, Leipzig und M'gladbach, zusammen 63 Millionen)

Sofern sie nicht verletzt sind, sind alle drei nicht aus der österreichischen National-Mannschaft wegzudenken! Sie haben die aktive, aggressive und offensive Bullen-DNA von klein auf gelernt und damit punkten sie auch in der deutschen Bundesliga. Ohne Schlager fällt bei Wolfsburg, wie eben gerade beim 1:3 in Salzburg gesehen, alles zusammen. Mönchengladbach hat ohne den EM-Torschützen Lainer auf der rechten Außenbahn nur Notlösungen parat. Und Konrad Laimer hat sich wunderbar von seinem Knochenödem erholt, das ihm so lange zu schaffen gemacht hat.

Dayot Upamecano (Bayern, 60 Millionen)

Als klar wurde, dass sich David Alaba von den Bayern verabschieden würde, waren die Münchner nicht lange auf der suche: Man wachelte mit Geldscheinen im Wert von über 40 Millionen Euro und eiste den Verteidiger von Leipzig los. Dorthin wurde der französische Junioren-Europameister im Winter 2016/17 transferiert, nachdem er sich bei Salzburg durchgesetzt hatte. Bei den Bayern wurde der immer noch erst 22-Jährige sofort bombensicherer Stammspieler, was seinen Marktwert noch weiter in die Höhe getrieben hat.

Martin Hinteregger (Frankfurt, 13 Millionen)

Er ist der wichtigste Mann im Spielaufbau des ÖFB-Teams und auch in Frankfurt genießt "Hinti" Kultstatus. Im Sommer 2016 kassierte Salzburg rund 10 Millionen aus Augsburg für die Dienste des Kärntners, der nunmehr sein viertes Jahr im Eintracht-Trikot absolviert: Immer verlässlich, selten verletzt, eine echte Persönlichkeit auf dem Feld.

Duje Ćaleta-Car (Marseille, 18 Millionen)

2018 scheiterte der kroatische Team-Verteidiger mit Salzburg im Halbfinale der Europa League unglücklich an Olympique Marseille. Zwei Monate später wechselte Ćaleta-Car von Salzburg nach Marseille! Dort gehört er seither zum Stammpersonal. Der 1,92-m-Hüne steht dabei nicht für die technisch feine Klinge, sondern eher für körperliche Präsenz.

Péter Gulácsi (Leipzig, 13 Millionen)

Unaufgeregt und sicher hält der Ungar seit sechs Jahren den Kasten von RB Leipzig sauber. Zwei Jahre davor war Gulácsi schon halb verzweifelt wegen wenig Einsatzzeiten aus England an die Salzach gewechselt, wo seine Karriere so richtig durchstartete.

Noch viele mehr

Seit Ralf Rangnick 2012 Salzburg auf den heutigen Kurs einschwenken ließ, hat alleine Salzburg über 430 Millionen Euro an Ablösen kassiert und andererseits weniger als 130 Millionen Euro ab Ablösen bezahlt. Das sind immer noch 13 Millionen Euro pro Jahr und damit mehr, als sich jeder andere Klub in Österreich leisten kann. Aber das "Return of Investment" bei Salzburg ist brutal. Denn Patson Daka, der gerade vier Tore beim 4:3 von Leicester gegen Spartak Moskau erzielt hat, ist da gar nicht dabei. Ebenso wie Amadou Haidara, Jonatan Soriano, Alan, Kevin Kampl, Munas Dabbur, André Ramalho, Diadié Samassékou, Hannes Wolf, Valon Berisha, Takumi Minamino und zuletzt Enock Mwepu.

Und neben Karim Adeyemi und Brenden Aaronson, die mit Bayern München bzw. dem AC Milan in Verbindung gebracht werden, spielen sich auch Noah Okafor, Mo Camara und Nicolas Seiwald gerade nachdrücklich in internationale Notizbücher. Und wenn sie weg sind, stehen mit Maurits Kjærgaard, Roko Šimić und Forson Amankwah schon die nächsten Talente bereit, um nachzurücken.

Im internationalen Vergleich

Und um die 460 Millionen Gesamt-Marktwert dieser Top-11 der letzten zehn Salzburg-Jahre einzuordnen:  Die Wunsch-Formationen von Bayern München und Liverpool kommen auf 600 Millionen Euro, Manchester City und Paris St. Germain auf über 700 – sie hängen auch die Salzburger Top-11 ab. Aber Real Madrid (440 Millionen), Juventus Turin (400 Millionen), dem FC Barcelona (320 Millionen) bleiben hinter den Ex-Bullen zurück. Und selbst Champions-League-Titelverteidiger Chelsea ist mit 500 Millionen nicht allzu weit entfernt...

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Autor: Philipp Eitzinger, 21.10.2021