Der ÖFB und Rangnick: Was, wenn Manchester ihn rauswirft?

Rio Ferdinand würde Ralf Rangnick, der bei United einen Berater-Vertrag bis 2024 besitzt, das Sprechen auf Pressekonferenzen verbieten. Es wäre vereinsschädigend, ständig auf Missstände im Klub hinzuweisen und sich selbst als Opfer von jahrelangem Chaos im Klub zu inszenieren. "Manchmal ist es schön für Fans, ein wenig Einblick zu bekommen, aber es gibt Informationen, die er nicht preisgeben sollte", bemängelt Ferdinand. Auch Gary Neville, wie Ferdinand eine Klub-Legende bei United, spricht sich für eine Trennung von Rangnick aus: "Die Jobs als Teamchef in Österreich und als Berater von United sind nicht miteinander vereinbar!"

Dass der Klub seit dem Abgang von Kult-Trainer Sir Alex Ferguson ein orientierungsloser Haufen ist, bestätigte einst sogar José Mourinho. "Der zweite Platz mit Manchester United war einer der größten Leistungen meiner Karriere", sagte der achtfache nationale Meister und vierfache Europacupsieger nach seinem Rauswurd vor drei Jahren, "die Leute glauben mir das aber nicht, weil sie nicht wissen, wie es dort hinter den Kulissen zugeht!" Auch diese Aussage hat Ferdinand damals scharf kritisiert, heute sagt er: "Sorry, José - du hattest völlig recht!"

Auch bei Fans untendurch

Seit der Deutsche Anfang Dezember das Trainer-Amt bei United übernommen hat, ist das Team Fünfter in der "Rangnick-Tabelle", immerhin mit einer besseren Bilanz als Chelsea. Aber vor allem das Chaos in der Abwehr (dreimal so viele Gegentore wie Liverpool und Manchester City) stößt den Fans sauer auf. Sie würden Rangnick lieber heute als morgen vom Hof jagen. Tenor: Wenn er schon als Trainer nichts in den Griff bekommen hat, wieso sollten wir dann auf seinen Rat als Berater hören? Die letzten fünf Auswärtsspiele waren eine Katastrophe – 1:4 und 0:4 bei den Titelrivalen City und Liverpool, 0:1 bei Abstiegskandidat Everton, 1:3 bei Arsenal und zuletzt 0:4 in Brighton. All das ist einem erfolgsverwöhnten Klub wie Manchester United absolut unwürdig.

Rangnick selbst verweist auf einen planlos zusammen gewürfelten Kader, der hinten und vorne nicht zusammen passt und der Erfolg verunmöglichen würde. Konkrete Vorschläge blockte der Verein bisher ab, was die Frage aufwirft, ob man sich den unbequemen Rangnick in Hinkunft überhaupt leisten sollte. Zumal mit Ajax-Erfolgstrainer Erik ten Hag ohnehin (wieder mal) ein neuer, hoffnungsvoller Coach im Sommer übernehmen wird.

Ein Problem für den ÖFB?

Und hier kommt der ÖFB ins Spiel. Österreich kann sich Rangnick nur leisten, weil es Rangnick angesichts seines United-Berater-Vertrages billiger machen kann. Und wenn United den Kontrakt zerreißt? Könnte der ÖFB das Gehalt von Rangnick auch alleine stemmen oder würde der 63-jährige Deutsche auch um den für Österreich immer noch sehr teuren Rabatt-Tarif den Teamchef machen?

Der Vertrag beim ÖFB läuft vorläufig bis Ende 2023, bei einer Teilnahme an der EM im Sommer 2024 verlängert er sich bis dorthin. Realistischerweise würden die Engländer Rangnick schlimmstenfalls beurlauben oder ihn einfach kaltstellen, die Vertragslaufzeit bis 2024 also absitzen. Das finanzielle Problem würde für den ÖFB in diesem Fall also erst im Falle einer möglichen Verlängerung über 2024 hinaus schlagend.

Zumindest kann man das aus Sicht des ÖFB nur hoffen...

Autor: Philipp Eitzinger, 12.05.2022