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Gelbe, rote und blaue Karte
Die Blaue Karte soll eine Zwischenstufe zwischen Rot und Gelb werden.
Die Blaue Karte soll eine Zwischenstufe zwischen Rot und Gelb werden.
APA

Regel-Knaller: Schiris wollen Blaue Karte

01.03.2024 um 10:20, Anna Kirschbaum
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Aufregung um neue Spielregeln: Die obersten Fußball-Regelhüter diskutieren über neue Strafen. Eingeführt werden soll eine Blaue Karte mit Zeitstrafen.

Am Wochenende diskutieren die obersten Fußball-Regelhüter die Einführung neuer Modi. Nach dem umstrittenen Video-Beweis könnte der Fußballwelt demnächst die nächste umwälzende Änderung ins Haus stehen: Das International Football Association Board (IFAB) entscheidet über die Einführung einer Blauen Karte.

Wofür gibt es die Blaue Karte?

Die Blaue Karte soll als eine Art Zwischenstufe zwischen einer gelben und einer roten Karte dienen. Gedacht ist sie speziell für jene Fälle, in denen Spieler durch minder schwere Fouls eine klare Torchance verhindern oder Schiris verbal attackieren.

Wann gibt es Platzverweis?

Zwei Blaue Karten sollen ebenso zum Platzverweis führen wie zwei Gelbe. Ebenso kann die Kombination aus einer Blauen und einer Gelben zum Spielausschluss führen.

Wann kommt die neue Karte?

Sollte sich das IFAB für eine Einführung aussprechen, startet die Blaue Karte in eine Testphase. Über ein Jahr wird das neue Instrument dann auf seine Praxistauglichkeit geprüft. Zum Einsatz kommt sie in dieser Zeit in bestimmten Wettbewerben, wie etwa im Jugendbereich. Der englische Verband hat seine Pokalwettbewerbe für den Testlauf angeboten. Vor 2025 wird die Blaue Karte nicht offiziell und verbindlich eingeführt.

Blaue Karte in anderen Sportarten

Im Handball gibt es bereits seit 2016 eine Blaue Karte, die nach einer Roten Karte angezeigt wird. Dort hat sie allerdings eine andere Funktion. Sie zeigt an, dass ein Zusatzbericht folgt, der eine Entscheidung der Disziplinarkommission nach sich zieht.

Reaktionen

Der deutsche Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich hat sich positiv über die Möglichkeit einer Testphase der Blauen Karte geäußert. Er sieht Vorteile in der Beruhigung bei Unsportlichkeiten und bestimmten Fouls, die sich nicht eindeutig einordnen lassen. Allerdings sieht er organisatorische Herausforderungen, etwa die Notwendigkeit zusätzlicher Personen oder einer Strafbank, ähnlich wie im Eishockey.

Die Reaktionen von Trainern auf die vorgeschlagene Blaue Karte sind hingegen überwiegend negativ, mit kritischen Stimmen von Premier-League-Coaches wie Jürgen Klopp, Mauricio Pochettino, Mikel Arteta, Angelos Postecoglou und Eddie Howe.

Auch ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel äußert sich skeptisch zur Einführung der Blauen Karte. "Mich erinnert es an Kinder- und Nachwuchsfußball. In meiner Jugend hat es das gegeben, dass du für zehn Minuten rausgehst. Dann fängst du nach fünf Minuten wieder an, aufzuwärmen, dann schauen alle auf die Uhr", so Schöttel. "Ich persönlich tue mir ein bisschen schwer damit. Ich verstehe den Ansatz, dass man eine Zwischenstufe einschiebt, aber ich kann es mir schwer vorstellen."

Entscheidung dauert

Neben der Blauen Karte könnte auch ein Verfahren gegen Rudelbildungen getestet werden, bei dem nur die Kapitäne beider Teams nach einem Signal des Schiedsrichters mit ihm kommunizieren dürfen. Über die Einführung der neuen Regeln entscheidet das IFAB. Das Gremium besteht aus Vertretern der Verbände von England, Schottland, Wales, Nordirland und der FIFA. Die FIFA hat dabei eine Vetoposition.

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