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Aston Martin Pilot Fernando Alsonso und Chef-Designer Adrian Newey bei der Pressekonferenz.
Adrian Newey will seine Doppelrolle bei Aston Martin beenden.
Adrian Newey will seine Doppelrolle bei Aston Martin beenden.
Andrew Boyers / REUTERS / picturedesk.com

Paukenschlag: Adrian Newey gibt Teamchef-Posten ab

20.03.2026 um 09:38, Weekend Redaktion
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Adrian Newey will bei Aston Martin kürzertreten. Der Stardesigner plant, den Teamchef-Posten abzugeben, der Fokus liegt wieder auf der Technik.

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Adrian Newey: Aston Martin steht vor einer möglichen Neuausrichtung. Der Stardesigner will seinen Posten als Teamchef offenbar mit sofortiger Wirkung abgeben und sich wieder stärker auf die technische Entwicklung konzentrieren. 

Der 67-Jährige hatte die Rolle erst Ende 2024 übernommen. Nun zeigt sich, dass die Doppelbelastung aus Management und Technik schwer zu vereinbaren ist.

Doppelrolle überfordert Newey

Newey übernimmt die Funktion des Teamchefs zusätzlich zu seinem Technikjob, nachdem Martin Whitmarsh im Oktober 2024 den Rennstall verlässt, um Platz für Andy Cowell zu machen. Cowell räumt seinen Posten als Teamchef später ebenfalls. Schon nach zwei Rennen stellt Newey dem Vernehmen nach fest, dass ihn die umfangreichen Managementaufgaben zu sehr von seiner eigentlichen Arbeit abhalten. In der Folge reift bei ihm der Entschluss, die Doppelrolle zu beenden und einen neuen Teamchef zu suchen, der ihn entlastet. Der aktuelle Bolide AMR26 entsteht komplett unter seiner Regie und bereitet Aston Martin in der neuen Saison erhebliche Probleme.

Technische Probleme und Strukturwandel

Sportlich steckt Aston Martin in der neuen Saison in Schwierigkeiten. Der von Newey konzipierte AMR26 bleibt bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück, das Team hat große Probleme mit dem Auto. Zusätzlich bereitet die neue Honda-Werks-Powerunit für 2026 dem Rennstall massive Schwierigkeiten. Parallel zum sportlichen Rückstand gibt es nach dem Saisonstart personelle Konsequenzen. In den vergangenen Monaten müssen vor allem Ingenieure ihren Posten räumen. Die Kombination aus technischem Rückstand, Umbruch in der Struktur und dem hohen Arbeitspensum in der Teamchef-Rolle führt dazu, dass Newey seine Prioritäten neu ordnet. Seine Aufgabe, das Auto schneller zu machen, gerät nach seiner Einschätzung zu sehr in den Hintergrund.

Fokus auf Jonathan Wheatley als möglicher Nachfolger

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Newey als Teamchef richtet sich der Blick vor allem auf Jonathan Wheatley. Der 58-Jährige steht dem Vernehmen nach weit oben auf der Wunschliste Neweys und ist als Nachfolger bei Aston Martin vorgesehen. Wheatley ist derzeit Teamchef bei Audi und bildet dort eine Doppelspitze mit Mattia Binotto, mit der er den Transformationsprozess von Sauber zu einem Audi-Werksteam lenkt. 

Wheatley ist erst seit zehn Monaten bei Audi tätig. Der neu formierte Rennstall kommt gut aus den Startlöchern und holt beim ersten Rennen in Melbourne zwei WM-Punkte. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Wheatley die Absicht hat, das Angebot von Newey anzunehmen. Persönliche Gründe spielen dabei offenbar eine Rolle: Er ist mit seinem Leben in der Schweiz nicht ganz glücklich und zieht es wieder in seine britische Heimat. 

Hinzu kommen enge Verbindungen aus gemeinsamen Zeiten bei Red Bull. Damals ist Christian Horner Teamchef und dritter Mann im Boot neben Newey und Wheatley. Wheatley kümmert sich als Sportdirektor vor allem um das Einsatzteam an der Strecke und genießt im Fahrerlager hohes Ansehen. Ende 2024 verlässt er Red Bull, nach Ablauf einer Arbeitssperre übernimmt er im April 2025 die Aufgabe beim damaligen Sauber-Team, das inzwischen als Audi an den Start geht.

Viele offene Fragen und mögliche Wechselhürden

Der mögliche Wechsel von Wheatley zu Aston Martin ist noch mit vielen Fragezeichen verbunden. Ein neuer Vertrag bei Aston Martin ist für ihn nach aktuellem Stand noch nicht unterschrieben. Zudem ist offen, wann ein Wechsel überhaupt über die Bühne gehen könnte und wie lange Aston Martin warten müsste, bis Wheatley seinen Job antreten darf. 

Führungspersonal in der Formel 1 kann nach einer Kündigung nicht sofort zu einem anderen Team wechseln. Stattdessen muss es ein sogenanntes „Gardening Leave“ einhalten. Dieses bedeutet einen Zwangsurlaub, in dem die betreffende Person von der Arbeit freigestellt ist und keine Informationen zur Konkurrenz mitnehmen soll. Für Audi wäre ein Abgang Wheatleys nach nicht einmal einem Jahr ein herber Rückschlag, der Hersteller müsste sich erneut nach einem Teamchef umschauen.

Zurückhaltende Reaktionen von Audi und Aston Martin

Entsprechend zurückhaltend äußern sich die Beteiligten. Audi teilt mit, man habe die jüngsten Medienberichte zur Kenntnis genommen, es gebe von Herstellerseite derzeit aber kein offizielles Update. Das Unternehmen erklärt, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Aston Martin bezeichnet die Berichte auf Medienanfragen als Gerücht und Spekulation. Das Team betont, man stehe voll hinter Adrian Newey als Managing Technical Partner und Teamchef. Gleichzeitig gilt Neweys Wunsch, sich stärker auf die Technik zu konzentrieren, im Fahrerlager als maßgeblicher Treiber für die laufenden Gespräche über die Teamstruktur in Silverstone.

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