Ein charmanter Weihnachtsfreak

Thomas Brezina outete sich uns gegenüber als passionierter Weihnachtsliebhaber und gewährte uns einen Einblick in sein neues Weihnachtsbuch sowie sein Literaturverständnis, das Kinder zum Lesen animieren soll.
Autor: Stefan Kohlmaier, 06.12.2022 um 10:55 Uhr

Weekend: Wel­che Kind­heitserinne­rungen ver­binden Sie mit Weihnach­ten?
Thomas Brezina: Ich habe Weihnachten stets als schö­nes Familienfest im Sinne ei­nes ursprünglichen Lichter­festes empfunden, das mit ei­ner inneren Einkehr sowie traditionellen Bräuchen ein­herging. Inspiriert von Astrid Lindgrens Kinderbuchreihe „Wir Kinder aus Bullerbü“ habe ich zudem durchge­setzt, dass unsere gesamte Familie um den Weihnachts­baum tanzt – ein Ritual, das wir auch heute noch voll­führen.

Weekend: Sollten wir Tradi­tionen und die Botschaft des Weihnachtsfestes wieder bewusster leben?
Thomas Brezina: Die Ent­scheidung, welche Tradi­tionen und Bräuche man zu Weihnachten pflegen möch­te, ist in meinen Augen eine äußerst individuelle. Wir sollten uns jedoch darum be­mühen, Weihnachten nicht als den größten Stress aller Zeiten wahrzunehmen, son­dern uns Gedanken darüber machen, wie wir es mit gro­ßer Freude und Herzlichkeit gemeinsam feiern können. Außerdem bietet sich die Zeit ideal dazu an, das abge­laufene Jahr Revue passieren zu lassen und auf positive so­wie negative Erlebnisse re­flektiert zurückzublicken.

Weekend: Wie begehen Sie per­sönlich das Weihnachtsfest?
Thomas Brezina: Ich werde so wie jedes Jahr in Wien feiern, wo ein unglaublich großer Weihnachtsbaum unser Wohnzimmer zieren und mit herrlichem Weihnachts­schmuck dekoriert werden wird, was mir persönlich un­gemein wichtig ist. Kulina­risch wird sowohl die öster­reichische als auch die engli­sche Kochkultur hochgehal­ten, weshalb am 24. Dezem­ber Karpfen und tags darauf ein Truthahn auf den Tisch kommt.

 

Als Kind habe ich es durchgesetzt, dass unsere gesamte Familie um den Weihnachtsbaum tanzt." (Thomas Brezina über weihnachtliche Kindheitserinnerungen)

Weekend: Was können Sie uns über Ihr neues Buch erzäh­len?
Thomas Brezina: Nachdem sich meine Bibel in Reimen im vergangenen Jahr zu ei­nem Bestseller entwickelt hatte, wurde ich des Öfte­ren auf ein etwaiges Nach­folgeprojekt der Weih­nachtsgeschichte in Rei­men angesprochen. Da ich Weihnachten liebe, konnte ich dieser Idee so­fort etwas abgewinnen und habe mich dafür eingehen­der mit dem Zuversicht spendenden Wesen der Ad­ventzeit sowie des Weih­nachtsfestes auseinanderge­setzt. Das daraus hervorge­gangene Buch erzählt jedoch nicht nur die Weihnachtsge­schichte, sondern auch von dem ersten Adventkranz, dem authentischen Nikolaus oder der Bedeutung des Weihnachtsbaums.

Weekend: Wie gestaltete sich die Kooperation mit Reli­gionspädagogen und dem Wiener Dompfarrer?
Thomas Brezina: Ich gehöre zwar keinem offiziellen Glau­ben an, was allerdings nicht bedeutet, dass ich ungläubig wäre. Ich habe den Gedankenaustausch mit Toni Faber, im Zuge dessen wir uns ge­genseitig viele neue Perspekti­ven eröffnet haben, folglich immer sehr geschätzt. Durch die Integration der Experten des katholi­schen Schulamtes wurde die inhaltliche Richtig­keit der Erzählungen gewährleistet.

Weekend: Gibt es eine Weih­nachtsgeschichte, die Sie besonders berührt hat?
Thomas Brezina: Charles Dickens’ Weihnachtsge­schichte gilt für mich bis heute als eines der größten und sensibelsten literari­schen Meisterwerke.

Thomas Brezina, der Jeans sowie ein blau-weiß-gestreiftes Sakko trägt, und auf Treppenstufen vor einem Hauseingang sitzt

Weekend: Ist es heut­zutage schwerer, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern? ­
Thomas Brezina: Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, wurde bereits die Lesefaulheit der Kinder sowie ihre Hinwendung zum Fernsehen beklagt. Heute stehen die digitalen Medien im Fokus dieser Kritik. Fakt ist: Den Menschen steht heute eine bunte Palette an Möglichkeiten zur Verfügung, um sich zu unterhalten und Geschichten zu erleben, wozu auch Bücher zählen. Umso entscheidender ist es somit, auf potenzielle Leser zuzugehen und sich Gedanken darüber zu machen, wie diese am besten erreicht werden können. Mir war es immer ein Anliegen, dass Kinder meine Bücher gut und leicht lesen können. In der neuen Tom Turbo – Lesestark – Reihe arbeiten wir daher mit einer ausgefeilten Kombination aus Bild und Text, wodurch das Lesen schnell zu einem Vergnügen wird. Außerdem ist es unabdingbar, über Themen zu schreiben, die Menschen berühren – das gilt übrigens im selben Maße für die Erwachsenenliteratur.

Weekend: In letztere fallen auch Ihre Sisi-Krimis. Was fasziniert Sie an der ehemaligen Kaiserin von Österreich?
Thomas Brezina: Sie war eine sehr rebellische Frau, der weder das Klischee des süßen Mädchens noch der ewig trauernden Kaiserin gerecht wurde. Vielmehr lehnte sie sich insbesondere in den Jahren 1865 bis 1868, in denen meine Geschichten angesiedelt sind, äußerst provokant gegen viele gesellschaftliche Konventionen auf. So trug sie etwa ein Tattoo und rauchte in der Öffentlichkeit. Diese Widerspenstigkeit, gepaart mit ihrer umfassenden Bildung und ihrem Schönheitskult, macht ihren Mythos für mich so spannend.

Mir war es immer ein Anliegen, dass alle Kinder meine Bücher gut und leicht lesen können. (Thomas Brezina über sein Erfolgsrezept als Kinderbuchautor)

Weekend: Welche literarischen Projekte planen Sie für die Zukunft?
Thomas Brezina: Ich möchte zunächst auf ein Buch hinweisen, das in diesem Herbst erschienen ist und mir ebenfalls sehr am Herzen liegt. Die Geschichte der Erde in Reimen erzählt auf verständlich amüsante Weise von der Entstehung unseres Planeten vom Urknall bis zur Gegenwart. Im Jänner des kommenden Jahres wird ferner mein 600. Buch erscheinen, was gebührend gefeiert werden wird, zu dem ich jedoch noch nicht mehr verraten möchte, als dass es ein Erwachsenenbuch sein wird.