LaFee im Interview: „Über Hater kann ich nur lachen“

Hast du ein schlechtes Gewissen, dass du damals einen Virus herbeigewünscht hast?
Nein, das habe ich natürlich nicht (lacht). Es konnte ja niemand wissen, dass so etwas passiert. Ich glaube, auch Juli wussten damals bei dem Song „Perfekte Welle“ noch nicht, dass es kurz darauf in Haiti einen Tsunami geben würde.

Warum hast du dich gerade jetzt für ein Comeback entschieden, wo die Lage für Künstler nicht die einfachste ist?
Da stelle ich gleich die Gegenfrage, warum eigentlich nicht? Den absoluten perfekten Zeitpunkt gibt es sowieso nie. Natürlich ist es blöd, dass man momentan keine großen Live-Konzerte machen kann, aber dafür kann man sich auf andere Dinge konzertieren. Die Musik hat Zeit, langfristig zu wirken. Damit steigt auch die Vorfreude. Bei den ersten Konzerten können die Fans dann schon richtig mitsingen.

Neuer Look, neue Musikrichtung – warum bist du trotzdem bei deinem alten Künstlernamen LaFee geblieben? Und wie bist du ursprünglich auf diesen Namen gekommen?
Es war für mich nie eine Option, meinen Künstlernamen abzulegen und als Christina zurückzukehren. Ich bin stolz auf das, was ich als 15-Jährige erreicht habe und schaue gerne auf das zurück. Das ist alles mit diesem Namen verbunden. Ich war auch damals schon ein kreativer Kopf und wollte etwas mit dem Wort „Fee“ machen. Das ist ein Name, mit dem man spielen kann: gute Fee, böse Fee. Leider gab es schon eine Berliner Band mit diesem Namen. Deshalb bin ich dann das ganze Alphabet durchgegangen und habe die Buchstaben vor Fee gesetzt und so ist dann irgendwann die Kreation LaFee entstanden.

Hast du auch das Logo dazu selbst designt?
Mit einer Tätowiererin gemeinsam, ja. Es gibt sogar einige Fans, die sich das Zeichen wirklich tätowieren haben lassen – zwar nicht im Gesicht, aber schon auf sichtbaren Stellen. Ich finde es zwar schön, wenn die Fan-Liebe unter die Haut geht, aber dabei sollte es schon in erster Linie um Musik gehen.

Dein neues Album „Zurück in die Zukunft“ besteht vorwiegend aus Liedern der 80er und 90er. Was gefällt dir so an dieser Musik?
Es ist eine Musikrichtung mit Herz. Damals ist man noch mit echten Instrumenten ins Studio gegangen und hat nicht alles mit einem Synthesizer gemacht. Es ist einfach eine lebendige Musik mit einem besonderen Charme und Wert.

Schreibst du auch eigenen Songs oder möchtest du bei Cover-Versionen bleiben?
Ich schreibe auch selbst. Auf meinem Handy gibt es unzählige Notizen mit Textideen und Aufnahmen von mir beim Singen. Für den Neustart habe ich mir aber ganz bewusst ausgesucht, Cover zu singen. Ich habe da ganz viel Vertrauen in meinen Produzenten Christian Geller gelegt, um den passenden Sound zu finden und die Lieder auszuwählen, die ich neu interpretieren möchte.

Einer deiner neuen Songs ist „Rock me Amadeus“ im Duett mit Falco. Das ist ganz schön gewagt. Wie ist denn das bisherige Feedback dazu?
Gemischt. Manche haben gemeint, es gefällt ihnen besser als das Original. Andere finden es übertrieben. Und wieder andere meinen, das geht gar nicht. Aber so etwas hat man sowieso immer. Auch im normalen Leben gibt es Menschen, die einen halt einfach nicht mögen. Meine Intention war es nie, besser als das Original zu sein, sondern Falco einfach weiterleben zu lassen und seine Musik ins Heute zu holen. Es ist eine Hommage an ihn. Wir haben dafür auch eng mit den Erben zusammengearbeitet. Die Erlöse aus dem Lied kommen außerdem der „Falco Privatstiftung“ zugute, die österreichische Nachwuchskünstler unterstützt.

Hilft dir deine bisherige Erfahrung als Musikerin auch dabei, mit Hasskommentaren umzugehen?
Ja, schon. Ich musste da früh reinwachsen. Natürlich habe ich mich damals über so manches geärgert und gefragt, warum Menschen so gemeine Sachen von sich geben. Mit den sozialen Medien ist das mittlerweile noch schlimmer geworden. Aber ich habe die Reife, so etwas nicht an mich heranzulassen. Diejenigen, die solche Kommentare hinterlassen, verstecken sich hinter ihrer Anonymität im Netz. Ich glaube kaum, dass sie mir dieselben Sachen ins Gesicht sagen würden. Aber ich kann über die Hater einfach nur lachen. Ich nehme das sogar als Kompliment, dass sie sich so viel Zeit nehmen, um sich mit mir zu beschäftigen, sich meine Lieder anzuhören und dann auch noch etwas darüber zu schreiben.

Du scheinst allgemein sehr positiv auf deine Erfahrungen, die du in der Vergangenheit gemacht hast, zurückzublicken. Würdest du dich denn auch noch einmal für den Playboy ausziehen?
Also wenn das Angebot kommt, würde ich es vielleicht sogar noch einmal machen. Es war eine coole Erfahrung und ich stehe auch dazu. Aber andererseits denke ich mir, wofür es gut wäre. Ich habe bereits schöne Bilder, auf die ich stolz bin.

Autor: Teresa Frank, 02.09.2021