„Kitz“-Star Valerie Huber im Interview

Du hast deine ersten Lebensjahre in Afrika verbracht und danach auch in den USA, Deutschland, England und Österreich gelebt. Wo fühlst du dich zuhause?
Das wusste ich ganz lang nicht. Ich habe immer gesagt, ich bin überall daheim, weil ich mich an neuen Orten total schnell wohlfühle. Aber mittlerweile muss ich schon sagen, dass es Österreich ist. Meine Eltern wohnen jetzt in der Steiermark, dort verbringe ich auch viel Zeit.

Mit „Klammer – Chasing the Line“ und der Netflix-Serie „KITZ“ bist du ja in letzter Zeit in sehr vielen Produktionen rund um den Ski-Zirkus zu sehen. Welche Beziehung hast du persönlich zum Skifahren?
Ich bin ein totales Schneehaserl (lacht). In den USA bin ich sogar Rennen gefahren, von 12 bis 18. Auch die Ausbildung zur Skilehrerin habe ich, genau wie mein Papa, absolviert. Wir sind eine totale Skifahrerfamilie. Und ich schaue auch jedes Skirennen, wie es sich für eine Österreicherin gehört! (lacht)

Und was verbindest du mit Kitzbühel?
In Kitzbühel selbst war ich vor dem Dreh der Serie „KITZ“ noch gar nie. Es hat mir aber sofort irrsinnig gut gefallen. Als erstes kommt mir natürlich das Hahnenkammrennen in den Sinn, da würd ich auch sehr gerne mal hin!

Dein Charakter in „KITZ“ ist eine Influencerin und Social-Media-Star. Wie stehst du denn persönlich zu den sozialen Medien?
Es ist ein schwieriges Thema. Einerseits brauche ich Social Media natürlich für meinen Beruf. Und ich nutze es auch, um wichtige sozialkritische und politische Themen anzusprechen. Das ist mir sehr wichtig. Aber ich fürchte, die Nachteile von Social Media sind mittlerweile viel größer als die Vorteile. Wie die jungen Mädchen darauf reagieren und welche Idealbilder sie dort vorgelebt bekommen, ich finde, das ist eine furchtbare Entwicklung. Ich glaube dieser ständige Vergleich ist wirklich sehr gefährlich. Es sollte klarer gekennzeichnet, was retuschiert und nicht echt ist.

„Kitz“ mit Valerie Huber auf Netflix

Was man schon auf deinem Instagram-Profil sieht, sind Postings zum Thema Klimaschutz. Wie lässt sich Klimaschutz und Skifahren miteinander vereinen?
Natürlich ist Skifahren nicht das Beste für das Klima, das stimmt. Dafür habe ich aber beispielsweise kein Auto, versuche so viel wie möglich mit dem Zug zu fahren und nicht zu fliegen. Ich esse kein Fleisch, weil ich es umwelttechnisch nicht mehr vertretbar finde. Deshalb erlaube ich es mir, ab und zu Skifahren zu gehen.

Hattest du viel Kontakt mit Franz und Eva Klammer, um dich besser in deine Rolle in „Chasing the Line“ hineinzuversetzen?
Es ist natürlich etwas anderes, wenn man einen echten Menschen verkörpern soll. Ich habe das davor noch nie gemacht und es war eine ganz neue Herausforderung. Ein paar Monate vor Drehbeginn waren wir in Wien bei den Klammers zum Kaffee eingeladen, was sofort sehr entspannt und familiär war. Eva hat mir dann ganz offen Einblick gewährt in ihr Privatleben, wie das damals war und ihr Kennenlernen verlaufen ist. Es war echt ein schönes Gespräch von Frau zu Frau. Der Regisseur wollte eine bodenständige, sympathische und authentische Figur und diese Vorstellung habe ich versucht umzusetzen. Und das ist sie wirklich - so eine coole, entspannte, natürliche Frau!

Waren die beiden auch zufrieden mit eurer Darstellung?
Ja, ich denk schon! Nachdem sie die letzten Jahre ja schon ein paar Drehbücher und Konzepte von verschiedenen Produktionsfirmen abgelehnt hatten, waren sie schlussendlich schon sehr happy mit dem Ergebnis! Aber da müssen sie sie fragen. (lacht)

Valerie Huber in „Chasing the Line“

Möchtest du dich in Zukunft eher auf den deutschsprachigen Markt konzentrieren oder könntest du dir auch eine Karriere in Hollywood vorstellen?
Ich hatte es zwar immer im Hinterkopf, es auch dort einmal zu probieren, aber – man muss das ganz nüchtern betrachten – es ist wirklich unrealistisch, dort als österreichische Schauspielerin zu arbeiten. Da gehst du zu einem Casting mit 20 Mädchen, die alle aussehen wie du und hundertmal besser spielen! Und man müsste wirklich ganz von vorne anfangen; hier habe ich in den letzten Jahren einfach schon viele Erfahrung sammeln können.

Welche Projekte sind für 2022 geplant?
Nächstes Jahr erscheint eine Serie auf ARD – ein Beziehungsdrama, ganz spannend. Mit Andreas Schmied, dem Regisseur von „Klammer“, werde ich außerdem einen weiteren Film drehen. Darin soll es um die Korruption und die politische Landschaft in Österreich gehen – ein Thema, was bei uns ja gerade hochaktuell ist!

Bei der Filmpremiere zu „Chasing the Line“ hast du deine Beziehung mit Paul Pizzera öffentlich gemacht. Darf man fragen, wie ihr euch kennengelernt habt?
Ganz klassisch kann man sagen beim Dreh zu seinem Musikvideo „Frmdghn“. Da hat er mich – oder zumindest seine Organisation – gebucht und wir haben uns kennengelernt.

Er ist Musiker und Kabarettist, du Schauspielerin. Das sind Jobs, bei denen man viel unterwegs ist. Wie schafft ihr es, euch da trotzdem ausreichend Zeit füreinander zu nehmen?
Wir haben das bisher gut geregelt. Momentan ist durch Corona natürlich weniger los und wir hatten wir viel mehr Zeit miteinander, was sehr schön war. Das wird nicht immer so sein. Wenn ich einen Dreh habe, kann es schon sein, dass ich mehrere Wochen unterwegs bin. Wir versuchen aber, uns gegenseitig so gut wie möglich zu begleiten. Ich fahre dann auch zu Konzerten und Auftritten von ihm mit. Man muss sich eben einstellen aufeinander. Wir haben da eine super Balance gefunden.

Würde sich da nicht ein gemeinsames Projekt anbieten?
Mal sehen was kommt würde ich sagen! (lacht) Wir sind aber beide experimentierfreudig und probieren generell gerne alles aus.

Autor: Teresa Frank, 04.01.2022