Melissa Naschenweng: „Die Polarisierung hat drastisch zugenommen.“

Weekend: Was kannst Du uns über Dein neues Album Bergbauernshow, das am 10.12.2021 erscheint, erzählen?
Melissa Naschenweng: Es ist mein erstes Livealbum und wurde spontan während eines Konzerts in Kufstein vor über 7.000 Besuchern aufgenommen. Es hat die Stimmung dieses besonderen Auftritts, der auch mich emotional tief berührt hat, unverfälscht eingefangen. Außerdem soll es die Wohnzimmer meiner Fans mit einem Hauch dieser spektakulären Atmosphäre, die nur ein Livekonzert erzeugen kann, erfüllen.

Weekend: Wie erklärst Du Dir Deinen anhaltenden Erfolg bei Fans und Kritikern?
Melissa Naschenweng: Ich denke, er ist vor allem auf meinen authentischen Charakter sowie meine Bodenständigkeit zurückzuführen. Ich habe mich beispielsweise nie für etwas Besseres gehalten oder meine Wurzeln verleugnet. Zudem bin ich mir selbst und dem Wert Ehrlichkeit, den mir meine Eltern vermittelt haben, immer treu geblieben. In meinen Liedern greife ich ferner bevorzugt Themen auf, die den meisten Menschen aus ihrem alltäglichen Leben bekannt vorkommen. Darüber hinaus versuche ich auch Meinungen, die von meiner Sichtweise abweichen, gelten zu lassen sowie das Motto „leben und leben lassen“ zu beherzigen.

Weekend: Wie kann Musik dazu beitragen, die unlängst von Dir beklagte Spaltung der Gesellschaft zu überwinden?
Melissa Naschenweng: Die Polarisierung unserer Gesellschaft hat leider drastisch zugenommen. Viele Menschen sind momentan mit Musik außerdem schwer zu erreichen, da sie sich mit den unterschiedlichsten Sorgen konfrontiert sehen. Für mich ist es daher der richtige Weg, mich vorerst auf meine Arbeit im Studio zu fokussieren, da ich für keine Seite Partei ergreifen und dadurch den Spaltungsprozess zusätzlich vorantreiben möchte. Ferner möchte ich auch keine Gruppe meiner Fans von meinen Veranstaltungen ausschließen, da ich ihnen allen meinen Erfolg zu verdanken habe. Ich betrachte es auch kritisch, wenn Künstler Impfempfehlungen aussprechen. Diese persönliche Entscheidung sollte jede Person nach Rücksprache mit ihrem Arzt treffen.

Melissa Naschenweng steht mit einer Motorsäge in der Hand auf einem gefällten Baumstamm

Weekend: Teilst Du Monika Grubers Befürchtung, dass die Lockdowns das Interesse des Publikums an Liveveranstaltungen schwinden lassen könnten?
Melissa Naschenweng: Nein, diesbezüglich habe ich deutlich andere Erfahrungen gesammelt. Ich war von Mai bis Ende Oktober nahezu durchgängig auf Tour und habe fast überall vor ausverkauften Rängen gespielt. Außerdem bin ich der Meinung, dass der Drang nach gemeinschaftlichen Erlebnissen mit dem Ende der Pandemie stärker als jemals zuvor ausgeprägt sein wird. Vor allem unter den Jüngeren, die nicht so angstbehaftet mit der Coronathematik umgehen.

Weekend: Wie wichtig ist es derzeit für Musiker, über eine loyale Fangemeinde zu verfügen?
Melissa Naschenweng: Eine treue Fanbase ist generell von unschätzbarem Wert. In der aktuellen Situation bin ich jedoch besonders dankbar für meine zahlreichen Unterstützer. Ich wüsste nicht, wie ich diesen Ausnahmezustand ohne sie überstehen würde. Da man sich seine Fangemeinde allerdings fast ausschließlich über Liveauftritte aufbauen kann, haben es viele junge Kollegen, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen, augenblicklich sehr schwer.

Weekend: Was bedeutet Dir die Verleihung des großen Ehrenzeichens des Landes Kärnten?
Melissa Naschenweng: Ich habe mich sehr über diese mir entgegengebrachte Wertschätzung gefreut und ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Aufgrund meiner ausgesprochen starken Heimatverbundenheit ist es mir eine Herzensangelegenheit, Kärnten im Ausland von seiner schönsten Seite zu zeigen. Ich produziere daher auch alle meine Videos, die Millionen von Klicks generieren, in meinem heimatlichen Umfeld. Viele meiner deutschen und Schweizer Fans werden dadurch zu einem Kärntenurlaub animiert, da sie die traumhaften Schauplätze in natura bewundern möchten.

Melissa Naschenweng sitzt auf einem Wassertank vor einer Bergbauernhütte

Weekend: Was dürfen Deine Fans von Deiner neuen Trachtenkollektion erwarten?
Melissa Naschenweng: Die rosarote Lederhose, die in Fankreisen bereits Kultstatus genießt, ist nun endlich auch käuflich zu erwerben. Darüber hinaus habe ich in Zusammenarbeit mit der Zillertaler Trachtenwelt ein buntes Sortiment an hochwertigen Kleidungsstücken kreiert, die auch persönlich gerne trage

Weekend: Was hältst du in naher Zukunft für deine Fans parat?
Melissa Naschenweng: Das kommende Jahr ist beinahe vollständig durchorganisiert. Derzeit befinden sich unzählige neue Lieder im Entstehen. Des Weiteren bereite ich mich auf diverse Fernsehauftritte vor, plane eine noch geheime Highlight-Veranstaltung und arbeite an der Umsetzung eines gemeinsamen Konzertes mit Helene Fischer, das für mich einem Ritterschlag gleichkäme.

Autor: Stefan Kohlmaier, 03.12.2021