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Forensiker untersuchen ein Massengrab mit menschlichen Überresten von Opfern des Massakers von Srebrenica.
Massaker von Srebenica: Im Juli 1995 wurden rund 8.000 bosniakische Männer und Buben ermordet.
Massaker von Srebenica: Im Juli 1995 wurden rund 8.000 bosniakische Männer und Buben ermordet.
APA-Images / AFP / ODD ANDERSEN

Ratko Mladić größtes Verbrechen: Was 1995 in Srebrenica geschah

27.08.2026 um 15:52, Stefanie Hermann
min read
Ratko Mladić ist tot. In Srebrenica wurden 1995 rund 8.000 Männer und Buben ermordet. Welche Rolle Mladić beim Völkermord spielte.

Der Tod von Ratko Mladić rückt eines der schwersten Verbrechen des Bosnienkriegs erneut in den Mittelpunkt: das Massaker von Srebrenica. Im Juli 1995 sind in Srebrenica und Umgebung rund 8.000 muslimische beziehungsweise bosniakische Männer und Buben ermordet worden. Mladić wurde für den Völkermord sowie weitere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Srebrenica auf einen Blick

  • Ort: Srebrenica und Umgebung, Bosnien und Herzegowina
  • UN-Schutzzone: seit 1993
  • Einnahme von Srebrenica: 11. Juli 1995
  • Opfer: rund 8.000 bosniakische Männer und Buben
  • Vertriebene: rund 30.000 Menschen
  • Verantwortliche Truppen: Armee der Republika Srpska
  • Oberbefehlshaber: Ratko Mladić
  • Juristische Einstufung: Völkermord
  • Urteil gegen Ratko Mladić: lebenslange Haft

Srebrenica war eine UN-Schutzzone

Srebrenica liegt im Osten von Bosnien und Herzegowina und war während des Bosnienkriegs Zufluchtsort für zahlreiche bosniakische Vertriebene. 1993 erklärte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Enklave zur UN-Schutzzone. Der Schutz erwies sich jedoch als unzureichend.

Im März 1995 ordnete der damalige Präsident der Republika Srpska, Radovan Karadžić, mit der sogenannten Direktive 7 an, für die Bewohner von Srebrenica eine Situation völliger Unsicherheit und Perspektivlosigkeit zu schaffen. Anfang Juli starteten die bosnisch-serbischen Streitkräfte unter General Ratko Mladić schließlich die Offensive „Krivaja 95“. Am 11. Juli 1995 fiel Srebrenica.

Ratko Mladić und das Massaker von Srebrenica

Nach der Einnahme der Stadt suchten Tausende Menschen Schutz rund um das Gelände der Vereinten Nationen im nahe gelegenen Potočari. Andere versuchten in einer großen Kolonne zu Fuß in Richtung des von bosnischen Regierungstruppen kontrollierten Tuzla zu fliehen.

In Potočari begannen bosnisch-serbische Soldaten, Männer und Buben von Frauen und Kindern zu trennen. Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden mit Bussen aus der Enklave gebracht. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden insgesamt etwa 30.000 Menschen gewaltsam aus Srebrenica vertrieben.

Für Tausende Männer begann dagegen eine systematische Mordaktion. Männer aus Potočari sowie Menschen, die auf der Flucht gefangen genommen worden waren oder sich ergeben hatten, wurden festgehalten und zu verschiedenen Hinrichtungsorten transportiert. Bereits am 12. und 13. Juli kam es zu Erschießungen. Am 14. Juli wurden Tausende Gefangene unter anderem zu zwei großen Feldern nahe Karakaj gebracht und dort ermordet.

Chronologie: Was geschah in Srebrenica?

1993: Srebrenica wird UN-Schutzzone

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt Srebrenica zur UN-Schutzzone. In der Enklave suchen zahlreiche bosniakische Vertriebene Schutz.

März 1995: Direktive 7

Der Präsident der Republika Srpska, Radovan Karadžić, ordnet mit der sogenannten Direktive 7 an, für die Bewohner von Srebrenica eine Situation völliger Unsicherheit und Perspektivlosigkeit zu schaffen.

Anfang Juli 1995: Offensive beginnt

Bosnisch-serbische Streitkräfte unter General Ratko Mladić beginnen die Offensive „Krivaja 95“ gegen die Enklave.

11. Juli 1995: Srebrenica fällt

Die bosnisch-serbischen Truppen nehmen Srebrenica ein. Tausende Menschen fliehen nach Potočari oder versuchen, zu Fuß Richtung Tuzla zu gelangen.

12. und 13. Juli: Männer und Buben werden getrennt

Bosnisch-serbische Soldaten trennen Männer und Buben von Frauen und Kindern. Tausende Menschen werden aus der Enklave vertrieben. Gleichzeitig beginnen Erschießungen.

Ab 14. Juli: Tausende Gefangene werden ermordet

Gefangene werden zu verschiedenen Hinrichtungsorten gebracht. Innerhalb weniger Tage werden in und um Srebrenica rund 8.000 bosniakische Männer und Buben ermordet.

Innerhalb einer Woche werden rund 8.000 Menschen ermordet

Innerhalb weniger Tage sind in und um Srebrenica rund 8.000 bosniakische Männer und Buben ermordet worden. Die Vereinten Nationen bezeichnen das Massaker als die größte Gräueltat in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Opfer wurden an verschiedenen Orten erschossen und anschließend in Massengräbern verscharrt. Internationale Strafverfahren haben dokumentiert, dass an Hinrichtungsorten teilweise bereits Bagger und andere Maschinen bereitstanden, um die Leichen in Massengräbern zu beseitigen.

Später wurden Leichen aus ursprünglichen Gräbern ausgegraben und teilweise in andere Gräber umgebettet. Bis heute sind nicht sämtliche Opfer identifiziert.

Ratko Mladić in Militäruniform und Schirmmütze während des Bosnienkriegs.
Ratko Mladić ist tot: Der verurteilte Kriegsverbrecher ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

Welche Rolle spielte Ratko Mladić?

Ratko Mladić war Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska. Das Haager Tribunal stellte in seinem Urteil fest, dass er an einem gemeinsamen kriminellen Vorhaben beteiligt war, die bosnisch-muslimische Bevölkerung aus Srebrenica zu beseitigen.

Nach den Feststellungen des Gerichts bestand das Ziel darin, Männer und Buben zu töten und Frauen, kleine Kinder sowie ältere Menschen gewaltsam aus der Enklave zu entfernen. Bereits im März 1995 hatte Mladić Befehle für eine strategische Operation gegen die Enklave unterzeichnet.

Warum Srebrenica juristisch als Völkermord gilt

Für die juristische Bewertung ist entscheidend, dass die Tötungen nicht lediglich als einzelne Kriegsverbrechen eingestuft worden sind. Internationale Gerichte stufen den Massenmord in Srebrenica als Völkermord ein.

Der Internationale Gerichtshof kam 2007 zu dem Ergebnis, dass die Taten mit der spezifischen Absicht begangen wurden, einen Teil der bosnisch-muslimischen Bevölkerungsgruppe zu vernichten. Damit erfüllten die Verbrechen die Voraussetzungen des Völkermords.

Der Gerichtshof stellte zugleich fest, dass der Völkermord nicht dem serbischen Staat selbst zugerechnet werden konnte. Serbien habe jedoch seine Verpflichtung verletzt, den Völkermord zu verhindern. Serbien hatte zudem gegen seine Verpflichtungen verstoßen, Mladić an das UN-Tribunal zu überstellen.

Auch Belagerung von Sarajevo Teil der Verbrechen

Srebrenica ist nicht das einzige Verbrechen, für das Ratko Mladić verurteilt wurde. Unter seiner militärischen Führung haben bosnisch-serbische Truppen Sarajevo über Jahre belagert. Das Haager Tribunal stellte fest, dass Mladić maßgeblich an einer Kampagne aus Artilleriebeschuss und gezielten Scharfschützenangriffen auf die Zivilbevölkerung beteiligt war. Das Ziel dieser Kampagne war laut Urteil, Terror unter den Menschen in Sarajevo zu verbreiten.

Für die Bevölkerung bedeutete die Belagerung einen Alltag in permanenter Gefahr. Menschen wurden auf Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Wasserholen, auf Märkten und sogar bei Begräbnissen beschossen. Kinder gerieten beim Spielen oder auf dem Weg durch die Stadt ins Visier von Scharfschützen. Gleichzeitig fehlten immer wieder grundlegende Dinge wie Wasser, Strom, Gas und Lebensmittel.

Zu den verheerendsten Angriffen zählt der Beschuss des Markale-Marktes am 5. Februar 1994. Eine Granate tötete 68 Menschen, mehr als 140 wurden verletzt. Nahezu alle Opfer waren Zivilisten.

Die Angriffe dauerten von 1992 bis 1995. Mehr als 10.000 Menschen starben während der Belagerung, darunter zahlreiche Kinder. Mladić wurde auch wegen dieser Verbrechen rechtskräftig verurteilt

Lebenslange Haft für Ratko Mladić

Nach dem Krieg war Ratko Mladić 16 Jahre auf der Flucht. Erst 2011 wurde er in Serbien festgenommen und anschließend an das Internationale Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien ausgeliefert.

Der Prozess dauerte 530 Tage, rund 500 Zeugen wurden gehört. 2017 wurde Mladić wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. 2021 wurde seine Verurteilung letztinstanzlich bestätigt. Seine lebenslange Haftstrafe hat Mladić bis zu seinem Tod in Den Haag verbüßt.

Srebrenica bleibt bis heute umkämpfte Erinnerung

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Massaker ist die gesellschaftliche Aufarbeitung nicht abgeschlossen. Teile der Bevölkerung in Serbien und der Republika Srpska lehnen die international gerichtlich festgestellte Einstufung des Massakers von Srebrenica als Völkermord weiterhin ab. Gleichzeitig wird Mladić von manchen Anhängern bis heute als Held verehrt.

Mit dem Tod von Ratko Mladić dürfte deshalb nicht nur die Erinnerung an seine Verbrechen zurückkehren. Auch die Debatte über Srebrenica, die Verantwortung für den Völkermord und die Aufarbeitung des Bosnienkriegs dürfte erneut aufflammen.

FAQ: Ratko Mladić und das Massaker von Srebrenica

Was geschah beim Massaker von Srebrenica?

Nach der Einnahme der UN-Schutzzone im Juli 1995 wurden bosniakische Männer und Buben von Frauen und Kindern getrennt. Tausende Gefangene wurden zu Hinrichtungsorten gebracht und ermordet. Insgesamt wurden in und um Srebrenica rund 8.000 Männer und Buben getötet.

Wann fand das Massaker von Srebrenica statt?

Bosnisch-serbische Truppen nahmen Srebrenica am 11. Juli 1995 ein. Die systematischen Tötungen erfolgten in den darauffolgenden Tagen.

Wie viele Menschen wurden in Srebrenica ermordet?

Beim Massaker von Srebrenica wurden rund 8.000 bosniakische Männer und Buben ermordet. Die Opfer wurden an verschiedenen Orten getötet und in Massengräbern verscharrt.

Welche Rolle spielte Ratko Mladić in Srebrenica?

Ratko Mladić war Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska. Das Haager Tribunal stellte seine Beteiligung an dem gemeinsamen kriminellen Vorhaben fest, die bosnisch-muslimische Bevölkerung aus Srebrenica zu beseitigen.

Warum gilt Srebrenica als Völkermord?

Internationale Gerichte stellten fest, dass die Verbrechen mit der spezifischen Absicht begangen wurden, einen Teil der bosnisch-muslimischen Bevölkerungsgruppe zu vernichten. Die Verbrechen von Srebrenica werden deshalb juristisch als Völkermord eingestuft.

Wofür wurde Ratko Mladić verurteilt?

Ratko Mladić wurde wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Verurteilung wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.

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