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Walter Ruck Wirtschaftskammer Wien vor Schild mit Teilzeit und Vollzeit fordert 1000 Euro Bonus für Vollzeitarbeit in Österreich
Walter Ruck fordert Bonus für Vollzeitarbeit: Steuerfreibetrag soll Teilzeit-Trend bremsen und Vollzeit attraktiver machen.
Walter Ruck fordert Bonus für Vollzeitarbeit: Steuerfreibetrag soll Teilzeit-Trend bremsen und Vollzeit attraktiver machen.
montage: weekend (APA-Images / SEPA.Media / Michael Indra; PhotographyByMK / shutterstock)

Vollzeitarbeit: 1000 Euro Bonus gefordert – Warum sich mehr Arbeit kaum auszahlt

16.04.2026 um 12:21, Stefanie Hermann
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Vollzeitarbeit rechnet sich oft kaum: WK Wien fordert 1000 Euro Bonus und Reform bei Beihilfen. Warum Teilzeit boomt und was sich ändern soll.

Die Vollzeitarbeit steht in Österreich zunehmend unter Druck. Mit einer Teilzeitquote von 31 Prozent liegt das Land EU-weit an der Spitze. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Wien: Rund 20 Prozent der Männer arbeiten hier in Teilzeit – fast doppelt so viele wie im restlichen Bundesgebiet.

Für Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck ist diese Entwicklung kein Zufall. „Das wundert mich nicht, denn die Menschen können rechnen“, sagt er. Der Grund liege im System selbst: „In Österreich wird Vollzeitarbeit diskriminiert.“

Vollzeitarbeit unter Druck

Die Zahlen zeigen laut Ruck eine klare Schieflage. Zwar steigt die Zahl der Erwerbstätigen, gleichzeitig sinkt jedoch die tatsächliche Arbeitsleistung. „Mehr Menschen arbeiten, das allerdings weniger“, bringt es der WK-Präsident auf den Punkt.

Im Schnitt liegt die Wochenarbeitszeit mittlerweile unter 30 Stunden. Das habe weitreichende Folgen: „Es verwundert ebenfalls nicht, dass die Finanzierung staatlicher Leistungen dadurch immer schwieriger wird.“ Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel, da Unternehmen verstärkt auf Vollzeitarbeit angewiesen sind.

Mehr Beschäftigte, aber weniger Leistung

Die Entwicklung zeigt eine paradoxe Situation am Arbeitsmarkt: Während die Beschäftigung steigt, sinkt die tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Das wirkt sich nicht nur auf die Produktivität aus, sondern auch auf die Stabilität des Sozialsystems.

1000 Euro Bonus für Vollzeitarbeit

Um die Vollzeitarbeit wieder attraktiver zu machen, bringt Ruck einen konkreten Vorschlag ins Spiel. Gefordert wird ein steuerlicher Absetzbetrag von „mindestens 1000 Euro pro Jahr“.

Die Idee dahinter: Wer mehr arbeitet, soll auch deutlich mehr Netto vom Brutto behalten. „Arbeit soll sich nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen“, betont Ruck. Ohne Gegenmaßnahmen drohten „ernsthafte, volkswirtschaftliche Probleme“.

Der Bonus soll dazu beitragen, die finanzielle Kluft zwischen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten zu verringern und damit einen klaren Anreiz für mehr Arbeitsstunden zu schaffen.

Reform bei Beihilfen

Neben steuerlichen Maßnahmen sieht die Wirtschaftskammer auch Reformbedarf bei staatlichen Unterstützungen. Einkommensabhängige Beihilfen – etwa für Energie oder Wohnen – sollen künftig nicht mehr abrupt wegfallen, wenn das Einkommen steigt.

Stattdessen schlägt Ruck ein stufenweises Modell vor. Dadurch soll verhindert werden, dass sich zusätzliche Arbeitsstunden finanziell kaum lohnen. Ziel ist ein System, in dem sich Vollzeitarbeit klar rechnet.

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