EZB erhöht Leitzins auf 2,50 Prozent: Das ändert sich jetzt
- EZB erhöht Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte
- Inflation bleibt deutlich über EZB-Ziel
- Ölpreis über 100 Dollar erhöht den Druck
- Kredite werden teurer, Sparer können profitieren
- Österreich: Warum die Zinsen um 0,50 Prozentpunkte steigen
- Weitere Zinserhöhung im Dezember möglich
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihre Leitzinsen erneut. Der für die Geldpolitik besonders wichtige Einlagensatz steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Gleichzeitig werden auch die beiden anderen zentralen EZB-Zinssätze angehoben. Damit reagiert die Notenbank auf die hartnäckig hohe Inflation im Euroraum und die steigenden Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten.
EZB erhöht Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte
Der EZB-Rat hat am Donnerstag bei seiner Sitzung in Berlin beschlossen, die drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte anzuheben. Der Einlagensatz steigt auf 2,50 Prozent. Der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte beträgt ab 16. September 2,65 Prozent, jener für die Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,90 Prozent.
Die drei EZB-Leitzinsen im Überblick
- Einlagensatz: 2,50 Prozent
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
- Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent
Wenn aktuell vom EZB Leitzins von 2,50 Prozent gesprochen wird, ist damit der Einlagensatz gemeint. Er ist derzeit für die Ausrichtung der Geldpolitik besonders relevant.
Damit ist auch die häufig verwendete Bezeichnung „EZB Leitzins von 2,50 Prozent“ einzuordnen: Gemeint ist der Einlagensatz, der derzeit für die Ausrichtung der Geldpolitik besonders relevant ist. Zuletzt hat dieser im Februar 2025 mit 2,75 Prozent höher gelegen.
Es ist bereits die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Schon im Juni hat die EZB die Zinszügel angezogen. Nun verschärft sie ihren Kurs erneut, nachdem die Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent gestiegen ist. Das Inflationsziel der Notenbank liegt bei zwei Prozent.
Inflation bleibt deutlich über EZB-Ziel
Ein schnelles Ende der hohen Teuerung erwartet die EZB nicht. Für 2026 prognostiziert sie eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent. 2027 soll sie auf 2,5 Prozent und 2028 auf 2,1 Prozent zurückgehen.
„Der heutige Beschluss unterstreicht die Entschlossenheit des EZB-Rats, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert“, erklärt die Zentralbank zum Zinsentscheid.
Gleichzeitig warnt die EZB vor anhaltendem Preisdruck. „Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben.“
Ölpreis über 100 Dollar erhöht den Druck
Besonders die Entwicklung der Energiepreise bereitet den Währungshütern Sorgen. Der Ölpreis ist über 100 Dollar je Barrel gestiegen. Anleger fürchten, dass die eskalierenden Angriffe im Nahen Osten die Öllieferungen aus der Region beeinträchtigen könnten.
Steigende Energiekosten treffen nicht nur Konsumenten unmittelbar. Sie erhöhen auch die Kosten von Unternehmen und können dadurch weitere Waren und Dienstleistungen verteuern. Die EZB will verhindern, dass sich dieser Preisschock dauerhaft festsetzt und zusätzlichen Inflationsdruck erzeugt.
Kredite werden teurer, Sparer können profitieren
Die neuerliche Zinserhöhung hat auch Folgen für Verbraucher und Unternehmen. Höhere EZB-Zinsen können Kredite verteuern, wodurch Finanzierungen für Immobilien, Investitionen und Konsum kostspieliger werden. Sinkt dadurch die Nachfrage, soll auch der Preisdruck nachlassen.
Sparer können dagegen profitieren, wenn Banken die höheren Zinsen an ihre Kunden weitergeben. Für die Wirtschaft bleibt der Kurs eine Gratwanderung. Steigen die Zinsen zu stark, können Investitionen ausbleiben und das Wirtschaftswachstum gebremst werden.
Österreich: Warum die Zinsen um 0,50 Prozentpunkte steigen
Eine Besonderheit gibt es in Österreich. Obwohl die EZB ihre Leitzinsen aktuell um 25 Basispunkte erhöht, steigen der österreichische Basiszinssatz und Referenzzinssatz mit 16. September jeweils um 50 Basispunkte.
Der Basiszinssatz steigt von 1,53 auf 2,03 Prozent, der Referenzzinssatz von 2,65 auf 3,15 Prozent. Darin liegt kein Widerspruch zum aktuellen EZB-Zinsschritt. Nach den österreichischen gesetzlichen Regeln werden Veränderungen von weniger als 0,50 Prozentpunkten seit der letzten Anpassung zunächst nicht berücksichtigt. Sobald diese Schwelle erreicht ist, wird die angesammelte Veränderung nachvollzogen.
Weitere Zinserhöhung im Dezember möglich
Trotz der hohen Zinsen zeigt sich die EZB bei der Konjunktur etwas optimistischer. Für 2026 erwartet sie nun ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent, nach zuvor prognostizierten 0,8 Prozent. 2027 soll die Wirtschaft des Euroraums um 1,4 Prozent und 2028 um 1,5 Prozent wachsen.
Ob der aktuelle Zinsschritt ausreicht, bleibt offen. An den Terminmärkten wird bereits mit einer möglichen weiteren EZB-Zinserhöhung im Dezember gerechnet. Entscheidend dürfte sein, wie sich Inflation, Energiepreise und der Konflikt im Nahen Osten in den kommenden Monaten entwickeln.