Der steinige Weg zum eigenen Sonnenstrom

Immer mehr Haushalte oder Betriebe wollen sich eine PV-Anlage zulegen. Der Boom wird allerdings durch mehrere Faktoren gebremst.
Autor: Gert Damberger, 02.06.2022 um 12:36 Uhr

Bis 2030 soll in Österreich die Stromerzeugung bilanziell auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden, so will es das im Vorjahr beschlossene „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz“. Dazu muss weitaus mehr Strom aus Windkraft und Photovoltaik als bisher gewonnen werden. Ziel ist es, den Sonnenstrom-Anteil am Strommix von bisher fünf Prozent auf 15 Prozent anzuheben. So wie’s scheint, muss man die Österreicher nicht extra dazu auffordern. Derzeit boomt die private Photovoltaik. Beim Start der Förderaktion am 21. April wurde die Abwicklungsstelle OeMAG mit abertausenden Anträgen (“Tickets“) regelrecht zugeschüttet.

 

Stromnetz

Einen „Einspeiszählpunkt“ beantragen

Doch nicht jeder Sonnenstrom-Aspirant kommt überhaupt soweit, dem OeMAG-„Fördercall“ zu folgen. Bevor man um die Investitionsförderung ansucht, muss man nämlich beim Energieversorger einen „Einspeiszählpunkt“ beantragen. Schließlich wird man ja mit einer privaten PV-Anlage zum Kleinkraftwerk, das nicht nur den eigenen Haushalt bzw. die eigene Firma versorgt, sondern auch den überzähligen Strom gegen Bezahlung ins allgemeine Netz abführt. Dazu muss der Netzbetreiber prüfen, ob das entsprechende Netzgebiet die vielen neuen Mini-Kraftwerke überhaupt aushält. Das kann dauern.

Elektriker am Dach

Hoffen auf Gesetzesreform

Hat man Förderzusage und Einspeispunkt erfolgreich eingesammelt, muss man den Betrieb finden, der die Module installiert und anschließt. Das kann schwierig werden, denn auch die Installationsbetriebe sind mit dem Boom überfordert – es mangelt schlicht an Personal. Dummerweise müssen die Sonnenstrom-Produzenten in spe ihr Projekt innerhalb einer fixen Frist von sechs Monaten fertigstellen, damit der Anspruch auf Förderungen nicht erlischt. Auch Lieferschwierigkeiten bei manchen Komponenten (zum Beispiel bei Wechselrichtern) verschärfen den Stress. Das ist natürlich alles in allem ziemlich unerfreulich. Der Branchenverband „Photovoltaic Austria“ hofft nun auf eine Gesetzesreform, die bürokratische Hindernisse beseitigt, von vorneherein für Transparenz bei der Netzkapazität sorgt und auch die Fristen sinnvoller regelt.