Test: VW Golf GTI - Ein Golf sieht rot

Der erste GTI kam 1976 zur Welt. 45 Jahre später testen wir die neue achte Generation. Der Unterschied? Man beschleunigt fast doppelt so schnell, bekommt es aber nicht mit der Angst zu tun, wie es im alten GTI der Fall war.
Autor: Werner Christl, 27.04.2021 um 00:00 Uhr

Ich bin vor Kurzem in einem Golf GTI der ersten Generation gefahren. Der hat mit dem hier getesteten technisch so viel zu tun wie eine Standuhr mit einer Smartwatch. Alleine die Bremsen beim alten GTI sind im Grunde in der Kategorie „Angst“ angesiedelt. Das Leichtgewicht (850 kg) knackte den Hunderter in immerhin knapp unter 10 Sekunden (aktueller GTI 6,2 Sekunden). In der Kurve regelte nicht das ESP, sondern der Straßengraben ab. Insofern fahren wir dann doch lieber die achte Generation. Ja, sie hat noch den Spirit des Alten. So Kleinigkeiten wie die Retrositzbezüge und diverse GTI-Logos im neuen GTI tragen dazu bei. Das Wichtigste aber: Er fährt sich tatsächlich saugut. Man darf ihm durchaus eine gewisse Straffheit nachsagen. Und das macht ihn zum Kurvensauger. Ein Kompaktauto, das in Sachen Fahrwerk, Lenkung, Motor durchaus im Bereich der Premiumhersteller angesiedelt ist! Der neue GTI macht echt viel Spaß. Rein optisch sieht das neue Modell von hinten betrachtet nicht viel anders aus als der „normale“ Golf. Von vorne betrachtet haben die Wolfsburger aber was richtig Schönes, Dezentes hinbekommen. Die im Wabengrill versteckten Nebelscheinwerfer sehen cool aus und ein dezenter roter Streifen zieht sich quer über die Front. Die Ganze GTI-Schnauze trägt eben nicht zu viel und nicht zu wenig auf – sehr gelungen. Im Inneren sehen wir wie beim herkömmlichen Golf ein praktisch voll digitales Cockpit. Ob das Nichtvorhandensein von Knöpfchen toll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Lautstärke oder Klimaanlage sind halt eine Fingerübung. Die Menüs sind verständlich, aber trotzdem dauert es ein Weilchen, um dorthin zu gelangen, wo man im Menü hinwill. Egal, unterhalten wir uns über die Eckdaten: Wie schon angedeutet, passt der 245-PS-Zweiliter-TSI mit 370 Newtonmeter im Zusammenspiel mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und Lenkung optimal zum Auto. Beim Verbrauch lagen wir im Schnitt bei 9 Litern. Laut Werk sind 7,4 bis 8,4 angegeben. Assistenten sind alle wichtigen an Bord. Auffällig: Der Travel Assist macht seine Sache sehr gut und ermöglicht teilautonomes Fahren. Preislich startet der GTI bei 37.100 Euro. Fazit: ein echter GTI. Vielleicht die letzte Generation als reiner Benziner. Eine absolut alltagstaugliche Spaßkanone.

Leistung: 245 PS

Testverbrauch: 9 Liter

Motor: Zweiliter-TSI

Spitze: 250 km/h

0 – 100 km/h: 6,2 Sekunden

Foto: ©Werner Christl