Test: Mazda MX-5 – Hinterteil trifft Straße

Gute Autofahrer fahren mit dem Allerwertesten. Letzterer sitzt im MX-5 weit unten und das macht extrem Spaß. Vor allem, wenn sich das Hinterteil des Roadsters in Kurven gemeinsam mit dem Allerwertesten seitwärts bewegt. Wir ergründen im Test, warum der MX-5 der meistverkaufte Roadster der Welt ist.
Autor: Werner Christl, 29.08.2022 um 09:49 Uhr

Knackiger Samurai

Wenn ein Auto das meistverkaufte seiner Klasse weltweit ist, kann man davon ausgehen, dass es da irgendetwas gibt, das die Menschen anspricht. Der Mazda MX-5 hat da einige „Irgendetwas“ zu bieten. MX-5-Fans würden da ziemlich sicher folgende Punkte aufzählen. Da hätten wir die Schaltung. Die vom japanischen Roadster ist derart knackig und cool zu schalten, dass es fast frevelhaft wäre an eine Automatik nur zu denken. Dazu die direkte perfekte Lenkung und ein Heckantrieb. Letzterer lässt gerade so viel Fahrspaß zu, wie es notwendig ist. Die 50:50 Gewichtsverteilung spielt da auch eine Rolle. Und die Sitzposition? Ein bisschen kommt das Gefühl auf, als würde man mit seinem Hinterteil direkt auf der Straße sitzen – leider sehr geil. Der Schwerpunkt sitzt demnach auch sehr tief, was in engen Kurven durchaus Sinn macht. Und dann noch das Verdeck. Wer ein Stoffdachl ordert, befördert dieses in Sekunden mit einem Handgriff nach hinten. Wir wurden im Test mit einem elektrischen Targadach beglückt, das deutlich länger werkt. Schaut jedenfalls gut aus und der Wind pfeift einem praktisch nie zu stark um die Ohren, was schon angenehm ist. Unterm Strich eine Glaubensfrage, die selbst MX-5 Liebhaber nicht immer beantworten können. Ob Targa oder Roadster mit Soft-Top – beides hat seine Berechtigung.

Foto: ©Werner Christl

Spaß und Vernunft

Und noch einen Erfolgsgrund gibt es. Haltbarkeit, Erhaltungskosten und Preis-Leistungsverhältnis stimmen. Ein MX-5 fährt nicht mit 500 PS vor. Hier reichen maximal 184 aus einem Zweiliter-Benziner. Die sorgen für lässigen Fahrspaß. Die 132-PS-Version ist da noch vernünftiger, aber vielleicht schon zu vernünftig. Der Motor mag es, dabei hochgedreht zu werden, was wir ebenfalls sehr mögen. Natürlich gibt es Dinge, die vielleicht im Alltag nicht wirklich ein Hit sind, aber die sind der Autoklasse geschuldet. Das doch sehr straffe Fahrwerk zeigt exakt wo sich Fahrbahnunebenheiten befinden. Als Van würden wir zudem den MX-5 wohl ebenfalls nicht bezeichnen. Heißt: Ein Roadster bietet (logo) wenig Platz. Ablagen sind so selten wie offen gefahrene MX-5 im Jänner. Aber irgendwie sind Diskussionen in diese Richtung „leicht blöd“, weil man einen Roadster für den Spaß kauft und nicht fürs Bauhaus.

Vintage

Das getestete Modelljahr 2022 wurde aufgewertet und das Design nicht verändert. Unter anderem wurde die Farbenauswahl erweitert, neue Ausstattungsvarianten kreiert. Neben den Ausstattungsvarianten Challenge, Revolution, Revolution Top gibt es nun auch „Modern und Vintage“. Das Testauto in der Vintage-Ausstattung hatte Features wie LSD-Sperrdifferential, Nappaleder oder silberne 17-Zoll Alu. Zuletzt noch zum Verbrauch. 6,9 Liter sollen es laut Mazda sein – wir lagen bei 7,5 mit vom Hirn losgelösten Gasfuß geht es natürlich noch weiter rauf. Insgesamt geht der Wert absolut in Ordnung. Den MX-5 mit Soft-Top gibt es ab Euro 29.990,-. Mit dem Retractable Fastback (RF), sind es ab 36.790,-. Der Test-MX-5 in der höchsten Vintage-Variante kostet 41.790,-.

Fazit

Der MX-5 ist wie er war und sein wird. Ein perfektionierter Roadster mit hohem Spaßfaktor, bei dem es unglaublich schwierig ist Schwachstellen zu finden. Außer man missbraucht ihn als Familienfahrzeug, was aber eh keiner tut.

Eckdaten:

PS: 184

Spitze: 220

0-100 km/h: 6,8 Sek. 

Kofferraumvolumen: 127

Getriebe: 6-Gang (manuell)