Test CX-60: Der stärkste aller Mazdas

Klein sieht sicher anders aus. Der neue Mazda CX-60 ist nicht nur das derzeit größte Modell der Japaner sondern auch der stärkste jemals gebaute Serien-Mazda! Kratzt man mit diesem Nobelhobel die Kurve Richtung Premiumsegment?
Autor: Werner Christl, 18.10.2022 um 08:09 Uhr

Mächtig

Was fällt uns beim ersten Blick ins Gesicht des Big-SUV ein? „Friss mich nicht!“ … Ja, der Kühlergrill ist schon ziemlich mächtig. Mächtig sind aber auch die Eckdaten. 327 PS Systemleistung, 2,5-Liter Hubraum und eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 5,8 Sekunden. Mit 4,75 Metern Länge ist der CX-60 ein ziemliches Bröckerl. Das merkt man bei der Parkplatzsuche. Und trotzdem ist der CX-60 kein Säufer, denn wir sprechen hier von einem Plug-In, der eine ziemlich stolze rein elektrische Reichweite bietet. Auch in Sachen KFZ-Steuer steht einem kein Schweiß auf der Stirn, denn die Systemleistung setzt sich aus 191 PS vom Benziner und den 175 PS aus dem E-Motor zusammen. Im Test schafften wir zwar die angegeben 63 Kilometer rein elektrische Reichweite nicht, aber gut 55 Kilometer, was im Vergleich zu anderen Plug-In Hybriden ein stolzer Wert ist. Möglich wird dies durch eine 17,8 kWh-Batterie, die mittig im Fahrzeugboden verbaut wurde. Das Laden dauert aber schon eine Weile, da die Ladeleistung bei 7,2 kWh liegt. Heißt: es dauert ca. zweieinhalb Stunden, bis man die gesamte elektrische Reichweite zur Verfügung hat. So wird aber auch gleichzeitig die Batterie geschont – Batterien werden ja durch diverse Schnellladungen nicht wirklich besser. Zudem macht der Plug-In ohnehin nur Sinn, wenn der Besitzer daheim über Nacht laden kann. Und hier ist es egal, ob eine oder zwei Stunden geladen wird.

Foto: ©Werner Christl

Verbrauch

Was bringt jetzt der Plug-In in Sachen Verbrauch. Die von Mazda genannten 1,5 Liter auf 100 Kilometer sind nur ein Richtwert und setzt voraus, dass man mit geladener Batterie nur 100 Kilometer fährt. Wir haben im Langstreckentest über hunderte Kilometer mit vollgeladener Batterie und vollem Tank ohne einmal nachzuladen immerhin 7,3 Liter Verbrauch geschafft. FJür ein Auto diese Größe ein extrem guter Wert. Wer wie die meisten Österreicher im Schnitt nur 35 Kilometer pro Tag fährt schafft praktisch einem Verbrauch von „0“ Litern. Der CX-60 fährt rein elektrisch 140 km/h schnell! Über den Mazda-Intelligent-Drive-Select kann neben Normal, Sport, Offroad sowie Towning (ziehen eines Anhängers) auch ein EV-Modus angewählt werden. Mit diesem geht es rein elektrisch vorwärts. Und das auch im Winter und auf unbefestigten Straßen, denn der Japaner hat einen Allradantrieb. In der Regel fährt er mit Hinterradantrieb – wenn notwendig schaltet sich der Vorderadantrieb automatisch dazu.

Cockpit

Der Innenraum des CX-60 ist ziemlich interessant gestaltet, weil er nicht mit der Masse mitschwimmt. In der getesteten Version hatten wir beispielsweise unterhalb des Armaturenbretts einen hellgrauen, speziellen Stoffbezug mit noch spezielleren Nähten. Dazu hat Mazda helle Holzapplikationen verbaut. Dazu weiße Ledersitze und schon wirkt alles extrem edel. Man will da eindeutig Richtung Premiumsegment. Die Verarbeitung ist ganz klar hochwertig und das Design im Innenraum wirkt eben sehr modern und aufgeräumt! Und typisch Mazda: anders als derzeit viele Hersteller verzichtet man auf Untermenüverwirrspiele, Touchscreenablenkungen und Knopferlwald. Die Bedienung erfolgt über den Controller im Bereich der Mittelkonsole. Im Cockpit stechen zwei sehr große Screens ins Auge. Hauptinstrument und Multifunktionsscreen haben beide jeweils 12,3 Zoll. Was gibt es zu meckern? Die Sicht nach hinten könnte besser sein. Ohne Rückfahrkamera wäre es etwas „fad“ rückwärts zu fahren. Und die Lenkung könnte etwas direkter sein, man kurbelt beim Wenden do etwas lange herum. Sonst gibt es keine gröberen Beanstandungen. Das Wort Platzproblem kennt der CX-60-Fahre nicht. Kein Wunder, bei den Abmessungen.

Interessante Features

Am CX-60 kann man Elektrogeräte einfach über eine Steckdose anschließen. Damit sind nicht nur Handys gemeint, sondern theoretisch eine Mikrowelle. Oder eher realistisch – eine ordentliche Kühlbox. Bis 1.500 Watt können so angeschlossen werden – ein starker Wert! Spannend auch das sogenannte „Personalization System“. Dies erkennt mit einer speziellen Kamera das Gesicht des Fahrers und speichert alle wichtigen Daten ab. Also welche Sitzeinstellungen, persönliche Vorlieben in Sachen Klimaeinstellungen oder auch die Spiegeleinstellungen. Der Fahrer wird praktische beim Eisteigen via Gesichtserkennung gescannt und schon ist das Auto perfekt auf die Person/den Fahrer eingestellt.

Fazit Wir in der Redaktion waren schon beeindruckt. Mazda geht kontinuierlich den Weg in Richtung Premium. Vergleicht man den Japaner preislich mit ähnlichen deutschen Premiummodellen wird klar, dass diese ein ganzes Stück teurer sind. Vielleicht sind diese auch ein Stück mehr Premium, aber ob das überhaupt notwendig ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Wer keinen Plug-In möchte, kann übrigens zukünftig auch einen 3,3-Liter-Diesel mit sechs Zylindern ordern. Sogar ein 3.0-Liter Benziner-Sechszylinder ist im Anmarsch. Das Testauto in der Takumi-Ausstattung hatte einen Endpreis von 65.500,- Euro. Der Startpreis für den Plug-In beträgt 49.950,-.