Test: BMW X4 M Competition – Schwerpunktkontrolle mit 510 PS

Irgendwo in München gibt es die BMW M GmbH. Dort sitzen Leute, die nichts anderes zu tun haben, als aus sportlichen BMWs giftige, scharfe M-Dinger zu machen, die der Straße das fürchten lehren. Diesmal haben sich die M-Tuner am BMW X4 vergangen. Als Resultat stehen im Zulassungsschein 480 PS! Zusätzlich haben sich die M-Bayern gedacht, legen wir doch noch 30 PS drauf und machen wir eine „Competition-Variante“ mit 510 Pferden. Letztere haben wir getestet. Ob es schlussendlich auf die „30+“ ankommt, ist allerdings fraglich, denn ein X4 M zieht ab wie vom Gummiband geschossen. Der Hunderter wird in nur 4,1 Sekunden geknackt und erst bei 280 km/h ist Schluss. Dazu kommt ein cooler Sound, der vor allem nach dem Drücken des Schalters mit den aufgezeichneten Auspuffrohren (M-Sportabgasanlage), noch cooler wird. Wobei der Klang unterem Strich keines falls zu laut ist – da gibt es Konkurrenten, die auffälliger unterwegs sind.

Schwerpunktkontrolle. Beim Fahrwerk haben die Bayern wieder gute Arbeit geleistet. Zwar ist der X4 M sicher nicht mit einem M5, der ähnlich stark unterwegs ist, zu vergleichen, aber für ein SUV dieser Größe verhält er sich in Kurven sehr agil. Natürlich kann man den höheren Schwerpunkt nicht wegleugnen. Nachdem sich die Hecklastigkeit individuell anpassen lässt, ist auch ein kleiner Hüftschwung in engen Kurven kein Problem. Heißt: je nach Wunsch lässt sich mehr oder weniger Kraft auf die Hinterräder verteilen. Den Allradantrieb spürt man so kaum noch – bzw. stört dieser nicht sonderlich beim Kurvenrutschen. Insgesamt ist der X4 M im Grenzbereich sehr gut beherrschbar. Allerdings hatte wir im Test Winterreifen montiert und diese machten dann doch manchmal einen Strich durch die Fahrwerksrechnung. Aber dafür gibt es ja notfalls die extrem super dosierbaren Bremsen. Langstrecken sind übrigens kein Problem, da sich im „normalen“ Fahrmodus eine komfortable Fahrwerksabstimmung „erfahren“ lässt. Kurz zum Verbrauch: BMW schreibt in der Bedienungsanleitung von durchschnittlich 10,6 Litern. Das gilt aber nur, wenn man die 510 Pferde im Stall lässt. Wehe wenn das Gatter zur Koppel geöffnet wird: dann laufen nicht nur die Pferde, sondern auch die Spritkosten. Im Test lagen wir je nach ein- oder ausgeschaltetem Hirn zwischen 9,8 und 13 Litern.

Das Cockpit. Im Innenraum geht es eigentlich nicht zu aggressiv zur Sache. Ja, da sind die beiden roten „M-Knöpfchen“ am Lenkrad, mit denen man individuell die Sau rauslassen kann. Und ja, Tacho und Co. passen sich farblich sozusagen den Fahrwerten an – auch trifft der Blick des Fahrers sehr oft „M-Logos“. Aber es bleibt ein typisches BMW-Cockpit mit gut ablesbaren Instrumenten sowie nicht zu viel Verspieltheit in Form von endlosen Untermenüs für die einfachsten Dinge. Platz und Komfort gibt es im Sportler genügend – wie gesagt, lassen sich Langstrecken bequem erledigen. Über die Assistenten müssen wir uns hier nicht unterhalten – derer gibt es unendlich viele, was bei einem Endpreis von EUR 137.670,- (X4 M Competition) auch zu erwarten war. Der Startpreis für die normale X4 M Variante liegt bei 112.300,- Euro. So gesehen ist ein X4 ohne „M“ fast ein Schnäppchen, denn lost geht’s ab EUR 54.900,-.

Fazit: Vielleicht das schärfste SUV am Markt – endlos viel Kraft sorgt für viel Fahrspaß. Natürlich kein Auto für uns Normalos – alleine die KFZ-Steuer würde uns in den Ruin treiben. Fahrtechnisch eine Benchmark – nur vielleicht nicht mit Winterreifen.

Eckdaten: BMW X4 M Competition 510 PS

600 Newtonmeter

8-Gang-Steptronic-Getriebe

Hubraum: 2.998 ccm

Sechszylinder Twin-Turbo

Leergewicht: 1.970 kg

Länge: 4,8 Meter

Kofferraumvolumen: 525 – 1.430 Liter

Verbrauch laut Werk: 10,6 (Test: 9,8 bis13 Liter)

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Autor: Werner Christl , 05.08.2020